Fett aufgesprayt: Graffiti-Kunst ist auf der Straße ein Outlaw und in den Galerien ein Star

Graffiti-Sprüher sind die neuen Liebkinder der Galeristen. Stars wie der britische Anonymus Banksky zählen mittlerweile zu den höchstdotierten Künstlern auf dem internationalen Markt. Immer mehr Ausstellungen widmen sich der Kunstform, die im öffentlichen Raum nicht gern gesehen ist.

Graffiti boomt, und der beste Beweis dafür ist der unter dem Pseudonym Banksy agierende Sprayer. Das anonyme Aushängeschild dieser Kunstrichtung zählt mittlerweile zu den höchstdotierten Künstlern auf dem internationalen Markt. Anfang 2008 erzielte sein Gemälde "Keep it spotless" beim Auktionshaus Sotheby's in New York einen Preis von 1,3 Millionen Euro. Gleichzeitig sorgt der Brite weiterhin mit medienwirksamen Guerilla-Aktionen für Aufsehen, wenn er etwa im kalifornischen Disneyland die Skulptur eines Guantánamo-Häftlings installiert.

Identitätsfrage
Der Künstler von der Straße hat es zu Ruhm gebracht, dabei bleibt vieles aus dem Leben des Sprayers Banksy weiterhin im Ungewissen. Es existieren weder Pressefotos noch Fernsehbilder von ihm. Sein bürgerlicher Name ist ebenso unbekannt wie seine Vita. Dass Banksy so penibel darauf bedacht ist, seine Anonymität zu wahren, und sich ganz hinter der Schablone seines Alter Ego versteckt, entspricht durchaus dem Credo der Graffiti-Bewegung. Gänzlich neu ist daran jedoch das Nebeneinander von Illegalität und Establishment, von Anonymität und Ruhm, das er verkörpert.

Prähistorische Ursprünge
Die Kommunikationsform Graffiti existiert als in Mauerwerk geritzte Bilder und Inschriften schon seit Menschengedenken. So wie wir Graffiti heute kennen, haben sie aber ihren Ursprung im New York der 70er-Jahre. Den dortigen Straßengangs dienten die Schriftzüge als Territorialmarkierung. Langsam entwickelte sich daraus ein fester Bestandteil vor allem der Hip-Hop-Kultur. In den 80er-Jahren schwappte die Lust am Sprayen auch nach Europa über. Besonders seit dem Boom der sogenannten Street-Art erreichten auch Graffiti in den vergangenen Jahren ein immer stärkeres Maß an Verbreitung und öffentlicher Aufmerksamkeit.

Verlust des Originären
Unter Insidern und Puristen sorgt das wachsende Interesse an Graffiti und Street-Art allerdings nicht nur für Begeisterung. "Einerseits ist es so, dass diese Leute viel geleistet haben. Das sind teilweise Könner, die auf den Straßen unterwegs sind. Und diesen Leuten ist es zu wünschen, dass sie damit Geld verdienen. Die Gefahr ist aber, dass das Ursprüngliche, das originäre Element verloren geht", so Norbert Siegl, Gründer des Instituts für Graffiti-Forschung in Wien.

"Apocalyptic Colors"
Allerdings entsteht durch die Begegnung von Hochkultur und Straßenkunst auch eine interessante Dynamik. Vom Ergebnis dieser Symbiose kann man sich dieser Tage auf der Ausstellung "Apocalyptic Colors" überzeugen, die noch bis 30. August in der Wiener Galerie Senn zu sehen ist. "Wir präsentieren ausschließlich künstlerische Positionen aus Street-Art und Graffiti, die ihre gemeinsamen Wurzeln im öffentlichen Raum haben", erklärt die Kuratorin Katharina Senn. Gezeigt werden Malerei, Videoarbeiten, Installationen und Fotografien von heimischen und internationalen Künstlern wie Thomas "Keramik" Mock, Blek le Rat, Mark Jenkins oder Matthias Wermke.

Von Birgitt Kohl und Thomas Schindl

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