Der FORMAT-Kunstguide 2013: Das Ranking der wichtigsten heimischen Künstler

Platz 1: Maria Lassnig, 94

Die Doyenne der österreichischen Malerei führt seit Jahren das heimische Ranking an und durfte heuer in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk entgegennehmen. International erobert sich das OEuvre der Kärntnerin seinen Platz vergleichsweise langsam. Werke zwischen € 6.000 und € 300.000.

Platz 3: Valie Export, 73

Mit kunsthistorischer Relevanz, kontinuierlicher Präsenz und Vertretung in allen großen internationaler Sammlungen hat sich die Linzer Medien- und Performancekünstlerin erstmals unter die Top drei gehievt. Ihre Arbeiten rangieren zwischen € 3.000 und € 250.000.

Der Markt für zeitgenössische Kunst boomt weltweit. Als Orientierungshilfe analysiert der FORMAT-Kunstguide bereits im elften Jahr, wer am heimischen Markt die Blue Chips und die Newcomer mit internationalem Qualitätsanspruch sind.

Die jüngsten Versteigerungsrunden der internationalen Auktionshäuser brachen wieder Rekorde: Francis Bacons Triptychon "Three Studies of Lucian Freud“ kam in New York um 142,4 Millionen Dollar unter den Hammer und ist damit das teuerste Kunstwerk, das je auf einer Auktion versteigert wurde. Zum teuersten lebenden Künstler wiederum wurde der 58-Jährige Amerikaner Jeff Koons, der mit seinem knallbunten "Balloon Dog“ für 58,4 Millionen Dollar den Deutschen Gerhard Richter ablöste.

Doch Österreich ist anders. "Mit der Preisgestaltung am heimischen Markt hat das kaum etwas zu tun“, rückt Auktionsexperte Otto Ressler zurecht. So war der teuerste Österreicher am internationalen Auktionsmarkt 2013 Franz West, dessen "Two Heads“ bei Philipps de Purry in New York um 357.400 Euro den Besitzer wechselten. "Österreichische Kunst ist keine andere Liga, aber ein anderer Markt“, betont Ressler, "aber natürlich passiert am heimischen Markt das, was auch international passiert: Eine Aufspaltung in eine kleine Gruppe von Künstlern, deren Preise durch die Decke schießen, und in eine riesige Ansammlung derer, die nicht reüssieren.“

6.500 von der Sozialversicherung anerkannte bildende Künstler gibt es derzeit in Österreich. "Allein an der Akademie der bildenden Künste Wien schließen jedes Jahr zwischen 80 und 100 Künstler und Künstlerinnen ihr Studium ab“, wie Mona Hahn, Professorin für Kunst und Fotografie an der Akademie, ausführt, "wobei der Galerien- und Auktionsmarkt nur einen Teil des Tätigkeitsfeldes abdeckt. Immer bedeutender wird beispielsweise auch die künstlerische Forschung oder die Mitarbeit an städtebaulichen Fragen.“

Obwohl auch in Österreich wachsendes Interesse an der zeitgenössischen Kunst herrscht, ist es immer noch ein schwacher Sammlermarkt, bestätigt die Wiener Galeristin Heike Curtze. "Werden international scheinbar irrational hohe Summe in Kunst investiert, endet hier die Risikofreude zumeist bei 15.000 Euro.“ Umso wichtiger sei die Präsenz der Künstler am internationalen Markt, wie die Experten einhellig hervorheben. Eine renommierte Galerie garantiert die Teilnahme an großen internationalen Messen, diese die Aufmerksamkeit der Kuratoren, Ankauf von Museen und: den Anstieg des Marktpreises. Denn Qualität allein reicht heutzutage nicht mehr aus, Erfolg ist nur mit gutem Marketing möglich. Für ein gutes Standing müssen alle Faktoren zusammenspielen - etwa mit der richtigen Arbeit zur richtigen Zeit im richtigen Ausstellungskontext in der richtigen Galerie präsent sein.

Wer aber sind die Newcomer mit internationalem Qualitätsanspruch? Wer gilt bereits als Blue Chip, wer wird als Hot Ticket gehandelt?

Das Ranking

Zur Orientierung hat FORMAT auch heuer wieder eine prominent besetzte Jury um ihre Einschätzung bei der Bewertung von Österreichs Künstlern gebeten. 51 Profis, darunter Museumsdirektoren, Privatsammler, Kuratoren, Art Consulter, Auktionatoren und Galeristen haben 526 Künstler nach den Kategorien künstlerische Bedeutung, kommerzieller Erfolg und Zukunftspotenzial ausgewertet und abgewogen, was heute und in Zukunft diskurs-, was marktfähig ist. Nach der jeweiligen Gesamtpunktezahl wurden dann die 100 erfolgreichsten heimischen Künstler ermittelt. Für Anleger ist im Guide vor allem die Spanne zwischen hohem künstlerischen Wert und noch nicht ausgereiztem kommerziellen Erfolg der Künstler von Interesse. Denn je größer diese Spanne, desto erwartbarer die Wertsteigerung.

Ergänzt wird das Ranking durch die zehn besten Auktionsergebnisse heimischer Künstler am internationalen Markt sowie durch Investmenttipps der Experten .

