Clooney als Präsidentschaftskandidat in 'The Ides of March'

Michel Piccoli gehört zu den Großen des europäischen Films. Als vorige Woche in Berlin der Europäische Filmpreis verliehen wurde, war der 85-Jährige für seine Rolle als Papst wider Willen in Nanni Morettis aktuellem Streifen „Habemus Papam“ für den Darstellerpreis nominiert. Er hat ihn nicht erhalten.

Politik ist ein dreckiges Geschäft. Will man Erfolg haben und beim Wähler ankommen, müssen so manche Ideale über Bord geworfen werden. Politik respektive Wahlkämpfe ist/ sind nämlich auch Krieg. In seiner mittlerweile vierten Regiearbeit „The Ides of March“ zerlegt George Clooney die Mechanismen der amerikanischen Politik und schafft dabei en passant auch das Kunststück, eine allgemeingültige Parabel auf westliche Politsysteme zu formulieren.

Nur nicht an der Oberfläche kratzen, denn drunter spielt es sich ab. Dort werden aalglatte Helden mit Charisma wie der demokratische Präsidentschaftskandidat Mike Morris (Clooney selbst) zu widerlichen Charakteren, umgeben von einem Stab abgebrühter Zyniker, die Höhen, Tiefen und vor allem die schmutzigen Tricks des Geschäfts aus dem Effeff beherrschen. Das erkennt auch Stephen Meyers (Ryan Gosling), ein junger, ehrgeiziger Emporkömmling, der als talentierter Kampagnenbetreuer dem Öffentlichkeitsbild „seines“ Kandidaten ordentlich Spin mitgibt. Und zwar vorerst noch aus innerer Überzeugung, für „die Guten“ und für „das Richtige“ zu arbeiten. Doch ein scheinbar nichtiges Treffen mit dem Wahlkampfmanager Tom Duffy (Paul Giamatti) von der politischen Gegenseite bringt das Weltbild des Idealisten ordentlich ins Wanken.

Ein hochkarätig besetzter Politthriller, der, in kaltes, hartes Licht getaucht, unbarmherzig Politmythen demontiert.

Ab 23. Dezember im Kino.

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