Der FORMAT-Kunstguide 2012: Das Ranking der wichtigsten heimischen Künstler

PLATZ 1: Maria Lassnig, 91

Die gebürtige Kärntnerin und Doyenne der Malerei, betreibt seit 60 Jahren mit ihren „Body-Awareness“-Paintings verstörende Körpererkundungen. Jetzt erntet sie mit dem absolut frischen Werk die Früchte jahrelanger Arbeit und gilt als preislich noch keineswegs ausgereizt.

Werke gibt es derzeit zwischen €6.000,– und €200.000,–.

PLATZ 2: Franz West, 64

Auch Franz West hat über 35 Jahre gebraucht, bis er da war, wo er jetzt ist: DER internationale Top-Player der heimischen Zeitgenossen. Im Rahmen der Kunstbiennale Venedig wird das ewige Enfant terrible mit dem Goldenen Löwen für sein kraftvolles und reiches OEuvre ausgezeichnet. Seine Arbeiten rangieren zwischen €6.500,– und €600.000,–.

Der FORMAT-Kunstguide geht in die zehnte Runde und sagt vor dem Hintergrund des weltweiten Zeitgenossenbooms, wer am heimischen Markt die Blue Chips und Hot Tickets sind, in die zu investieren sich lohnt.

Hochstimmung bei Sotheby’s, Christie’s und Philipp de Pury. Mit Schlagzeilen wie "Gegenwart im Milliardenrausch“ vermeldeten die internationalen Auktionshäuser dieser Tage die erfolgreichsten Kunstauktionen ihrer Geschichte und: dass die Krise am Kunstmarkt offenbar vorbei sei. Faktum ist: Bereits 2011 war ein Rekordjahr am Kunstmarkt. 11,5 Milliarden US-Dollar wurden laut der Agentur Artprice bei Kunstauktionen umgesetzt, 21 Prozent mehr als im Jahr davor. Und der Markt für Zeitgenossen boomt weiter und belegt damit auch die wachsende Bedeutung von zeitgenössischer Kunst als Kapitalanlage. Man setzt zudem auf die emotionale Dividende. Zeitgenössische Kunst bedient nicht nur Aspekte der Freude oder der intellektuellen Herausforderung, sondern ist Prestigeobjekt par excellence.

So gesehen hat die Krise der Kunst sogar gutgetan. "Viele Großsparer sind bereit, ihre Dollar- und Euro-Scheine gegen Leinwände und Skulpturen einzutauschen, weil das zudem mehr Spaß macht“, betont Otto Hans Ressler. Auch der Zeitgenossen-Experte des Wiener Auktionshauses Im Kinsky kann sich schon jetzt über ein Umsatzplus von 27,4 Prozent für die Sparte freuen! Die tatsächliche Rendite vieler Sammler dürfte allerdings deutlich niedriger liegen als etwa beim Glücksgriff des US-Musikers Eric Clapton: Ein Ölgemälde Gerhard Richters aus seinem Besitz brachte heuer bei einer Auktion 26,45 Mio. Euro. Erstanden hatte es Clapton 2001 um 2,6 Mio. Euro! Dass Kunst als alternative Anlage immer interessanter wird, bestätigt auch der heimische Galerist Christian Meyer. Allerdings müsse man es, so der Experte, geschickt anstellen: "Entweder man kauft Arriviertes oder jung und heiß. Beides setzt Know-how voraus!“

Aber wie erkennen, wer ein Hoffnungsträger ist, heute noch bezahlbar und morgen vielleicht unerschwinglich? Wer sind die Blue Chips, die überdurchschnittliche Wertstabilität versprechen?

Das Experten-Ranking

Als gute Orientierungshilfe für Investoren am heimischen Markt erweist sich wie schon in den vergangenen Jahren das FORMAT-Kunstranking der 100 erfolgreichsten zeitgenössischen Künstler Österreichs, das heuer sein zehnjähriges Jubiläum feiert. FORMAT hat auch diesmal wieder eine prominent besetzte Jury gebeten, ihr Wissen bei der Bewertung von Österreichs Künstlern zum Einsatz zu bringen. 55 Experten - darunter Museumsdirektoren, Privatsammler, Consulter, Kuratoren und Galeristen - haben eine Liste von 460 heimischen Künstlern bewertet. Die Experten haben unsere innerhalb der letzten zehn Jahre von 135 auf 460 Künstler angewachsene Liste nach den Kategorien künstlerische Bedeutung, kommerzieller Erfolg und Zukunftspotenzial ausgewertet und gewissenhaft abgewogen, was in der heimischen Szene zählt, was diskurs-, was marktfähig ist, bleibt oder wird.

Nach der jeweiligen Gesamtpunktezahl wurden dann die 100 erfolgreichsten Künstler ermittelt. Für Anleger ist im Guide vor allem die Spanne zwischen hohem künstlerischem Wert und noch nicht ausgereiztem kommerziellem Erfolg der Künstler von Interesse. Denn je größer diese Spanne, desto kalkulierbarer die Wertsteigerung! Komplementiert wird das Ranking durch die 10 besten Auktionsergebnisse heimischer Künstler am internationalen Markt sowie durch Investmenttipps der Experten .

