Der Festival-Sommer im Überblick. Die wichtigsten Veranstaltungen & Konzerttipps

Der Konzertsommer wird bunt: mit Jazz- & Blues-Bands, Megaevents und fein programmierten Kleinfestivals. Ein Blick auf den heimischen Veranstaltungskalender. Karten gibt es noch überall.

Die Festivalsaison hat zwar bereits begonnen, der richtige Startschuss fällt aber immer erst Anfang Juni, wenn im ansonsten beschaulichen Grenzort Nickelsdorf das Nova Rock Konzertnomaden anlockt. Mit durchschnittlich 160.000 Besuchern ist das Rock-Spektakel im Burgenland eines der größten Festivals in Mitteleuropa. Das lässt sich auch an anderem beeindruckendem Zahlenmaterial festmachen. 130.000 Liter Bier (ca. 870 volle Badewannen, ohne Schaum) werden dort ausgeschenkt. 70 Dieselstromaggregate versorgen die Bühnen und Getränkestände mit Strom, 600 Securities sind im Einsatz, 150 Sanitäter und acht Notärzte versorgen vor Ort Notfälle. Kosten für den Aufwand: rund fünf Millionen Euro!

Die stellen die Veranstalter Harry Jenner und Ewald Tatar auf, die – man kann es ruhig so sagen – als Quasi-Monopolisten den heimischen Festivalmarkt dominieren. Ihre Barracuda Holding beherrscht den österreichischen Konzertmarkt und veranstaltet die meisten heimischen Großevents: Nova Rock, Frequency, Urban Art Forms, Two Days a Week. Geschickt hat man sich über Jahre ein Firmennetz aus Booking-, Veranstaltungs- und Marketing-Agenturen aufgebaut und ist, wenn auch nicht gleich von großem Erfolg gekrönt, in den osteuropäischen Konzertmarkt eingestiegen.

Zudem bearbeitet man mittlerweile auch den sehr lukrativen Markt der überschaubaren Kleinfestivals und beackert mit der Tochterfirma NuCoast Entertainment neue Geschäftsfelder. Soll heißen: Wenn im Juni und Juli am Schwarzl-See bei Graz Künstler wie Bryan Adams, Zucchero oder Shakira für Stimmung sorgen, hat das de facto die Barracuda Holding eingefädelt. Gegenwärtig beschäftigen Jenner und Tatar übrigens fünfzig Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr setzte man 50 Millionen Euro um. Ausgewiesener Bilanzgewinn: 1,5 Millionen Euro.

Komfortabel

Wie es eben so ist im Leben, werden auch die Festivalbesucher von früher irgendwann älter, bewusster und zahlungskräftiger. Dann strapaziert der Zirkus mit seinen grölenden Teenagern zwangsläufig das Nervenkostüm, und man bleibt im Zweifelsfall zuhause oder geht auf ein gediegenes Jazz-Konzert.

Darauf wird übrigens auch bei Festivals reagiert. So wird es beim Nova Rock ein Kempinski-Zelt-Hotel geben, für einen Aufpreis mietet man ein Zwei-Mann-Zelt mit Matratzen, anreisen braucht man lediglich mit Schlafsack. Und beim Frequency Festival soll ein Green-Camper-Konzept Security-überwachte Sauberkeit am Zeltplatz garantieren und das sogenannte „Comfort Ticket“ bei älteren Semestern für Annehmlichkeiten wie schnelleren Einlass oder Zugang zu gesperrten Räumen sorgen.

– Manfred Gram

Jazz, Blues, Weltmusik im Überblick

Jazz Fest Wien: Das Festival feiert seinen 20. Geburtstag. Nebst Super-Dandy Bryan Ferry kommen u. a. Liza Minnelli, Cyndy Lauper, Sergio Mendes und Thomas Quasthoff. 15. 6. – 17. 7.; viennajazz.org

JazzSommer Graz: George Benson kommt. 9.–21. 7.; jazzsommergraz.at

Schrammel Klang Festival: Am Herrensee in Litschau treffen sich das Kollegium Kalksburg, Ernst Molden und Die Strottern. 8.–10. 7.; schrammelklang.at

Wellenklänge: In Lunz am See treten Aldona & Band, Sofia Taliani, Erika Stucky und Willi Resetarits auf. 8.–30. 7.; wellenklaenge.at

Jazzfestival Saalfelden: Heuer mit Max Nagl, Didier Laloy und The Nels Cline Singers feat. Yuka Honda. 25.–28. 8.; jazzsaalfelden.at

Kleine und große Konzertperlen

Donauinselfest: Größtes Festival Europas – noch dazu gratis. Zwischen Kabarett und Musik ist alles zu finden. Tipps: Andreas Vitásek, Shout Out Louds, Portugal. The Man & Attwenger. 24.–26. 6.; 2011. donauinselfest.at

Poolbar Festival: Sieben Wochen lang wird jeden Sommer Feldkirch zur heimlichen Pop- und Diskurshauptstadt. Heuer sind Bands wie Broken Social Scene, Deus, Scott Matthew und The Thermals anzutreffen. 1. 7. – 15. 8.; poolbar.at

