Der Hamburger Jan Phillip Eißfeldt flirtet ein weiteres Mal mit Soul und Funk

Charts-Stürmer Jan Phillip Eißfeldt aka Jan Delay flirtet ein weiteres Mal mit Soul und Funk. Die Suche nach perfektem Sound wird ihm vor allem die Partyfraktion danken.

Wenn Jan Delay über sein neues Studio­album „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ spricht, klärt er gleich zu Beginn derart apodiktisch auf, dass kein Interpretationsspielraum mehr bleibt. „Das ist die Platte, die ich immer machen wollte“, schwärmt der Hamburger Musiker, der Ende der 90er-Jahre als Teil des HipHop-Trios Absolute Beginner zur Speerspitze im deutschen Sprechgesang zählte, von seiner bereits dritten Solo-Arbeit.

Vorwärts, es geht zurück
Ganz unbegründet ist der Enthusiasmus nicht. Das neue Werk schließt nahtlos an seinen Vorgänger „Mercedes Dance“ an, einen eingängigen Monster-Mix aus Funk, Soul und Disco-Beats, der Publikum und Kritik überzeugte: Platz 1 der Albumcharts in Deutschland, Platz 2 in der Schweiz und Platz 3 in Öster­reich. Mit seinen Live-Auftritten gemeinsam mit der Begleitband Disko No. 1 gab er dann noch kleine Stimmungs- und Partygarantien ab und stach als im schwarzen Anzug aufgestylte Rampensau im vorherrschenden Einheitsbrei der Konzertbühnen deutlich heraus.

Den gleichen, urbaren Acker bestellt der 32-Jährige mit der nasalen Polypenstimme nun nochmals. „Es waren noch ein paar musikalische Fragen offen, die geklärt werden mussten“, sagt dazu Delay, der mit seinen Musikern im Studio die perfekte Soundmischung suchte. In komplizierten, peniblen Aufnahme­sessions drehte man das Rad der Zeit zurück und versuchte wie vor 30 Jahren zu produzieren. Das Resultat erfreut audiophile Feinspitze, freilich aber auch die Partyfraktion, die naturgemäß in der Mehrheit ist.

Politik und Pop  
Und die kriegt nicht nur was zum Ab­tanzen, sondern das eine oder andere gesellschaftspolitische Statement zum Beat mitserviert. Wenn auch nicht mehr in der Häufigkeit wie bei seinem Solo-debüt, der deutschsprachigen Reggae-Platte „Searching for the Jan Soul Rebels“, oder auf seiner letzten Arbeit.

Beginn von Altersmilde eines Künstlers, der in seinen Liedern immer gern auf Widersprüchliches im Mainstream hinwies oder sich mit markigen Schlagwörtern am Themenkomplex RAF abarbeitete? „Ich bin nicht unpolitischer geworden, aber wenn ich ein Thema behandelt habe, ist es abgehakt. Ich will mich schließlich nicht ständig wiederholen“, erklärt der Musiker. „Letztlich geht es nur um gute oder schlechte ­Musik. Wenn man den Leuten dazu noch etwas in den Kopf packen kann, ist es das Schönste, was es gibt, aber eben nur eine Zugabe“, relativiert Jan Delay ein wenig, der seinen Ausflug in die Gefilde von Soul, Funk, und Disco übrigens definitiv be­enden wird.

„Ich will niemanden langweilen. Gut möglich, dass mein nächstes Album das exakte ­Gegenteil von diesem wird. Eine minimalistische, digitale Punkrockplatte.“ Aus anderem Mund wäre diese Ankündigung wohl als pure Drohung zu verstehen.

Termine: Jan Delay & Disko No. 1 gastieren am 17. 7. in Wiesen beim Nuke Festival.

Von Manfred Gram

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