Die Beichte des Casanova: Ex-Penthouse-Chef Kurt Molzer im Interview

Wird ein Casanova ruhig, gibt’s was zu erzählen. Kurt Molzer, Ex-Chefredakteur von „Penthouse“, hat die Erinnerungen an seine wilden Zeiten niedergeschrieben. Ein Gespräch über Spielplätze, Tittenmagazine und die Ironie des Schicksals.

Wie hat man sich Kurt Molzer vorzustellen, den ehemaligen Chefredakteur des freizügigen Männermagazins „Penthouse“, bekennenden Schürzenjäger außer Dienst, der geheiratet und auf Hausmann umgesattelt hat und jetzt vom Geld seiner Frau lebt? Nun, vor allem entspannt. Beruflich gibt’s keinen Stress mehr, finanziell auch nicht. Der Wiener wirkt mit sich und der Welt im Reinen. Dandyhafte Züge und eine deutliche Schlagseite in Richtung Radikalhedonismus sind aber nicht zu übersehen. „Ich leg doch nicht meinen Lifestyle ab, nur weil ich jetzt Vater bin“, sagt er und kommt auf teure Sakkos und solide Geschustertes von Ludwig Reiter zu sprechen.

FORMAT: Herr Molzer, Sie waren Chefredakteur der deutschen Ausgabe des Männermagazins „Penthouse“ und ein bekennender Frauenheld. Nun machen Sie eine Kehrtwende, sind treuer Ehemann und fürsorglicher Vater – ein Macho in der Krise?

Molzer: Der Macho ist nicht in der Krise, nur weil er Vater wird. Der Männermagazinmarkt befindet sich in der Krise. Der onanierende Mann von heute wäre blöd, wenn er sich ein Magazin wie den „Playboy“ oder das „Penthouse“ kaufte. Er hockt sich einfach vor den Computer und bekommt bewegte Bilder mit echtem Gestöhne zum Nulltarif. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der „Playboy“ alle Viere von sich streckt.

FORMAT: Ist diese Entwicklung vielleicht nicht doch aufzuhalten? Es heißt ja immer, man kaufe diese Hefte wegen der Artikel.

Molzer: Sie können noch so gute Geschichten schreiben, der Leser wird Ihnen die Kompetenzen nicht abnehmen. Da hat ein Männermagazin ein Glaubwürdigkeitsproblem. Der Zuständigkeitsbereich für Männermagazine sind einfach Titten. Und die gibt es im Internet viel geiler. Diese Krise lässt sich nicht mehr stoppen.

FORMAT: Das hat Ihren Abschied nach 26 Jahren Journalismus wohl auch vereinfacht?

Molzer: Absolut. Ich habe rund um die Uhr geschuftet und vergeblich gegen den Auflagenschwund gekämpft. Dann kam auch noch die Wirtschaftskrise, und der ganze Anzeigenmarkt ist eingebrochen.

FORMAT: Kurz nach Ihrem Abgang wurde dann „Penthouse“ auch eingestellt …

Molzer: Ja, aber mittlerweile gibt es das Magazin wieder mit einem neuen Investor und Lizenznehmer, der sogar in Wien sitzt. Aber es geht mehr schlecht als recht. Im Vorjahr sind etwa an die Redakteure keine Honorare geflossen – dann nach Protest auch nur ein Teil. Wenig später eskalierte die Lage, und die neue Verlagsleitung schickte einen Gorilla-Trupp nach München, der dann die Redaktionsräume räumte und alles nach Wien brachte. Hier wird das Heft meines Wissens nun gemacht.

FORMAT: Trotzdem: Gehen Ihnen Journalismus und Chefredaktion manchmal ab?

Molzer: Nein. Ich führe ein fantastisches Leben – mit zwei Unterschieden. Ich brauch keine Unmengen an Koffein mehr in mich reinzuschütten. Und ich schlafe nur noch mit einer Frau, meiner großen Liebe. Mein Leben ist nach wie vor ein Traum.

FORMAT: Aber hauptsächlich werden Sie wegen Ihres alten Lebens interviewt, und die Schilderungen daraus nehmen auch den größten Raum in Ihrem neuen Buch ein.

