Die Mutter aller Boygroups und das verschollene Denkmal

Die Mutter aller Boygroups und das verschollene Denkmal

Es war für die rund 1.400 Besucher am Donnerstag von Anfang an ein perfektes Wiedersehen mit ihren Idolen. Die fünf Mitglieder der 1984 gegründeten US-Band gaben sich abwechslungsreich. Zarte Balladen und harte Beats brachten ihre Fans zu Toben.

Sie tanzten, sie warfen sich in Posen und es war offensichtlich: Das Konzept Boygroup ging auch noch im Erwachsenenalter auf. Immerhin, man ist ja doch auf ewig die erste international erfolgreiche moderne Formation dieses Metiers, obwohl man vom Alter her inzwischen jenseits der 40 angesiedelt ist.

NKOTB, wie das Quintett abgekürzt genannt wird, sind mit geschätzten 80 Millionen verkauften Alben in den frühen 90er-Jahren ein "Megaseller" gewesen. Die Bandgeschichte endete 1994 vorerst mit der Auflösung, ehe es 2008 eine Reunion gab. Das ebenfalls längst aus dem Teenageralter entwachsene Publikum schien in der Halle jedenfalls ganz außer sich zu sein, ihre Stars von einst wieder live zu sehen. "You Got It" ließen diese als einen der ersten Songs erklingen.

Die fünf tanzerprobten Boygroup-Veteranen präsentierten im silbernen Konfettiregen auch ihre Dance-Moves, die zwar synchron, aber gerade anfangs noch sehr langsam umgesetzt wurden. Auf Instrumente wurde weiterhin verzichtet, der Sound vom Band musste reichen. Stimmlich konnte vor allem Jordan Knight überzeugen. Obwohl Knight bereits 43 Jahre zählt, klang er mit seinem in diesem Genre präziseN Gesang dabei doch noch fast jugendlich. Anheizen konnten NKOTB die Stimmung aber vor allem durch ihre jahrelang geschulten Pop-Animateur-Kenntnisse.

So sagte man "Yeah", wenn es gefordert wurde, denn dieser Mutter aller Boygroups wollte man gestern keinen Wunsch abschlagen - und es gab ja auch genug zurück. Es wurde getanzt, man warf sich in Posen - und man kam einander näher. Ein Podest in der Saalmitte wurde nach rund 45 Minuten nämlich dazu genutzt, um den inzwischen tobenden Anwesenden einen der großen Hits, "Tonight", aus dem Jahr 1990 zu liefern. Smartphones wurden in Position gebracht, man war ja schließlich nicht von gestern.

Musikalisch griffen die Kids auf eine Mischung aus R'n'b und Rap mit Balladen und Pop zurück. Wobei man sich nicht nur aus dem eigenen Katalog bediente, denn in einem Medley aus der Herzschmerz-Zone des Pop gab es unter anderem "Back For Good" von Take That oder "Careless Whispers" von George Michael zu hören. Eigene Hits haben NKOTB trotz nur zweier wirklich erfolgreicher Alben aber doch ausreichend vorgesungen - und diese erhielten dann auch den größten Beifall. Die Coverversionen waren aber trotzdem notwendig, um einen Hänger im Mittelteil zu vermeiden.

New Kids on the Block setzten, wie wohl von Beginn ihrer Karriere an, aber ohnehin vor allem auf gute Unterhaltung. Sie zeigten bei ihrem Wien-Auftritt, dass sie es nicht verlernt haben, das Herz ihrer Fans mit sanften Balladen zu erweichen und das Tanzbein mit rhythmischen Tracks zu aktivieren. Ein auf Deutsch hingehauchtes "Ich liebe dich" als Dank gab es ebenfalls und es war bewiesen: Boygroups brauchen keine Instrumente, um mitreißende Konzerte zu geben.

NKOTB-Denkmal seit Jahren verschollen

Während die US-Boyband New Kids On The Block zwar gealtert, doch immerhin vollständig am Donnerstag im Wiener Gasometer aufgetaucht ist, fehlt von der 1991 in Wien enthüllten Statue der Boygroup heute jede Spur. Nicht einmal der Bildhauer weiß, wo sich die Skulptur befindet.

Dabei hat es anfangs noch so gut ausgesehen. Am Höhepunktes des Hypes rund um die Boyband rief der Musiksender Ö3 in einem gemeinsamen Wettbewerb mit der Stadt Wien junge Künstler dazu auf, den Amerikanern ein Denkmal zu schaffen. Als Sieger ging der damals 19-jährige Georg Mühlegger hervor. Im April 1991 durfte der Tiroler sein 2,5 Meter großes Werk unter großem Medienrummel auf der Donauinsel enthüllen.

Doch das Denkmal hatte nicht nur Freunde. Nachdem Unbekannte die New Kids On The Block-Statue kurzerhand um fünf Köpfe kürzer gemacht haben, musste sie in den geschützteren Bereich vor der Wiener Stadthalle übersiedeln. Das vermeintlich sichere Wien-Rudolfsheim konnte ein böses Ende der Statute aber nicht verhindern. Im Zuge der Umbauarbeiten 1999 - und niemand weiß, wann genau - war sie einfach verschwunden.

"Ich werde noch immer von Fans über den Verbleib der Statue befragt, aber ich weiß nicht, was aus meinem Werk geworden ist", so Mühlegger. Auch bei Ö3 konnte man nichts zum Schicksal sagen. "Die Statue wurde der Stadt Wien übergeben", hieß es. Die Stadt Wien hat mit dem Verbleib der Statue nach eigenen Angaben nichts zu tun. "Wir sind nicht zuständig", sagte die Kulturabteilung (MA 7), die Verantwortung blieb ungeklärt.

Eine leise Spur gibt es noch: Laut einem (anonymen) Posting in dem Internetportal "forum.pop24.de" soll sich die Statue in der Steinmetzwerkstätte der Stadt Wien befinden. Dort war allerdings niemand zu erreichen.

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★