Nova Jazz & Blues Night: Kommt sie, oder ist sie doch wieder auf Rehab? Man weiß es bei Amy Winehouse nicht so genau. Sollte sie absagen, gibt es in Wiesen dennoch Hochkaräter im Programm: Erykah Badu, Jamie Cullum, Aloe Blacc und Zaz. 23.–24. 7.; wiesen.at

Acoustic Lakeside: Am lauschigen Sonnegger See im Kärntner Eberndorf sorgen Clara Luzia, Effi und Trouble Over Tokyo für Lagerfeuerromantik. 22.–23. 7.; acousticlakeside.com

Wo im Sommer die Beats zuhause sind

Urban Art Forms: Das Elektrofestival geht in Wiener Neustadt über die Bühne. Es kommen Fatboy Slim, Deichkind, Richie Hawtin und die Crystal Castles. 16.–18. 6.; uaf-festival.at

Prater Unser: Technospaß rund um die Pratersauna mit Lone, Cosmin TRG und Alex Nut. 30. 6. – 3. 7.; praterunser.at

Wetterleuchten: Auf 2.000 Meter Seehöhe, bei Innsbruck, wird u. a. mit Ogris Debris gefeiert. 16.–17. 7.; wetterleuchten.at

Beatpatrol: Riesige Elektrosause am VAZ-Gelände in St. Pölten. Heuer mit Moby, Tiesto, I Am Cereals. 22.–24. 7.; beatpatrol.at

Day and Night: Die Galopprennbahn Freudenau wird zum Riesenclub. Mit Tiefschwarz und Aphrodite. 10. 9., dan-festival.at

Die Untoten und ihre Lebenszeichen

Nova Rock: Mit 160.000 Gästen das größte heimische Rock-Festival in Nickelsdorf. Heuer kommen Iron Maiden, Motörhead und Linkin Park. Headbang-Alarm zwischen 11. und 13. 6.; novarock.at

Lovely Days: Santana, Ten Years After, Mothers Finest und andere Hippies spielen in Wiesen. 8. 7.; lovelydays.at . Dasselbe Lineup gibt es dann beim Clam Rock auf der Burg Clam am 9. 7.

Forestglade: Clawfinger, Levellers, Airbourne, The Pogues. 90er-Jahre, willkommen zurück in Wiesen. 16. 7.; wiesen.at

Two Days a Week: Das Ende des Sommers begeht man würdig in Wiesen mit den Beatsteaks, The Offspring, Bullet For My Valentine, Paradise Lost und Alkbottle. 2.–3. 9.; wiesen.at

Alternative Mainstream

Szene Open Air: Am Alten Rhein in Lustenau gastieren Indiepop-Kapazunder wie Maximo Park und Chikinki. Heimische Unterstützung gibt es von Ginga, Texta & Skero und Parov Stelar. 4.–6. 8.; szeneopenair.at

Frequency: Ihr Kommen am VAZ-Gelände in St. Pölten haben die Foo Fighters angekündigt. Mit dabei sind auch die Berliner Powertruppe Seeed, Kasabian, Deichkind und das Edelpop-Duo Hurts. Mit 120.000 Gästen darf wieder gerechnet werden. 18.–20. 8.; www.frequency.at

Große Namen im Juni und Juli

Shakira: Die kolumbianische Tanzgöttin gastiert am Schwarzl-See in Unterpremstätten bei Graz im Rahmen der Konzertveranstaltungsreihe „See-Rock Festival“; 10. 6.

Sting: Tags darauf am Schwarzl-See; 11. 6.

Zucchero: Der Altmeister des Italorock-Kitsch gastiert am – richtig – Schwarzl-See; 17. 6.; vier weitere Termine in Österreich.

Herbert Grönemeyer : Der Hörbalizer rockt im Happel-Stadion am 18. 6. und im Stadion Klagenfurt am 19. 6.

Arcade Fire: Die wichtigste Band der Nullerjahre bringt die Indie-Fraktion in Wiesen zum Schwärmen; 22. 6.

Judas Priest & Whitesnake: Jenseits von Gut und Böse; Stadthalle Wien, 29. 6.

James Blunt: Der Tränendrüsendrücker kommt nach Graz zum Schwarzl-See am 6. 7. und auf die Burg Clam am 7. 7.

Bryan Adams: Der Jeansjackenrocker kommt nach Unterpremstätten; 7. 7. In Clam ist er am 14. 7., in Dornbirn am 15. 7.

Gianna Nannini: Die Jungmutter ist am 10. 7. in Dornbirn, am 14. 7. in der Wiener Stadthalle, am 15. 7. in Linz und am 24. 7. in Salzburg zu sehen.

Ringo Starr: Der Ex-Beatle bespielt die Wiener Arena; 17. 7.

Duran Duran: 80er-Jahre-Kult im Wiener Gasometer; 20. 7.

Morrissey: Ein Gott beehrt das Wiener Konzerthaus; 21. 7.

Bon Jovi: Kreisch. Heul. Schrei. Happel-Stadion; 22. 7.

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