"Der Film jetzt ist weniger Mainstream"

"Der Film jetzt ist weniger Mainstream"

In "Inside Llewyn Davis" geht es um die Folkmusik-Szene im New Yorker Stadtteil Greenwich Village Anfang der 60er Jahre. Was hat Sie an dem Thema interessiert?

Ethan Coen: Wir haben uns schon immer für diese Art der Musik begeistert. Als Kinder waren wir Fans von Bob Dylan, durch ihn sind wir auf das Folkgenre aufmerksam geworden und so eben auch auf die New Yorker Greenwich Village Szene. Wir wollten herausfinden, was dort los war, bevor Dylan berühmt wurde und sie veränderte.

Wie kam es zur Besetzung von Musiker und Schauspieler Oscar Isaac als Llewyn Davis?

Joel Coen: Wir haben anfänglich ausschließlich Musiker gecastet. Es gibt so viel Live-Musik im Film, und wir fanden es wichtig, dass unser Hauptdarsteller als Musiker glaubhaft rüberkommt. So was können einfach nur echte Musiker. Das Problem war aber, dass wir keinen finden konnten, der auch als Schauspieler überzeugend genug war. Der Hauptdarsteller muss den Film tragen können, er kommt schließlich in jeder einzelnen Szene vor. Erst als wir Oscar trafen, waren wir überzeugt, dass wir einen Schauspieler gefunden hatten, der nicht nur hervorragend zur Rolle passt, sondern auch ein sehr fähiger und talentierter Musiker ist. Das gibt es selten.

Ethan Coen: Wir wollten auch keinen Schauspieler, den wir mit einer fremden Singstimme synchronisieren. Dafür ist der Gesang zu wichtig im Film. Wir haben das mal mit George Clooney in "O Brother, Where Art Thou?" gemacht, aber da war es eine andere Situation.

Ihr voriger Film "True Grit - Vergeltung" um die Rache eines Mädchens für den Mord an seinem Vater war ein Kassenschlager, der neue Film ist weniger Blockbuster. Hatten Sie genug davon?

Joel Coen: Wir lieben Blockbuster. "True Grit" war viel kommerzieller. Aber unsere Filme müssen nicht ihre Vorgänger übertrumpfen. Der Film jetzt ist weniger Mainstream.

Weniger Mainstream und auch weniger Handlung?

Ethan Coen: Der Film handelt von einem Musiker, dem nichts Bedeutsames passiert und der auch nichts Bedeutsames tut - in der Tat ist das gewissermaßen die Geschichte. Die Aufgabe war für uns, den Film so abzustimmen, dass die Story trotzdem interessant bleibt und den Zuschauer bindet. Handlung ist dafür nicht das einzige Mittel, das kann auch eine Figur alleine.

War mehr Handlung jemals eine Option für den Film?

Joel Coen: Uns ging es immer um die Figur - einen schwierigen Charakter, der mit seiner Musik einfach nicht berühmt wird. Wir fanden interessant zu fragen, warum das so ist. Das ist die Geschichte. Der Film beantwortet die Frage nicht selbst, sondern lässt den Zuschauer mutmaßen.

Ethan Coen: Wir wollten, dass der Zuschauer in der gleichen Haut steckt wie Llewyn Davis.

Joel Coen: Jeder kennt doch Menschen, die extrem gut sind mit dem was sie tun - und trotzdem werden sie nie erfolgreich. Das ist eben so. Das zum Mittelpunkt einer Geschichte zu machen schien uns interessant. Das ist die Ambition des Films. Wir wollten schließlich keinen "Rocky"-Film machen.

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