Die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler im FORMAT-Interview

Die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler über den Rechnungshofbericht, strenges Kostenmanagement & ihre persönlichen Programmhighlights.

FORMAT: Noch vor Beginn der Festspiele werden Sie Ihre schriftliche Stellungnahme zum Rohbericht des Rechnungshofes abgeben. Was ist Ihr Hauptkritikpunkt am Prüfbericht?

Rabl-Stadler: Ich wehre mich vor allem gegen die Prüftechnik des Rechnungshofes. Er hält das Festspielfondsgesetz für veraltet und möchte, dass wir bilanzieren wie ein börsenorientiertes Unternehmen. Das ist legitim, dafür gibt es Argumente. Illegitim aber ist es, wenn der Rechnungshof schon jetzt mit dem Maßstab misst, den er einführen möchte.

FORMAT: Warum kämpfen Sie derart für das Festspielgesetz von 1950?

Rabl-Stadler: Dieses Gesetz bedeutet die überregionale Absicherung der Weltmarke Salzburger Festspiele.

FORMAT: Ein anderer Kritikpunkt betrifft die Zahl der Repräsentationskarten. Obwohl diese, im Vergleich zu Bayreuth, erstaunlich niedrig scheint.

Rabl-Stadler: Schon der Name Repräsentationskarte ist irreführend. Das klingt, als würde ich im roten Valentino-Kleid mit dem Champagnerglas Hof halten. Es handelt sich aber um ein ganz wichtiges Marketingtool. Zwischen 2005 und 2010 ist die Zahl der unentgeltlich abgegebenen Karten von 5 auf 4,2 % gesunken. Bei „Roméo et Juliette“ etwa gab es bei 12.839 Tickets 73 Repräsentationskarten. Wir prüfen in jedem einzelnen Fall, ob die Freikarte berechtigt ist. Die gekauften Karten aller Sponsoren betragen rund 2 Prozent des gesamten Angebots (wertmäßig 3,4 %). Denn für ihre Kunden werden die teuersten Karten zu regulären Preisen gekauft.

FORMAT: Die Subventionen sind seit 1997 eingefroren.

Rabl-Stadler: Ich habe schon vernommen, dass es leider auch für 2012 und 2013 keine budgetären Möglichkeiten gibt. Hier macht Jammern keinen Sinn. Da ist strenges Kostenmanagement und die Suche nach Sponsoren angesagt.

FORMAT: Sie haben ab 2012 mit Rolex zu Audi, Uniqa, Nestlé, Siemens und Credit Suisse einen sechsten Großsponsor. Was versprechen Sie denen?

Rabl-Stadler: Dass sie Teil der besten Festspiele der Welt sind. Wir haben es diesbezüglich leichter als andere Kulturinstitutionen, weil die SF als internationale Marke anerkannt sind. Als künstlerische, wirtschaftliche und politische Plattform für Menschen aus der ganzen Welt, vom Nobelpreisträger bis zum Bankchef.

FORMAT: Ein Netzwerkevent wie der Opernball?

Rabl-Stadler: Bitte keine Ballvergleiche! Aber tatsächlich wollten die Gründer Salzburg als Treffpunkt für die Elite, wohlgemerkt, nicht für die Prominenz.

FORMAT: Heuer gibt es 218.000 Karten, 2012 um 40.000 mehr …

Rabl-Stadler: Das ist eine Riesenherausforderung, der wir unter anderem mit noch mehr Präsentationen im Ausland begegnen werden. Wir wollen nützen, dass Musik die einzige Sprache ohne Grenzen ist.

FORMAT: Als Präsidentin der Festspiele müssen Sie immer den Kopf hinhalten, waren aber etwa in die Wahl des neuen Intendanten nicht eingebunden …

Rabl-Stadler: Das hat geschmerzt. Mit der Geschäftsordnung hingegen kann ich sehr gut leben. Ich bin in Diskussion mit den künstlerischen Leitern und sehe mich als eine Möglichmacherin. Natürlich ist es lustiger, sich mit der Kunst als mit dem Geld zu beschäftigen, aber auf lustig kommt es nicht immer an.

FORMAT: Die Festspiele werden jedes Jahr aufs Neue diskutiert, mal gibt es zu viel Glamour, mal zu wenig Glanz. Was erwarten Sie heuer?

Rabl-Stadler: Es könnte ein ganz besonderer Sommer werden. Nach dem Rechnungshofbericht brauchen wir aber nun Hirn und Herz frei für das Programm.

FORMAT: Was ist Ihre persönliche Lieblingsproduktion?

Rabl-Stadler: In der Oper „Macbeth“, im Konzert die Wiener Philharmoniker mit Boulez und im Schauspiel die Handke-Uraufführung „Immer noch Sturm“.

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