Die Lieblingsplatten der Kultur-Redaktion

Herbert Grönemeyer - Schiffsverkehr

Herbert Grönemeyer - Schiffsverkehr Herbert Grönemeyer ist einer der erfolgreichsten deutschen Popstars. Seine Platten werden noch verkauft, seine Konzerte sind ausverkauft. Sein neues Album „Schiffsverkehr“ (EMI), Numero 13 im Œuvre des Ruhrpotters, ist in seinen Worten „der druckvolle Versuch eines Neubeginns“. Das klingt dynamisch, und die eine oder andere Hochseemetapher kommt dann auch im Textcorpus seines neuen Albums vor. Unvermeidlich? Natürlich, aber Kapitän Grönemeyer darf das, er ist unantastbar und hat nach über 30 Jahren Musikbiz einen musikalischen Wiedererkennungswert, der Neuanfänge, so druckvoll sie auch sein wollen, schwierig macht. Anker lichten, weiter schiffen.

The Vaccines - What Did You Expect From The Vaccines?

What Did You Expect From The Vaccines? The Vaccines hatten in ihrer Funktion als aktuelle Retter des englischen Gitarrenrocks bereits die Ehre die erste Ausgabe des diesjährigen NME zu zieren. Weil der NME diesen „Titel“ jedoch gefühlte 13 Mal pro Woche vergibt, muss das nicht zwingend ein Qualitätssigel sein. Doch The Vaccines wissen mit ihrem einfach verträumt-fröhlichen Indie-Pop durchaus zu überzeugen. Das Rad wird hier zwar alles andere als neu erfunden, doch bekanntlich ist Gestern - spätestens seit den Strokes – das neue Morgen.

Und so dürfen Referenzen an Bands wie The Ramones, The Jesus And Mary Chain, Pixies und The Strokes in keiner Albumbesprechung fehlen. Sie selbst nennen ihre Einflüsse "'50s rock 'n' roll, '60s garage and girl groups, '70s punk, '80s American hardcore, C86 and good pop music". Genauso hört sich das auch an.

“What Did You Expect from the Vaccines?” schafft aus diesen Einflüssen gekonnt ein zeitgemäßes Album das leichtfüßig, kurzweilig und sehr eingängig daherkommt. Ein Durchlauf sollte genügen um der Rezitation der, nicht unbedingt chiffrierten aber durchaus amüsanten, Texte mächtig zu sein. Soll heißen, das Mitsingen macht Spaß und so soll es schließlich ja auch sein! Solider Pop!

The Strokes - Angles

The Strokes - Angles Zehn Jahre ist es her, dass das Debütalbum „Is This It“ der New Yorker Band The Strokes zu einem der maßgeblichen Alben der Nullerjahre wurde. Dazwischen liegt einiges an Streitereien und obligatorischen Bandquerelen. „Angles“ (Sony), das nach fünf Jahren Pause vierte Album der New Yorker Upperclass-Rocker, ist eine befriedete Bestandsaufnahme der Vergangenheit. Vor allem verdeutlichen die 35 Minuten, dass Low-Fi-Ästhetik zwar nach wie vor gut klingen kann, der Retroschmäh aber eben doch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat.

Lykke Li - Wounded Rhymes

Lykke Li - Wounded Rhymes Die Tochter eines Künstler-Hippie-Ehepaars verbrachte eine kosmopolitische Jugend zwischen Skandinavien, Spanien, Portugal und Indien. Erste musikalische Gehversuche probierte sie vor fünf Jahren in New York – das war allerdings mit einem Scheitern verbunden. Einflüsse, die sich in der Musik der sensiblen Künstlerin natürlich widerspiegeln.

Der künstlerische Durchbruch, erste größere Aufmerksamkeit also, gelang ihr vor zwei Jahren mit dem Debütalbum „Youth Novels“. Seitdem wird die introvertierte 24-Jährige, die im Vorjahr als Model auf Levi’s- Plakaten zu sehen war, von der internationalen Popszene geliebt und hofiert. Kanye West, die Beastie Boys und Beck attestieren ihr Geniestatus und produzieren ungefragt Remixe, auch die Burschen von Vampire Weekend und Kings of Leon kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus.

Extreme Schüchternheit ist auch Exzentrik, bei Lykke Li trifft sie zudem noch auf Seelenschmerz und Melancholie. „Wounded Rhymes“ (Warner), ihr zweites Album, ist textlich ein pathetischer Seelenstrip, der, je nachdem, wie man es gerade braucht, um nicht im melancholischen Selbstmitleid zu ertrinken, musikalisch mal in sphärisches, mal in bluesiges und dann wieder in orchestrales Gewand gehüllt wird. Großer Pop mit Authentizitätsanspruch – dunkel und erhellend zugleich.

- Manfred Gram, Marco Magharai

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★