Conchita Wurst: Tschechische Zeitung hält Eurovision Song Contest Siegerin für Quatsch

Conchita Wurst: Tschechische Zeitung hält Eurovision Song Contest Siegerin für Quatsch

Reaktionen zum Triumph von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest: Die tschechische Tageszeitung "Lidove noviny" hält den Sieg für "Quatsch", in Serbien machten sich die TV-Kommentatoren über Wurst lustig, in Russland sehen Politiker im Sieg von Conchita Wurst als den Untergang Europas.

"Der Sieg der österreichischen bärtigen Sängerin Conchita Wurst in dem europäischen Kitsch-Sängerwettbewerb ist selbstverständlich ein Quatsch", schreibt die tschechische Tageszeitung "Lidove noviny" in ihrer Montagausgabe. Quatsch wäre aber nicht der symbolische Wert des Wettbewerbs.

Dann schreibt die Zeitung weiter: "Es gibt die Auffassung, wonach Europa, also ihr reicher westlicher Teil, in Dekadenz verfalle, deren Repräsentanten die Leute unklarer sexuellen Orientierung seien, die sich - wie jener österreichische Jüngling - Frauenkleid anziehen (...) Diese Kritiker sehen in derartigen Erscheinungen einen Beweis dafür, dass der Westen verfault sei."

Dann gäbe es noch die Auffassung, dass der Sieg der österreichischen bärtigen Sängerin ein Triumph der Freiheit und der Toleranz sei, sowie ein Beweis dafür, wie hervorragend der Westen sei. Auch das ist ein Quatsch, im Unterschied zu dem ersten Quatsch muss man ihn aber nicht ernst nehmen".

Deftige Kritik aus Russland

Als einen "Zirkus mit einer bärtigen Frau", beschrieb das russische regierungsnahe Blatt "Iswestija" den Song Contest. Der ultranationale Parlamentsabgeordnete Wladimir Schirinowski wetterte in einer Sendung des Staatsfernsehens gar: "Das ist Europas Ende! Europa hat Durchfall mit Blut und Schaum. Sie haben schon keine Männer und Frauen mehr. Bei ihnen gibt es nur noch Es".

Der Kirchenfunktionär Wladimir Legojda bezeichnete den Sieg als "noch einen Schritt bei der Abkehr von der christlichen Identität der europäischen Kultur". Polens nationalkonservativer Oppositionsführer Kaczynski schlug in eine ähnliche Kerbe: "In Europa tun sich beunruhigende Dinge, die seine Dekadenz zeigen. Und diesen Trend sollten wir ablehnen", forderte er im TV-Sender TVN24.

Der als Initiator des international umstrittenen russischen Anti-Homosexuellen-Gesetzes bekannte Kommunalpolitiker Witali Milonow twitterte gar: "Euro-Homos schmort in der Hölle".

Homophobe Moderatoren in Serbien

Die Moderatoren des serbischen staatlichen TV-Senders RTS wurden am Sonntag vom Belgrader Gay- und Lesben-Infozentrum wegen ihrer abschätzigen Kommentare Conchita Wurst heftig kritisiert. Die Moderatoren sahen den ESC durch das Auftreten von Conchita Wurst zu einer "Freak Show" verkommen.

Das Belgrader Gay- und Lesben-Infozentrum forderte den Sender auf, sich für das Verhalten seiner Moderatoren zu entschuldigen. "Es ist unzulässig, die transsexuelle Person Conchita Wurst in den Bereich des Bizarren, eines Zirkus oder einer Freak Show zu versetzen und jedes Mal zu staunen, wenn sie die höchste Punktezahl erhielt", erklärte Predrag Azdejkovic, Leiter des Infozentrums. Das Infozentrum wird sich mit seiner Beschwerde auch an die Beauftragte für den Schutz der Gleichberechtigung sowie die staatliche Rundfunkbehörde wenden.

Forderung nach Respekt aus Russland

Nach scharfer Kritik - konservative Politiker und Kirchenkreise hatten vor dem Wettbewerb kritisiert, eine Übertragung des ESC mit dem Transvestiten bedeute "eine eindeutige Propaganda für Homosexualität und geistliche Verderbnis" - hat die russische Delegation nun um Respekt für Conchita Wurst geworben. "Ob er einen Bart hat oder keinen Bart, ob er Mann ist oder Frau - das ist unwichtig, es ist ein Wettbewerb", sagte "Pop-Papst" Filipp Kirkorow am Sonntag im Staatsfernsehen. Wursts Siegerlied sei sehr schön, so Kirkorow.

In Russland ist es gesetzlich untersagt, positiv vor Minderjährigen über "nicht-traditionelle sexuelle Orientierung" zu sprechen.

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