"Es ist nichts Falsches daran, die Kunst auch als Industrie zu sehen“

"Es ist nichts Falsches daran, die Kunst auch als Industrie zu sehen“

FORMAT: Wie beurteilen Sie Österreichs Präsenz am internationalen Kunstmarkt?

András Szántó: Österreich hat am internationalen Kunstmarkt leider nicht die Präsenz, die man von einem Land mit dieser außergewöhnlichen Kunstgeschichte und dem wirtschaftlichen Wohlstand erwarten würde. Da Österreich aber geografisch günstig liegt, könnte es zu einem Dreh-und Angelpunkt für die aufstrebende Kunstszene in Osteuropa werden. Hier liegt großes Potenzial für die Zukunft.

Der Kunstmarkt ist im letzten Jahrzehnt zu einer Riesenmaschinerie aus Kunstmessen, Galerien, Auktionshäusern, Online-Anbietern und Spekulanten geworden. Die Kriterien, den boomenden Markt im Überblick zu behalten, werden immer weniger …

Szántó: In den 70er-Jahren gab es eine Hand voll Kunstmessen, heute sind es weltweit weit über 160. Die Viennafair ist da nur eine Facette dieser Entwicklung. Auktionshäuser und Galerien haben sich zu multinationalen Instanzen entwickelt. Social Media sind weit fortgeschritten, Finanzinvestments und Kreditwesen spielen eine wichtigere, größerer Rolle. Dutzende Internet-Start-ups verändern unsere Vorstellung davon, wie man Kunst sammeln und ausstellen muss, wie man über Kunst diskutiert oder sie vermarktet. Das ist alles sehr aufregend und spannend. Im Vergleich zum allgemeinen Wirtschaftssystem ist die Kunstwelt allerdings keineswegs so komplex. Dennoch, es ist ein zersplittertes, fragmentiertes System, das sich zu konsolidieren versucht.

Der von Ihnen gewählte Forumstitel "Art Industry“ ist zwar ehrlich, klingt aber nicht wirklich sexy. Gerade in Österreich, scheint es, hat man ein wenig Angst davor, das Wort Business in Zusammenhang mit Kunst zu bringen.

Szántó: Obwohl die Kombination der Worte Art und Industry für viele provokant klingen könnte, signalisiert das einfach nur, dass Kunst neben vielen anderen Dingen in der Tat auch eine Industrie ist. Eine Industrie allerdings, in der es nicht nur ums Geld geht. Es geht auch um Institutionen, Kommunikation und den Austausch von Information. Es ist nichts Falsches daran, den Industriecharakter der Kunst laut auszusprechen. Es schwächt nichts ab, im Gegenteil, es stärkt die Bedeutung von Kunst. Es gibt diese schon ewig andauernde romantische Meinung, dass man über Kunst nicht in konkreten Bezeichnungen diskutieren kann. Aber um zurück auf Ihre Frage bezüglich Österreich zu kommen, müssen Sie sich fragen: Wenn wir nicht die institutionellen, organisatorischen - und ja - kommerziellen Untermauerungen von Kunst diskutieren und erörtern, verzichten wir dann nicht auf Möglichkeiten, das Interesse an Kunst wachsen, fördern und ausbreiten zu lassen?

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