Conchita Wurst nackt: Ist das Kunst?

Conchita Wurst nackt: Ist das Kunst?

Diese Bilder sind echt: Im Rahmen der Ausstellung “Das Geheime Kabinett” zeigt Conchita Wurst ihren nackten Hintern. Warum? „Weil es ein echt gutes Projekt für mehr Toleranz ist,“ sagt sie.

Die Wiener Künstlergruppe „TEAM[:]niel“ inszenierte im Casoria Contemporary Art Museum (CAM) Conchita Wurst als erotisches Fresko. „Die Ausstellung ,ErotiCAM_Das Geheime Kabinett II` wurde aus der Idee geboren, die erotischen Fresken und Skulpturen der Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum ins Heute zu holen: Durch eine fotografische Substitution der Hauptcharaktere wird Historisches in 25 zeitgenössische Szenen verwandelt“, so Daniel Feyerl vom TEAM[:]niel.

Hauptziel des Projektes war es, die Reaktion der Besucher einzufangen, die die Transformation eines „Kunstwerkes” in etwas Reales beobachten. Diese Reaktion wurde anhand der Verweildauer vor den Werken und den Einschreibungen in die Bilder gemessen – denn jeder Besucher durfte auf den Werken selbst schreiben oder zeichnen. Der Titel der Ausstellung erinnert an den Ort, an dem die originalen „skandalösen” Bilder aufbewahrt werden – “Das Geheime Kabinett” im Nationalmuseum von Neapel. Die „kompromittierende” Sammlung besteht seit der Zeit der Bourbonen. Sie war aber die längste Zeit geschlossen und zensiert und ist erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts der Öffentlichkeit uneingeschränkt zugänglich.

Warum Conchita mitmachte, fasste sie in einem Satz zusammen: „Weil es ein echt gutes Projekt für mehr Toleranz ist.“ Feyerl erklärt außerdem gegenüber der Bild-Zeitung: „Es gab für jedes der Motive mehrere Kandidaten. Für dieses Bild war Conchita am besten geeignet. Weil wir mit ihr befreundet sind, konnten wir sie schließlich überreden.“

Kritik in Italien

"Das "Geheime Kabinett II" war vom Kultusministerium in Italien sehr angefeindet, und es wurde sogar versucht, es zu zensieren," schreiben die Künstler auf ihrer Website: "Deshalb suchten wir einerseits große Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Hermann Nitsch - wohl einer der letzten Universalkünstler. Wenn dieser Mann als "Sinneskünstler" dazu steht, ist wohl die Qualität der Ästhetik des Projektes außer Frage gestellt".

Aber auch Carl Djerassi - 91 Jahre, "Mutter der Pille", mit 32 Ehrendoktoraten wohl nunmehr einer der hochdekoriertesten Wissenschaftler weltweit - war von der intellektuellen Seite des "Geheimen Kabinett II" überzeugt und ließ sich fotografieren.

Andererseits haben die Künstler aber auch Menschen angesprochen, die durch ihr Leben für Freiheit und Toleranz stehen, heißt es weiter auf der Website: "Für die "Drei Grazien" waren wir auf der Suche nach jemand Besonderem, der schön und klug ist. Irgendwie sind wir an Conchita gekommen und waren so begeistert von ihrer Persönlichkeit und ihrer herzlichen Wärme, dass wir sie für das Projekt unbedingt gewinnen mussten." Auch Sie ist habe schließlich gegen Zensur und für Toleranz und die Freiheit der Kunst für das "Geheime Kabinett II" vor unserer Kamera gestanden.

"Conchita steht für uns darüber hinaus aber auch für einen Menschen, der ohne Ellbogentechnik Großartiges geschafft hat, und uns in einer immer gierigeren und korrupteren Welt mit großer Herzlichkeit begegnet ist", heißt es abschließend auf der Website: "Aus diesem Grund möchten wir uns bei ihr bedanken, denn wir haben aus dieser Zusammenarbeit viel mitgenommen."

Nächstes Projekt: Edward Snowden

„Das Geheime Kabinett II” ist nicht die einzige Kunstaktion des „TEAM[:]niel“. So präsentierte das Trio unlängst am Wiener Karlsplatz die exklusive Videowarnung von Edward Snowden mit dem Titel „I TOLD YOU“, in der Snowden die totale Überwachung des Menschen ansprach.

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