Die TV-Quotenqueen Ursula Strauss
steht seit langem wieder auf der Bühne

Im ORF geht Ursula Strauss tough und erfolgreich auf Mörderjagd. Jetzt ist die 37-jährige Schauspielerin das erste Mal seit langem wieder auf der Bühne zu sehen – als verzweifelte Alkoholikerin aus dem Gemeindebau.

Am Couchtisch: Bierflaschen, Soletti und die Fernbedienung. Am Sofa dahinter: Christian Dolezal als frustrierter Mann, von der Gattin aus dem Ehebett verstoßen. „ Gaunz one Alkohol schded a ma ned. Mid zvü Alkohol intus schded a ma scho gar ned “, sinniert er trotzig, schlurft in seiner Bauarbeiterhose vorbei am Küchentisch. Dort sitzt Ursula Strauss und hebt zu ihrem Texteinsatz an: „ Nua ned drau rian suns muas i wana und höfn kaun ma e kana in meina Nod. “ „Noch mal!“, unterbricht Regisseur Anatol Sternberg die Szene. Kein Film-Take, sondern fein ziselierte Bühnenproben für die theatrale Fassung von Christine Nöstlingers Gedichtband „Iba de gaunz oamen Leit“, die am 17. Jänner im Rabenhof Theater Premiere hat.

Es ist die erste Theaterarbeit seit drei Jahren für die 37-jährige Schauspielerin Ursula Strauss, als Kommissarin Angelika Schnell derzeit gefeierte Quotenqueen des ORF. Diese Woche startet der Krimihit zur Primetime in die vierte Staffel!

Während sie in der kultigen TV-Serie als Powerfrau patent, schlagfertig, tough und sexy agiert, zeigt sich Strauss in Nöstlingers brutal sarkastischen Geschichten über Suff und Puff aus einem Wiener Gemeindebau abgeschminkt, verzweifelt und alkoholabhängig: Sie spielt die Frau aus dem 7. Stock, eine kettenrauchende Mutter zweier Volksschulkinder, die sich von ihrem Job als Putzfrau kaum erholen kann.

Strauss, die aufgrund ihrer Filmerfolge in den vergangenen Jahren über alle roten Teppiche zwischen Berlin und Cannes ging, demonstriert hier allen Mut zur Hässlichkeit. Das mache, so die Aktrice im Interview, am meisten Spaß. „Schön sein ist viel anstrengender. Ich stelle mich den Texten hier als Instrument zur Verfügung“, freut sie sich, endlich wieder auf einer Bühne zu stehen. „Die lange Theaterpause ist ja vor allem damit zu begründen, dass bei diesen Film- und TV-Dreharbeiten keine Zeit für anderes war. Das ist eine Kraftfrage. Am Theater funktionieren die Regeln anders, das lässt sich mit intensiver Dreharbeit einfach nicht vereinbaren.“

Auch in Kasachstan wird schnell ermittelt

Seit fünf Jahren dreht Strauss „Schnell ermittelt“. Das heißt jeden Tag um fünf Uhr früh aufstehen oder bis sechs Uhr früh drehen: Neun Tage wird im Durchschnitt für eine Folge gearbeitet. Seit 2009 steht „Schnell ermittelt“ am Sendeplan. Die Krimireihe zählt mit durchschnittlich 755.000 Sehern zu den erfolgreichsten ORF-Serien der vergangenen Jahre und verbreitet als Export auch international rot-weiß-rotes Feeling. In Dänemark ist es die erfolgreichste nicht englischsprachige Serie. Und auch in Frankreich, Litauen, Slowenien, Russland, der Ukraine und Kasachstan wird „Schnell ermittelt“. Die Figur der Angelika Schnell, Leiterin der Wiener Mordkommission, die sich häufig mehr von Intuition als von den Fakten leiten lässt, ist längst mit Strauss reifer geworden. „Man konnte von Anfang an lesen, dass es da um Wahrhaftigkeit geht“, und, so die Schauspielerin, „das ist ein wesentliches Kriterium bei Drehbüchern für mich.“

Dass das Projekt so erfolgreich sein würde, war allerdings nie abzusehen. Im Gegenteil. Am Anfang hatte Strauss eher Bammel, ob man so eine Serienidentität wieder loswird. Mittlerweile hat die gebürtige Niederösterreicherin gleichermaßen weibliche wie männliche Fans, und ein Ende der Beliebtheit ist nicht in Sicht.

