Der Eurovision Song Contest 2015 wird für Österreich nicht billig

Der Eurovision Song Contest 2015 wird für Österreich nicht billig

Für die Show mit 120 Millionen Fernsehzuschauern reisen jährlich an die 2.000 Journalisten an. Dafür muss tief in die Tasche gegriffen werden.

Nach dem Feiern über den Erfolg von Conchita Wurst kommt das Arbeiten, respektive das Zahlen: Der fulminante Triumph von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest 2014 bedeutet, dass das größte Musikevent der Welt kommendes Jahr in Österreich ausgerichtet wird. Für die Show mit 120 Millionen Fernsehzuschauern reisen jährlich an die 2.000 Journalisten an. Damit stehen große Planungen und durchaus auch große Kosten ins Haus.

In Summe werden die Aufwendungen für einen ESC meist mit rund 25 Millionen Euro kalkuliert, wobei hier nicht alles allein vom heimischen Fernsehsender zu tragen ist und die Umwegrentabilität nicht außer Acht gelassen werden darf. Die Kosten für den Ausrichter ARD lagen etwa in Düsseldorf 2011 bei rund 12 Millionen Euro. Das norwegische Fernsehen musste 2010 etwa 16,25 Millionen Euro ausgegeben. Moskau im Jahr davor lag nochmals deutlich höher.

Baku: Eine halbe Milliarde Euro

Weniger transparent waren die öffentlichen Ausgaben, als die autoritär regierte Kaukasusrepublik Aserbaidschan 2012 den Megaevent dazu nutzte, gleich eine gigantische Veranstaltungshalle, die Baku Crystal Hall, am Ufer des Kaspischen Meers aus dem Boden zu stampfen, die dem Vernehmen nach mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben soll. Offiziell machte die Ex-Sowjetrepublik keine Angaben, jedoch wurden die Gesamtkosten für die ESC-Vorbereitung - einschließlich des Baus neuer Straßen und einer Uferpromenade zur Crystal Hall - vom East-West Research Centre in Baku damals auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Kleiner dimensioniert war dann Malmö im Vorjahr, wo die Halle mit 12.000 Zuschauern deutlich weniger Menschen als etwa die Düsseldorf Arena mit 36.000 Gästen fasst. Das Budget lag damals bei rund 18 Millionen Euro. Und heuer in Kopenhagen muss das Danmarks Radio (DR) mindestens 25 Millionen Euro zahlen - wenn nicht mehr. Denn der Umbau des Veranstaltungsorts B&W-Hallen mit etwa 11.000 Zuschauern verschlang nach Medienberichten 3 Millionen Euro mehr als veranschlagt. Für die Finanzierung des Hallenumbaus ist jedoch eine Projektgesellschaft zuständig, die unter anderem von der Stadt unterhalten wird.

Austragungsort fraglich

Die Entscheidung, wo Österreich genau das Event veranstalten wird, dürfte allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen. Düsseldorf erhielt etwa erst Anfang Oktober 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Veranstaltung im Mai 2011, für die sich auch Berlin, Hamburg und Hannover beworben hatten. Fix ist jedenfalls, dass Österreich auf die Gastgeberrolle nicht verzichten wird, wurde am Sonntag seitens des ORF betont.

Doch es ist nicht zwangsläufig klar, dass Wien den Musikzirkus beheimaten wird. Der ESC gastiert sogar gerne außerhalb der großen Metropolen: So finden sich weniger glamouröse Austragungsorte wie Harrogate, Brighton oder im Vorjahr Malmö auf der Liste. Allerdings muss man zugestehen, dass die Hauptstädte bei den Austragungsorten klar in Führung liegen - mit derzeit 37:22.

Am Sonntag meldete die APA, dass sich bereits der Chef der Wiener Stadthalle, Wolfgang Fischer, sowie der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider (FPÖ) ins Spiel gebracht haben. Letzterer will dem ORF das Wörthersee-Stadion näherbringen.

Mit einer Kapazität von 16.000 Zuschauern in der Halle D stehe die Stadthalle "selbstverständlich" für die Austragung des Megaevents zur Verfügung. "Wo sonst hast du eine Halle - in Kopenhagen waren es 11.000, in Malmö 12.000 - wo du diese Menschenanzahl unterbringst?", bekräftigte Fischer. Bei 250 Shows pro Jahr seien außergewöhnliche Begebenheiten wie "Feuerwerke, Regen, Schnee oder was auch immer man auf der Bühne haben will" tägliches Geschäft, auf den ESC könne man sich daher problemlos einstellen.

"Wir hätten mit dem Wörthersee-Stadion eine wunderbare Location, die viel besser geeignet ist als etwa die Wiener Stadthalle", entgegnet wiederum Scheider: Das Stadion sei mit der neuesten Technik ausgestattet und biete 30.000 Besuchern Platz. Auch die Infrastruktur sei vorhanden und mit dem Wörthersee gebe es ein wunderbares Ambiente.

92 Millionen Euro

Auf die Frage, wie man das Problem lösen wolle, dass das Stadion nicht überdacht ist und eine Regenfront oder starke Gewitter den Event stören könnten, meinte Scheider, über die Details müssten sich Experten Gedanken machen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Stadt die organisatorischen Voraussetzungen erfüllen könne, schließlich habe man ja auch die EURO 2008 veranstaltet.

Das Stadion ist erst im vergangenen Winter endgültig fertiggebaut worden. Nach der Fußball-EM hatte es endlose Debatten darüber gegeben, ob der ursprünglich temporär errichtete Oberrang wieder abgebaut werden oder das Stadion in der ursprünglichen Größe belassen werden sollte. Man entschied sich für Letzteres, insgesamt hat das Gebäude samt dem dazugehörigen Sportpark 92 Millionen Euro gekostet. Aktuell trägt der Regionalligaverein aus Klagenfurt dort seine Fußballmatches aus, ansonsten wird das Bauwerk zur Zeit kaum genutzt.

Neben Kärnten bringt sich auch Niederösterreich als möglicher Austragungsort für eine Open-Air-Variante ins Spiel. Sonntagabend meldete sich zudem Innsbruck zu Wort. "Wir haben bereits mehrfach bewiesen, dass in Innsbruck internationale Veranstaltungen wie etwa die zweimaligen Olympischen Spiele sowie die weltweit erstmals ausgetragenen Youth Olympic Games perfekt ausgerichtet werden können", heißt es in einer Aussendung: "Wir bieten unsere Expertise gepaart mit einem international bestens angebundenen Standort an". Der ESC 2015 wäre eine "optimale Werbung" für den Tourismusstandort Tirol.

ORF optimistisch

ORF-TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm zeigte sich jedenfalls bereits in der Nacht auf Sonntag optimistisch in Bezug auf die Ausrichtung des Song Contest 2014: "Wenn es auch kleine Länder wie Dänemark geschafft haben, eine solche große Veranstaltung auf die Beine zu stellen, dann werden wir es auch schaffen", sagt er.

Am Montag soll bereits der Startschuss für die Organisation erfolgen. "Da gibt es einen ganz strikten Zeitplan, sagt Böhm: "Wir werden ein Team für diesen Event freistellen müssen - das ist ein Fulltimejob."

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