Molzer: Ich hatte einen der geilsten Jobs für einen Mann überhaupt und werde noch immer entgeistert gefragt, wie ich das denn nur aufgeben konnte. Die schönsten Frauen kamen quasi frei Haus ins Büro und mussten nur noch erobert werden. Und die Redaktionsgarage war voll mit den besten Autos, weil die Automobilindustrie nicht aufgehört hat, die schönsten und teuersten Gefährte zu liefern, damit freundliche Testberichte geschrieben werden.

FORMAT: Was war der schlechteste Sportwagen, den Sie jemals getestet haben?

Molzer: Ich würde sagen, der Aston Martin Vanquish. Der fuhr sich wie eine schwangere Kuh.

FORMAT: Sie sind ja auch Rennen gefahren, oder?

Molzer: Ja, ein paar Tourenwagen-Rennen und Formel Ford 2000. Beim Ford Fiesta Cup war ich in einen Unfall verwickelt. Ich hab mich gedreht, und der Nachkommende ist in mich reingedonnert und hat sich dabei die Zunge abgebissen. Der Crash war jedenfalls lange im Vorspann einer Motorsendung im deutschen Sportfernsehen zu sehen.

FORMAT: Steigen Sie jetzt auch noch ins Cockpit?

Molzer: Meine Frau, eine Wiener Gastronomin, für die ich meinen Job aufgegeben habe und die nun unser Leben finanziert, hat mir unlängst in Kalifornien einen Dallara (Anm.: Formel-3-Bolide) gekauft. Damit werde ich bei historischen Rennen in Amerika an den Start gehen, und meine Familie begleitet mich. Da wird auch nicht gestorben, weil hauptsächlich ältere, betuchte Männer an den Start gehen, die leben wollen und nicht in eine höhere Rennwagenklasse aufsteigen müssen.

FORMAT: Hauptsächlich kurven Sie aber nun mit dem Kinderwagen auf Spielplätzen herum. Wie kommen Sie dort eigentlich – als einer, der weiß, was Männer wirklich wollen – mit anderen Vätern zurecht?

Molzer: Ich bin ein sehr scheuer Mensch. Ich pflege keinerlei Kontakt zu anderen Vätern, und mich interessiert auch nicht, was am Spielplatz vor sich geht – ich bin mit meiner Tochter dort.

FORMAT: Und all die Mütter? Es soll ja schon so manche Affäre am Spielplatz ihre Anfänge genommen haben …

Molzer: Ich bin absolut unempfänglich dafür. Früher war es mir ein leichtes Spiel, dort Frauen aufzureißen. Ich hab das auch einmal in meiner Kolumne „Kurt versucht’s wieder“, die ich fürs „GQ“-Magazin geschrieben habe, geschildert. Aber diese Zeiten sind definitiv vorbei. Ich erkenne mich da selbst auch nicht wieder.

FORMAT: Sie gelten wegen dieser längst eingestellten Kolumne nach wie vor als bekanntester Aufreißer im deutschsprachigen Raum. Stimmt es, dass Sie ein österreichischer Privatsender aus dem Vorruhestand holen wollte?

Molzer: Ja, es gab mehrere Anfragen von verschiedenen Sendern. Man wollte, dass ich Männern beibringe, wie man Frauen kennen lernt. Ich hab das aber alles abgelehnt, weil Flirtschulen und dergleichen absolut nichts bringen. Wenn ein Mann nie in der Lage war, eine Frau aufzureißen, bleibt er ein Leben lang zu blöd dafür.

FORMAT: Wie haben Sie es gemacht?

Molzer: Na ja, meistens brauchte ich nur „Guten Tag“ zu sagen. Da war dann meistens schon klar, ob das was wird. Man muss übrigens nicht einmal schön sein. Schauen Sie mich an! Ich hab lächerlich kleine Kinderhände, spindeldürre Storchenbeine, eine viel zu große Nase und einen klein geratenen Mund. Als Frau wäre ich nie scharf auf mich.

FORMAT: Erfolg beim Aufriss ist letztlich also genetisch bedingt?

Molzer: Ja. Mein Vater ist da übrigens ähnlich veranlagt wie ich. Über ihn werde ich mein nächstes Buch schreiben.

FORMAT: Sie sind in Ihrem Buch streckenweise sehr offenherzig in Ihren Beschreibungen. War diese Ehrlichkeit schwer, und wie hat Ihre Frau auf all diese amourösen Schilderungen reagiert?