„Ich wollte spielen, seit ich denken kann, das Rollenspiel war immer mein Fluchtort“, erinnert sich Strauss, die eigentlich eine Ausbildung als Kindergartenpädagogin absolviert hat, an die Anfänge. Ihr Bühnendebüt gab sie dann mit 17 bei einer Melker Theatergruppe. 1993 folgte die Aufnahmeprüfung am Volkstheater, wo Strauss drei Jahre blieb, ehe sie nach Kiel wechselte und danach in zahlreichen Rollen in der Wiener Bühnenlandschaft zwischen Ensemble Theater und Josefstadt zu sehen war.

Die Filmkarriere startete dann 2000 mit den ersten Drehtagen für Leopold Lummerstorfers „Gelbe Kirschen“, ehe sie in Barbara Alberts Film „Böse Zellen“ eine Hauptrolle übernahm. Mittlerweile zählt Uschi Strauss neben männlichen Kollegen wie Nicholas Ofczarek, Johannes Krisch, Simon Schwarz oder Andreas Lust zu den Lichtblicken der heimischen Filmbranche. Isabel Kleefelds Verfilmung von Daniel Kehlmanns „Ruhm“ kommt noch heuer in die heimischen Kinos, für ihre Leistung in Elisabeth Scharangs Weltkriegsdrama „Vielleicht in einem anderen Leben“ wurde Strauss als „Beste Schauspielerin“ für den Österreichischen Filmpreis 2012 nominiert.

Wo sind die Abgründe?

„Eine schöne Frau mit großem Herz und Humor, loyal und ernsthaft bei der Arbeit. So viel Authentizität kann es in diesem Beruf doch gar nicht geben“, resümierte Filmerin Elisabeth Scharang ihre Arbeit mit Ursula Strauss. Und in der Tat fragt man sich: Hat diese Frau keine Abgründe? „Ich bin eine Harmoniearbeiterin“, kontert Strauss lachend. „Arbeit ist Lebenszeit. Wir sind in so einem privilegierten Beruf, aber der Umgang damit ist nicht ohne. Also konzentrier ich mich auf die inhaltliche Arbeit, alles andere nehme ich nicht zu ernst, sonst dreht man durch. Ich betrachte die Branche mit Distanz und Humor und das Leben als das, was es ist. Man darf sich da nicht so wichtig nehmen. Ich sehe mich selber auch gar nicht gern auf der Leinwand, aber meine Familie zwingt mich dazu, mich immer der Wahrheit zu stellen.“

Ihre langjährige Beziehung mit einem Bühnenbildner hält die serielle „Aufdeckerin“ allerdings streng bedeckt. „Ich habe einen wahren Mann an meiner Seite, der es verkraftet, nicht mit mir im Rampenlicht zu stehen. Der Beruf ist so anstrengend, ich möchte mein Privatleben schützen. Das ist meine Kraftquelle.“

– Michaela Knapp

Rabenhof: „Iba de gaunz oamen Leit“
Prem.: 17. 1., 20 Uhr
Anatol Sternberg inszeniert Christine Nöstlingers tragikomische Gedichtesammlung mit Ingrid Burkhard und Gerald Votava als die Mama und ihr Bua, Christian Dolezal als Mann und Ursula Strauss als Frau. Wolfgang Schlögls Sound veredelt den Sozialporno über Figuren, die ihren Anker verloren haben, zur Elektronikoper.

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★