David Bowie – Comeback einer Ikone

David Bowie – Comeback einer Ikone

David Bowie veröffentlicht nach zehn Jahren Pause sein 30. Studioalbum. In London würdigt man das Lebenswerk des Universalkünstlers im Museum. Zum Comeback einer Ikone.

Geburtstagsüberraschungen sind gemeinhin eine zweischneidige Angelegenheit. Nicht selten gehen sie nach hinten los. Vielleicht hat David Bowie deswegen einfach den Spieß umgedreht und die Initiative ergriffen. Am 8. Jänner wurde der Brite 66 Jahre alt und überraschte die Welt mit dem nagelneuen Song "Where Are We Now?“. Eine ruhige, elegische Hommage an Berlin und die Zeit, die er in den 1970er-Jahren im Westen der Stadt verbracht hat. Dort lebte Bowie bekanntlich, produzierte drei Alben und haute sich gemeinsam mit Iggy Pop, der im selben Haus wie er wohnte, einiges an harten Drogen in den dürren Körper.

Die Singleveröffentlichung - von der im Vorfeld kaum jemand wusste - ist ein Vorbote für das neue Album "The Next Day“, das am 8. März erscheint. Und es ist durchaus als kleine Sensation zu werten, denn die Pop-Ikone befand sich in den letzten zehn Jahren auf Tauchstation. 2003 erschien der Longplayer "Reality“, dem bei Kritikern kein besonders herausragender Erfolg beschieden war. Und nach einem Herzinfarkt im Sommer 2004, hinter der Bühne beim Hurricane-Festival im deutschen Scheeßel - Notoperation in Hamburg inklusive -, zog sich der Künstler ins Private zurück.

Ab und zu tauchte er irgendwo sporadisch in seiner Wahlheimat New York auf. Bei Konzerten im Publikum, bei Vernissagen. Es gab auch vereinzelte Cameo-Auftritte in Filmen, oder er wirkte als Gastsänger bei Produktionen befreundeter Künstler (Arcade Fire) mit. Ach ja, er gab auch ein lässiges, selbstreferenzielles Testimonial für Mineralwasser (Vittel) ab, doch ansonsten: Rückzug und einiges an damit einhergehenden Gerüchten um seine Person. Er sei schwer krank, er plane, nie mehr als Künstler in Erscheinung zu treten, irgendwie sei alles vorbei.

Universalkünstler

Der wandlungsfähige Künstler war immer mehr als nur Musiker. Bowie ist ein Gesamtkunstwerk, ein Monument der Populärkultur. Eine Tatsache, die das Londoner Victoria & Albert Museum (V&A) ab 23. März mit der Ausstellung "David Bowie is“ würdigt. Ein programmierter Erfolg. Kylie Minogue widmete man vor sechs Jahren dort ebenfalls eine Ausstellung, 270.000 Besucher wollten die Bühnenoutfits der glamourösen Sängerin sehen.

Man mag zu Minogue stehen, wie man will, aber Bowie ist schon noch einmal eine Nummer größer. Alleine, weil er im Laufe seiner Karriere, bei den Versuchen, sich stets neu zu erfinden, in Bereiche vordrang, die bis dato kaum ein Musiker für sich entdeckt hatte. Und weil er diese dann mit einer Intensität und Kompromisslosigkeit besetzte, die den Boden für Nachkommendes aufbereitete. Mit Ziggy Stardust kreierte er etwa eine Kunstfigur, die auch gesellschaftlich neue Maßstäbe setzte. Einen promiskuitiven, androgynen Rockstar, der sich dem Exzess hingibt und dabei auch noch spielerisch die Geschlechtergrenzen auflöst, gab es so auch noch nicht. Mode, Kunst, Lifestyle, Design - das sind und waren die Biotope, in denen Bowie zuhause ist und die in der Londoner Design-Retrospektive nun auch ausführlich gewürdigt werden.

Gut 60 Bühnenoutfits werden dort präsentiert; darunter Klassiker wie Kansai Yamamotos Kreationen für die "Aladdin Sane“-Tour oder der "Union Jack“-Gehrock von Alexander McQueen. Dazu gibt es handgeschriebene Lyrics, einiges an Film- und Musikvideomaterial, Fotografien und Plattencovers. Über 300 Artefakte werden Bowie-Fans bei der Heldenverehrung helfen.

Das Cover des neuen Albums wird auch dabei sein. Das ist nämlich eine gelungene Reminiszenz ans eigene Schaffen und eine Bearbeitung des legendären und wichtigen Bowie-Werkes "Heroes“ aus dem Jahr 1977. Man strich kurzerhand den Titel durch, und über Bowies Gesicht prangt ein weißes Quadrat. Darin steht der Titel "The Next Day“. Gültige Botschaft dabei: Die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln. Nicht bei einem Comeback - und wenn man im Museum landet, schon gar nicht.

Buch und CD: Einen guten Überblick über Bowies Schaffen gibt der Bildband "Bowie - Retrospektive“ (Edel; € 29,95). Werk, Bedeutung & Stilentwicklung sind darin aufschlussreich beschrieben. Sein neuestes Album "The Next Day“ (Sony) erscheint am 8. März. Das Cover, eine Reminiszenz an "Heroes“, weist die Richtung. Zukunftsbewältigung geht nicht ohne Vergangenheit.

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