Dorotheum: Streit um Alten Meister

Dorotheum: Streit um Alten Meister

Fachkompetenz, über 300 Jahre Erfahrung und ein untadeliger Ruf: Das Wiener Dorotheum zählt zu den führenden Auktionshäusern der Welt, auf dessen Expertise sich Kunstsammler verlassen. Dieses Bild scheint jetzt Risse zu bekommen. Es geht um Alte Meister und vor allem um viel Geld.

Der Sachverhalt: Ein privater Kunstsammler wollte ein Bild aus der Werkstatt von Peter Paul Rubens zu Geld machen und brachte das Gemälde ins Dorotheum. Der hauseigene Experte für "Alte Meister“ versprach sich das Bild "Der Christusknabe mit dem kindlichen Johannes dem Täufer in einer Landschaft“ genau anzusehen. Der Sammler brachte auch Gutachten zum Bild ein und harrte der Dinge.

Ein FORMAT vorliegendes Mail des Experten brachte freilich Ernüchterung. Eines der beigelegten Gutachten sei irrelevant und preislich sei nicht viel zu machen: "Einen möglichen Schätzpreis sehen wir bei ca. 8.000 bis 12.000 Euro.“

Der Sammler war einigermaßen enttäuscht und gab das Bild letzlich privat weiter. Der wahre Schreckensmoment kam aber erst knapp zwei Jahre später.

Enorme Schätzwert-Differenz

Das Bild war erneut ins Dorotheum gelangt und wurde vom selben Experten in einem youtube-Video, sowie in den Auktionslisten des Versteigerungshauses vollmundig angepriesen. Sogar Rubens selbst soll Teile des Bildes gemalt haben. Der Dorotheum-Fachmann rühmt zudem den guten Erhaltungszustand. Und überhaupt stelle das Bild eine "Entdeckung“ dar. Schätzpreis des Werkes mit dem es zur Auktion kommt: 250.000 bis 300.000 Euro. Also eine Differenz von maximal 288.000 Euro im Vergleich zur Erstschätzung knapp zwei Jahre davor. Und natürlich hoffe das Dorotheum darauf, dass dieser Schätzpreis übertroffen werde.

Das Dorotheum auf die Frage, ob solche Differenzen öfters vorkommen: "Ja, dies kommt manchmal vor, es liegt in der Natur der Sache, es ist sogar eine Altmeister-spezifische Angelegenheit (hier gibt es Werkstatt-Bilder, Nachahmer, Nachfolger, Umkreis etc.). Das Dorotheum macht Tausende von unverbindlichen und kostenlosen Ersteinschätzungen jährlich, und erst wenn ein Versteigerungsauftrag tatsächlich erteilt wird, wird das Objekt genau untersucht.“ So sei es auch im konkreten Fall gewesen, wo erst beim konkreten (entgeltlichen) Versteigerungsauftrag kostenintensive und zeitaufwendige Prüfungen des Gemäldes erfolgt seien.

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