Es geht auch ohne Castingshow: Ein Überblick über die heimische Musikszene

Im ORF startet die Castingshow „Helden von Morgen“. Wie man konventionell den Durchbruch schaffen kann, zeigen heimische Bands wie Bunny Lake, Ginga oder Ja, Panik.

Der Wunsch nach einem Popstardasein ist einer, den viele junge Menschen mit sich herumtragen. Bis tief in den Jänner werden nun Freitag für Freitag in der ORF-Castingshow „Helden von Morgen“ vierzehn ehrgeizige Talente darum kämpfen, ihren persönlichen Traum davon wahr werden zu lassen.

Beispiele von Weltkarrieren, die über TV-Formate ins Rollen kamen, gibt es durchaus (Paul Potts, Susan Boyle, Leona Lewis). Beispiele in denen Kandidaten bereits nach wenigen Shows ihre Halbwertszeit überschritten haben, gibt es aber unzählige mehr. Sie ruhen – mehr oder weniger in Frieden – auf dem Popfriedhof der Namenlosen. Wenn es mit der Karriere klappt, sind Castingformate aber eine Möglichkeit, schnell und mit Nachdruck in den Pop-Olymp befördert zu werden. Ob man sich dort hält, steht dann allerdings wieder auf einem anderen Notenblatt.

Das Musikbusiness – das ist kein Geheimnis – hat in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel durchgemacht. Gratis-Download-Plattformen und rückläufige Plattenverkäufe setzten den Major-Labels ziemlich zu. Das eröffnete auch vielen Künstlern Chancen und Möglichkeiten, zu reüssieren. Viele heimische Kreative sind diese oft mühsamen Wege gegangen ( siehe Slideshow ). Pathetisch ausgedrückt, könnte man sie auch „Helden von heute“ nennen. Sie haben sich auf die geänderten Rahmenbedingungen im Musikgeschäft eingestellt, darauf reagiert und es auf ihre Weise geschafft. Mit viel Eigeninitiative und Hartnäckigkeit. „Wir haben vor allem viele Clubs in Deutschland angeschrieben, mit Demos versorgt und wurden dann gebucht“, erzählt etwa Bernhard Luis Pasching von der Wiener Band Kommando Elefant.

Über den Umweg Deutschland klappte es mit dem (vorerst noch) Teilzeitpopstar-Leben auch in Österreich. Überhaupt ist das Schielen auf den deutschen Markt für Austrobands, insbesondere, wenn sie in ihrer Muttersprache singen, überlebensnotwendig. Ein Grund für die Kritikerlieblinge Ja, Panik, etwa gleich ganz nach Berlin zu ziehen. Und auch das Pop-Schlager-Duo Tanz Baby! oder die zornigen Rocker von Kreisky schauen, dass einiges an Gigs im Nachbarland zustande kommt. Denn die Live-Auftritte sind es, die heute das kommerzielle Standbein von Musikern ausmachen. „Eine Platte oder CD ist heutzutage nur noch eine schöne Visitenkarte“, fasst etwa die Singer-Songwriterin Mika Vember diese Entwicklung zusammen.

Zudem ist es unabdingbar, auch international gut vernetzt zu sein. Das kann eine Karriere schon pushen. Dank Internet und Social-Media-Plattformen geht dies leichter denn je. Allerdings bleibt auch immer das Risiko, sich in den Weiten des Internets zu verzetteln. Nur wenige schafften eine Karriere alleine übers Netz. Was es nach wie vor braucht, sind Kontakte, und hier kommen dann wieder Plattenlabels oder gar die Major-Companys ins Spiel, die über die dafür nötigen Ressourcen verfügen und Karrieren am Leben erhalten können.

Helden von heute
Slideshow: Heimische Musiker die es ganz ohne Castingshow geschafft haben.

Helden von Morgen
Ab 22. 10., ORF 1, 20.15 Uhr, rittern 14 junge Menschen um 100.000 Euro und einen Plattendeal. Jede Woche fliegt einer raus. Die Kandidaten bleiben ihrem Genre treu, werden also gezielt aufgebaut.

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