Molzer: Nein, es war nicht schwer, dieses Buch zu verfassen. Ich hab mir das Ziel gesetzt, etwas zu schreiben, das ich selber gerne lesen möchte: ein Buch, in dem es vorwiegend um Alkohol und Sex geht. Ich wollte jedenfalls meiner wilden Zeit breiten Raum geben und nicht zu viel über mein neues Leben als Vater verraten. Mit väterlichen Erfahrungsberichten lockt man heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor, dafür gibt es schon zu viele davon. Ich hab mich jedenfalls beim Schreiben köstlich amüsiert, und auch meine Frau findet das Endresultat sehr lustig. Es gibt übrigens schon Anfragen wegen einer Verfilmung.

FORMAT: Wen hätten Sie gerne in Ihrer Rolle?

Molzer: Eine charmante Radiomoderatorin meinte, sie habe beim Lesen immer Til Schweiger vor sich gesehen. Ich kann mir aber auch sehr gut Moritz Bleibtreu oder Fritz Karl vorstellen. Haben Sie eine Idee?

FORMAT: Til Schweiger würde man nicht abnehmen, dass er nie von einer Frau verlassen wurde, so wie Sie es über sich behaupten. Warum, glauben Sie, wurden Sie nie verlassen?

Molzer: Ich weiß es nicht. Ich hätte mich jedenfalls gefreut, wenn mir die Arbeit des Laufpass-Gebens einmal abgenommen worden wäre. Das ist nämlich unheimlich anstrengend.

FORMAT: Könnte man zu Ihrem Buch auch sagen, dass ein bekehrter Schürzenjäger ein überlebtes Männerbild nochmals hochleben lässt?

Molzer: Warum? Nur weil ich schildere, wie ich viele schöne Frauen flachgelegt habe? Weil ich ein erfolgreicher Bezwinger von Frauenherzen bin und ich mit diesen Frauen Spaß hatte, so wie die mit mir auch? Wahrscheinlich hätten Sie mir diese Frage nicht gestellt, wenn ich schwul wäre – dann wäre ich nämlich wohl modern. Dass Feministinnen Typen wie mich hinterfragen müssen, ist mir klar. Bei Männern denke ich mir, dass vielleicht der Neid aus ihnen spricht.

FORMAT: Nicht Neid, Interesse lässt mich fragen. Jedenfalls ist Ihre Biografie nicht ganz frei von Ironie. Sie leben ja nun von Ihrer Frau?

Molzer: Eine größere Ironie kann es gar nicht mehr geben. Ich habe in einer deutschen Fernsehshow behauptet, dass Männer nach wie vor die Ernährer und Beschützer sind. Dass ich jetzt von einer Frau ausgehalten werde, ist ein Treppenwitz, den ich ausgesprochen köstlich finde.

Interview: Manfred Gram

Ad personam: Kurt Molzer, 43 „Wenn Sie nur halb so gut schreiben, wie Sie goschert sind, kann aus Ihnen was werden“ – so reagierte Josef „Joki“ Kirschner, in den 80er-Jahren Chefredakteur des Wien-Büros der deutschen Illustrierten „Bunte“, auf ein ungestüm formuliertes Bewerbungsschreiben von Kurt Molzer. Der Anfang war getan, Molzer wurde Journalist und ging dann nach Deutschland. Bei der „Bunten“ wurde er Chefreporter; der geborene Simmeringer gab aber auch Gastspiele bei der „Bild“. Bekanntheit erlangte der 43-Jährige vor allem mit seiner Aufreißer-Kolumne „Kurt versucht’s wieder“, die im „GQ“-Magazin erschien. Im Winter 2007 übernahm er die Chefredaktion der deutschen Ausgabe von „Penthouse“, konnte das marode Blatt aber auch nicht sanieren. Nichtsdestoweniger war dies aber „der geilste Job, den ein Mann haben kann“. Warum, das erzählt Molzer in seinem Buch „Früher war ich ein richtiger Ficker“ (Bastei Lübbe), in dem er die wilden Zeiten Revue passieren lässt und seine Wandlung zum monogamen Familienvater beschreibt. Das Angebot seiner Frau, einer erfolgreichen Wiener Gastronomin, sich von ihr finanzieren zu lassen und auszusteigen, nahm Macho Molzer an. Er lebt nun als Autor in Wien.

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★