Viele FORMAT-Investmenttipps der vergangenen Jahre finden sich heuer bereits unter den Top 100 wie etwa der Grazer "Installateur“ Constantin Luser (Neueinstieg, Platz 75). Auch die Expertentipps des Vorjahres haben sich bereits bewährt: Der Grazer Moussa Kone stieg um 45 Plätze, Inszenator Christian Mayer um 69, und der Zeichner Tomak hievte sich um 92 Plätze nach oben.

Die Siegerin heißt auch heuer wieder Maria Lassnig, knapp gefolgt von Franz West auf Rang zwei. Wobei sich Experten einig sind, dass das Werk des heuer verstorbenen Kunstmarktstars, der auch unter den Top 100 auf der Weltbesten-Liste zu finden ist, neu bewertet werden wird. Nach dem Marktgrundsatz "Je rarer das Werk, desto größer die Gier“ wird sich das nun abgeschlossene Œuvre wohl erst in vier bis fünf Jahren preislich einpendeln.

Umsatzbringer

Der One-Minute-Skulpteur Erwin Wurm ist mit internationaler Präsenz und ebensolcher Sammlerschaft heuer auf Platz vier vorgerückt. Mit ein Verdienst seines international gut vernetzten Galeristen Thaddaeus Ropac. Denn damit aus Hoffnungsträgern derartige Umsatzbringer werden, muss ein Künstler richtig platziert werden. Qualität allein reicht heutzutage nicht mehr aus, bestätigen auch die Experten.

Wie sensibel der Markt auf Präsenz, Netzwerk, Arbeit der Galerie und Auftreten des Künstlers reagiert, zeigt sich auch an Markus Schinwald. Der 39-jährige Salzburger Installationskünstler, der Österreich im vergangenen Jahr bei der Biennale in Venedig vertrat, hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre auf Platz 13 des Rankings gehievt.

Für Sammler mit Investmentgedanken ist die FORMAT-Liste aber vor allem jenseits der Top 100 spannend: Da sind junge Künstler mit großem Potenzial zu beobachten, die schon in den kommenden Jahren die Top 100 aufmischen könnten. Wie etwa die Wertungsneueinsteiger Hanakam & Schuller, Anna Artaker, Lukas Pusch oder Michael Part.

Ein Trend, der sich schon im Vorjahr gezeigt hat, ist auch heuer abzulesen: Nach Jahren leicht konsumierbarer Easy-on the-eyes-Kunst sind verstärkt Qualität, handwerkliches Können wie inhaltliche Substanz gefragt. "Arbeiten, in denen zeitgemäße Fragestellungen künstlerisch neu verhandelt werden“, wie Galerist Ernst Hilger erfreut feststellt. "Man will nach all der Labelkunst wieder neue Ideen und Perspektiven sehen. Als Sammler sollte man ohnehin nie nur auf die Big Names setzen, sondern antizyklisch kaufen, neugierig sein und seiner Zeit ein bisschen voraus.“ "Hierzulande endet die Risikofreude bei 15.000 Euro“, analysiert Galeristin Heike Curtze, die neben Schüttstar Hermann Nitsch auch Günter Brus und Aufsteiger Tomak vertritt, pragmatisch die heimische Experimentierfreude.

"Der hiesige Markt reagiert zeitverzögerter als der internationale“, weiß auch Galeristin Miryam Charim. "Von den Ergebnissen, die mit Generationskollegen international erzielt werden, können Galeristen hierzulande nur träumen. Die meisten Österreicher liegen in Relation zum internationaler Markt preislich noch im unteren Drittel.“

"Gute Preise eines Künstlers entstehen dann, wenn Leute an ihn glauben“, ergänzt Christian Meyer, der international mit Franz West, Heimo Zobernig und der Kunsttruppe Gelitin reüssiert. Da es aber am Kunstmarkt keine objektiven Kriterien gibt, spielen Beratung und Überzeugungskraft eine große Rolle. Mit den Augen und dem Herzen kaufen - und nicht mit den Ohren - ist daher Prämisse der Experten. Schauen Sie sich also so viele Ausstellungen wie möglich an! Studieren Sie Kataloge und Fachliteratur, reden Sie mit Experten, und bilden Sie sich dann eine Meinung von dem, was Sie sammeln möchten.

Unbekannte Künstler bei ihrem Aufstieg zu begleiten sei ohnehin der renditeträchtigere Weg, betont Charim. "Manchmal“, so die Galeristin, "muss man der Karriere eines Künstler einfach nur länger Zeit geben. In der Regel rund zehn Jahre.“ Das lässt sich leicht im Rückblick verifizieren: Für eine vor zehn Jahren um 2.500 Euro erstandene Fotoarbeit von Valie Export kann man am Markt heute mit 35.000 Euro rechnen. Ein im Jahr 2002 um 8.000 Euro erstandenes Werk von Günter Brus rangiert nun bei 20.000 Euro. Heimo Zobernig stieg von 20.000 auf 50.000 Euro.

Als sehr grobe Faustregel könnte man, so Auktionator Ressler, sagen, dass ein guter Künstler seinen Wert in zehn Jahren zumindest verdoppelt. Aber, so der Experte im pragmatischen Nachsatz: "Der Wert von Kunst ermisst sich letztlich an dem, was ein bestimmter Mensch bereit ist, dafür zu bezahlen. Das ist die Ehrlichkeit des Marktes.“

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