Florian Scheubas „Unschuldsvermutung“ ab 17.11. im Rabenhof Theater

In Florian Scheubas neuem Stück „Unschuldsvermutung“ spielen Publikumslieblinge wie Erwin Steinhauer oder Robert Palfrader Justizlieblinge wie Helmut Elsner oder Julius Meinl. Eine Originaltextmontage, die heimische Realitäten bis zur Kenntlichkeit entstellt.

So viel Spaß haben dem Anwalt Manfred Ainedter seine prominenten Klienten wohl noch nie gemacht. Immerhin sind gleich drei davon ab 17. 11. Protagonisten eines satirischen Theaterabends, der mit dem Wort des Jahres übertitelt ist. „Unschuldsvermutung“ heißt das neue Stück von Florian Scheuba, das im Rahmen einer Heinz-Conrads- Show „Österreichs reinste Lamperl“ präsentiert: von Helmut Elsner bis Julius Meinl, von Karl-Heinz Grasser bis zu Austropopstar Rainhard Fendrich und Sportler Bernhard Kohl. Alle kommen dabei ausnahmslos mit Originalzitaten und selbst verfassten Texten zu Wort.

Es ist dies die Fortsetzung eines erfolgreichen Projekts, das schon vor acht Jahren für Furore beim Publikum sorgte. Damals brachte man unter dem Titel „Österreichs größte Entertainer“ prominente Mörder der Republik von Udo Proksch bis zu Jack Unterweger und Elfriede Blauensteiner mit Originaltexten auf die Bühne. Nun schlüpft Scheuba erneut in die Rolle des nur scheinbar lieben Fernsehonkels Heinz Conrads, und es heißt wieder: „Gut’n Abend, meine Damen, gut’n Abend, meine Herren, gut’n Abend, die Madln, servas die Buam …“ Nur dass diesmal die vermutlich unschuldigsten Österreicher auf der Bühne so manche Vermutung Gewissheit werden lassen. „In Zeiten, in denen so viele bemüht sind, über gewisse Vorkommnisse Gras wachsen zu lassen, ist ‚Unschuldsvermutung‘ ein Abend im Zeichen des Rasenmähens“, stellt der Autor selbst dem Stück als Motto voran.

Scheuba hat dafür gemeinsam mit dem Regisseur, Rabenhof-Direktor Thomas Gratzer, ein Darstellerteam heimischer Publikumslieblinge zusammengestellt. So wird Robert Palfrader den Julius Meinl spielen, Erwin Steinhauer Helmut Elsner, Gregor Seberg als Graf Mensdorff-Pouilly auftreten und Adele Neuhauser als Karl-Heinz Grasser. Immerhin erzählt der ehemalige Finanzminister in Interviews gerne, dass er im Autohaus seiner Eltern oft mit einem Mädchen verwechselt wurde. Angestrebt sind demgemäß keine grellen Parodien von Meinl & Co, sondern Charakterstudien. Die Schauspieler haben Beiträge von YouTube bis zur „ZiB“ studiert, um den Figuren in den Abgrund der Seele zu blicken, den man vor allem als einen gesellschaftspolitischen sehen kann. Denn was in „Unschuldsvermutung“ als Satire vorgeführt wird, ist unsere Realität.

Versprochen ist ein Abend mit moralischer Komponente und selbstreinigender Wirkung für den Zuschauer. Immerhin wird genau dieses Publikum tagtäglich via Medien mit Schlagwörtern wie Untreueverdacht, Anlegerbetrug und Insiderhandel konfrontiert und darf sich über hoch dotierte Beraterverträge für Rüstungs- und Baugeschäfte wundern, bei denen Millionen verschoben werden. Keiner weiß, wohin und wofür. Aber strafrechtlich gilt in jedem Fall die Unschuldsvermutung. Oder der schöne Satz „Man ist noch zu keinem eindeutigen Schluss gekommen“. All das will Scheuba demonstrieren, auf ironischer Ebene und im Originaltext. Im besten Fall bedeutet das Politsatire, die weit über das klassische Kabarett hinausgeht.

