Die Karriere des Ayrton Senna als Doku

Die Karriere des Ayrton Senna als Doku

Leben auf der Überholspur: Die britische Filmdokumentation „Senna“ porträtiert das Leben und den tragischen Tod des besten Rennfahrers aller Zeiten.

Die Reaktion auf eine indiskrete Frage sagt viel über den Charakter aus. Als ein brasilianischer Fernsehmoderator Ayrton Senna live auf Sendung fragt, ob jemals eine Freundin ihn aufforderte, schneller zu machen, zögert der dreifache Formel-1-Weltmeister kurz. Dann lächelt er spitzbübisch und antwortet: „Ja.“ Der Moderator ist glücklich, das Publikum johlt. Es sind Bilder wie diese, die das Rennfahrer-Porträt „Senna“ des britischen Regisseurs Asif Kapadia zu einem der besten Sport-Dokumentarfilme der letzten Jahre machen, der dabei ungezwungen versucht, dem Phänomen Ayrton Senna auf die Spur zu kommen.

Kein leichtes Unterfangen, sind doch Porträts von Sporthelden per se schon eine schwierige Angelegenheit, bei einer „Larger than life“-Figur wie dem brasilianischen Speed-Hasardeur ist die Gefahr noch größer, in die Gefilde pathetischer Heiligenverehrung abzugleiten. Insbesondere dann, wenn die Bedeutung Sennas für sein von ökonomischen und politischen Krisen gebeuteltes Heimatland klar wird. Der charismatische Rennfahrer aus betuchtem Hause wurde nämlich gottgleich verehrt. Weil er der Beste seines Faches war, weil er für Ablenkung von den Alltagsqualen sorgte. Weil er nie vergaß, nach vollbrachten Heldentaten auf Ehrenrunden im Boliden die Flagge seiner Heimat zu schwenken. Weil er sich, nie aus Kalkül, sondern aus tiefster Überzeugung, über eine Stiftung um benachteiligte Kinder kümmerte. Eine Zirkusattraktion für das Volk, einer, der von seinem Glanz gern etwas abgab und auf elitäres Getue verzichtete.

Leben auf der Überholspur

Die Doku, die zeitlich Sennas Formel-1-Karriere umspannt – die vor 18 Jahren ihr tragisches, frühes Ende an einem verfluchten Rennwochenende in Imola nahm –, zeigt also den Ausnahmefahrer Senna. Der ist allerdings, trotz der Verwendung von bis dato verschlossen gehaltenem Bildmaterial, das aus den Archiven der Formel 1 und von Sennas Familie stammt, nicht wirklich zu fassen. Je näher man dokumentarisch an ihn ranrückt, umso mehr entzieht sich der Held, werden Widersprüche sichtbar.

Denn einerseits ist da der kompromisslose Fahrer, der am Ring mit absolutem Siegeswillen jede noch so kleine Lücke risikoreich nutzte. Ein Egoist, der sich mit dem Fahrer-Establishment hart matchte und aneckte. Andererseits ist da aber auch der Speed-Altruist, der sofort anhielt, wenn jemand auf der Strecke verunglückte. Und wenn die Rennsituation vorbei war, fiel ein Schalter, und vom wilden, abgebrühten Hund war nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Offen sprach er über Risiken, trat für mehr Sicherheit ein und versteckte seinen Unmut gegen das Funktionärswesen oder Zampanos wie Bernie Ecclestone nur dürftig. Das führte zu offenen Konflikten. Senna, der für seine Ideale gegen „die da oben“ eintritt.

Zudem gab sich Senna auch tief religiös und trug seine inneren Konflikte im Spannungsfeld von präsenter Todesgefahr und seiner Leidenschaft nicht selten übers Metaphysische aus. „Ayrton denkt, er sei unsterblich – und das ist sehr gefährlich“, kommentiert Alain Prost im Film dazu. Die Doku rollt damit auch die unglaubliche Feindschaft, die die beiden verband, wieder auf. Prost, der Erzrivale, ein Rationalist und akribischer Arbeiter und Analyst, dem man den Ehrennamen „Professor“ verlieh. Transzendenz gegen Aufklärung, nun allerdings ausgetragen auf den Rennstrecken der Welt. Auch davon erzählt „Senna“.

Wer gewinnt, bleibt offen, denn der Film erzählt ohne Worte auch von einer Aussöhnung der ewigen Rivalen.

„Senna“, 27. & 28. 9. im Filmmuseum
Die Karriere des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Ayrton Senna als Doku mit viel unveröffentlichtem Archivmaterial: Asif Kapadias filmische Annäherung an die Lichtgestalt Senna spart auch dunkle Seiten nicht aus und nimmt emotional mit. Die Doku ist auch auf DVD (Universal) erhältlich.

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