Die Wertung

Die Siegerin heißt auch 2013 wieder Maria Lassnig, knapp gefolgt von Franz West auf Rang zwei. Platz drei konnte heuer erstmals die 73-jährige Medienkünstlerin Valie Export erobern, die damit Übermaler Arnulf Rainer auf Platz vier und One Minute-Skulpteur Erwin Wurm auf Rang fünf verwies. Zum Vergleich: Im deutschen Kunstkompass-Ranking der 100 wichtigsten Künstler der Gegenwart, das nach Ausstellungstätigkeit, Medienpräsenz und Ankäufen von Sammlungen und Museen listet, fiel Arnulf Rainer von Rang 49 auf 64, Erwin Wurm konnte sich um 15 Plätze auf Rang 83 verbessern und Franz West belegt auf der Liste der verstorbenen Künstler Platz acht.

Anders als etwa der Kunstkompass belässt der FORMAT-Kunstguide auch die bereits verstorbenen Künstler in der Gesamtwertung. Auch wenn deren künstlerische Entwicklung abgeschlossen ist, unterliegt das Œuvre oftmals einer kunsthistorischen Neubewertung und kommerziellen Schwankungen, je nach Intensität der Nachlassverwaltung, wie man am Beispiel von Bruno Gironcoli (Rang acht) oder der 2003 verstorbene Birgit Jürgenssen sieht, die heuer gleich um 15 Plätze höher bewertet wurde.

Generell zeigen sich bei den Rangvorderen nur geringfügige Verschiebungen, was einerseits die Kontinuität in der künstlerischen Qualität der Top-Platzierten bestätigt, andererseits aber auch sehr deutlich demonstriert, wie sensibel der Markt auf Präsenz, Ausstellungstätigkeit, internationale Arbeit der Galerie und Auftreten des Künstlers reagiert: So hievte die Jury die ewige Boygroup Gelatin nach der Präsentation ihrer "Loch“-Kunstaktion im 21er Haus heuer von 16 auf Rang 13.

Mit einer starken Galerie im Hintergrund und internationaler Präsenz konnte auch der Zeichner und Konzeptkünstler Franz Graf um fünf Plätze steigen. Heinrich Dunst wiederum, seit Jahren im Aufsteiger Ranking der internationalen Ratingagentur Artfacts.Net. als Hot-Ticket aus Österreich geführt, kletterte nun auch im heimischen Ranking um 36 Plätze auf Platz 55.

Damit aus Hoffnungsträgern nachhaltig Umsatzbringer werden, muss der Künstler richtig platziert werden. Das zeigt sich auch bei Mathias Poledna. Der medienscheue, in Los Angeles lebende Künstler konnte durch seine heurige Biennale-Teilnahme profitieren: Ihm gelang der Sprung von Rang 175 unter die Top 100 auf Platz 78. Auch der experimentelle Film- und Fotokünstler Josef Dabernig schaffte es nach einer Personale bei der "Diagonale“ heuer unter die Top 100.

Für Sammler mit Investmentgedanken ist die FORMAT-Liste aber vor allem jenseits der Top 100 spannend (unter www.format.at finden Sie die komplette Liste). Da sind junge Künstler mit großem Potenzial zu beobachten, die schon in den kommenden Jahren die Top 100 aufmischen könnten. Sonja Gangl etwa, derzeit mit ihren feinen Zeichnungen in der Albertina vertreten, gelang bereits heuer ein Sprung von 95 Plätzen auf Rang 166. Die Otto Mauer-Preisträgerin Luisa Kasalicky arbeitete sich 62 Plätze nach vorne. Und die komplette Neueinsteigerin Verena Dengler konnte sich nach einer Präsentation im MAK heuer bereits Platz 260 sichern.

Trends

Was die inhaltlichen Positionen betrifft, spiegeln sich im Ranking der Experten zwei Trends, die sich auch international zeigen. Nach Jahren der Pop-Glitzerkunst und des digitalen Medienhypes gibt es wieder neue Perspektiven: Plastik und Skulptur sind wieder verstärkt ein Thema. Das belegen starke Entwicklungssprünge für das installative Werk von Michael Kienzer, Gottfried Bechtold oder Peter Sandbichler. Auch Rudi Stanzels Œuvre wird in seiner Strenge und Geometrie neu bewertet (er stieg von 120 auf Platz 108). Ein neues Maß an Sinnlichkeit scheint wieder gefragt. Was auch Mona Hahn bestätigen kann: "Die jungen Künstler beschäftigen sich wieder häufiger mit künstlerischen Techniken, die ihnen Materialauseinandersetzung und handwerkliches Können abverlangen und bis vor ein paar Jahren noch als ‚veraltet‘ galten.“

Wer schon die Euro-Zeichen in den Augen hat, sei gewarnt: In keinem anderen Markt herrscht so fundamentale Unsicherheit über den Wert der gehandelten Ware. Einen Masterplan für Kunsterwerb gibt es nicht, betont daher auch Hans-Peter Wipplinger, Chef der Kunsthalle Krems: "Es gilt, sich Zeit zu nehmen, Hintergrundinformationen einzuholen und das Auge zu schulen.“

Die Komplette Liste der 526 teuersten heimischen Künstler

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★