Weiße Weste, dreckiges Geld, schmutzige Hände

Natürlich hat man sich auf die bekanntesten Unschuldslämmer konzentriert, auf in der Öffentlichkeit stehende und besonders gut vernetzte mutmaßliche Täter, vom ehemaligen Finanzminister bis zu Wirtschaftstycoons, die nach wie vor einen gesellschaftlichen Status genießen, der sie lustig weitermachen lässt: Die Hautevolee mit dem Überschmäh ist vernetzt mit Politik und Wirtschaft, bleibt in jedem Fall locker und lässig. Wie gut Satire da als Notwehr funktionieren kann, hat Florian Scheuba schon mehrfach erfolgreich demonstriert. Er weiß, wo man den Finger in die Wunde legt. Der ehemalige „Hektiker“ war bereits mit dem Aufklärungsformat „Die 4 da“ im ORF in heikler Mission unterwegs. Mit Rupert Henning, Thomas Maurer und Erwin Steinhauer hat er da schon heimische Realitäten bis zur Kenntlichkeit entstellt.

Ein Schmäh zum „Schnee“-Konsum, den der Kabarettist im Zuge des „Hektiker“-Jubiläumsprogramms „Silberhochzeit“ im Jahr 2006 machte, brachte Fiona Swarowski-Grasser derart auf die Palme, dass sie Klage wegen übler Nachrede einreichte. Der Prozess endete mit einem unbedingten Vergleich. Scheuba kennt aber auch bei „Unschuldsvermutung“ keinen Genierer.

Nahezu ein Jahr hat er recherchiert, Material aus Funk und Printmedien gesichtet und neu zusammengestellt, decouvrierender als Kabarett je sein könnte.

Was Satire darf, formuliert Medienanwalt Gerald Ganzger deutlich: „Die Rechtsabwägung zwischen den Rechten des Einzelnen und den in einer Demokratie unabdingbaren Rechten des Kabaretts ist in einer Demokratie zugunsten des Kabaretts zu entscheiden.“ Sonst, so der Experte, „kann Kabarett nicht funktionieren. Ein Kabarettist mit der Schere im Kopf ist kein Kabarettist.“ Dass man sich bei „Unschuldsvermutung“ auf die Kraft der Originalzitate verlässt, ist für Ganzger absolut nachvollziehbar: „Viele Entwicklungen in Österreich der letzten Jahre kann man kabarettistisch kaum toppen, und viele Originalzitate sind so skurril, dass sie ohnehin klingen, als wären sie von einem Kabarettisten geschrieben.“

Nach langjähriger Erfahrung könne er sich über so manche getätigte Aussage der Genannten allerdings nur wundern. Sie seien wohl aus „aus einer wilden Mischung aus Selbstüberschätzung, Unverständnis für Medienarbeit und dem Gefühl, unantastbar zu sein, entstanden“, mutmaßt der Anwalt. „Aber wenn man nur im 600er-Mercedes vom Chauffeur herumgeführt wird und der Chauffeur der einzige Konnex zum wirklichen Leben ist, dann passiert das halt.“ „Wenn man einen derartigen Bekanntheitsgrad hat, muss man damit rechnen, dass man in der Satire vorkommt“, sieht das auch sein Kollege Manfred Ainedter pragmatisch. Er freut sich bereits auf die Premiere, nicht ohne nachzusetzen: „Bei Grasser wird sich die Unschuld noch herausstellen.“ Auch daran zeigt sich wohl, wie diese Republik tickt.

– M. Gram, G. Schnabel, A. Sankholkar

Rabenhof: „Unschuldsvermutung“, ab 17. 11.
Thomas Gratzer inszeniert den von Florian Scheuba aus Originaltexten geschriebenen Abend. U. a. mit Florian Scheuba, Eva Maria Marold, Gregor Seberg, Robert Palfrader, Erwin Steinhauer.

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