Cannes: Wer kriegt die Goldene Palme?

Die Crème de la Crème des internationalen Autorenfilms rittert in Cannes um die Goldene Palme. Mit dabei: der Österreicher Markus Schleinzer.

Nicht immer sorgen Filme von Woody Allen für Wirbel. Der Meister der cineastischen Neurosenverarbeitung gleicht dies in seinem Alterswerk zunehmend mit dem Glamourfaktor aus. So auch in seiner neuesten Produktion „Midnight in Paris“, einem romantischen Familienepos, das in den 20er-Jahren spielt und die 64. Filmfestspiele von Cannes eröffnen wird.

Erstens lässt der New Yorker dafür Stars wie Owen Wilson, Rachel McAdams, Marion Cotillard, Kathy Bates und Adrien Brody aufmarschieren. Zweitens spielt auch noch Carla Bruni mit. Und die ist in Frankreich immer eine sichere Bank in Sachen Aufmerksamkeit. Denn wo Madame Bruni auftritt, ist meist auch ihr Mann, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, nicht mehr weit.

Zwar spielt das französische Staatsoberhaupt jetzt nicht in Woody Allens Film mit, sein Aufstieg vom Lokalpolitiker zu einem der mächtigsten Männer der Welt ist aber Gegenstand des Spielfilms „La Conquête“ (Die Eroberung) von Regisseur Xavier Durringer, der ebenfalls in Cannes vorgestellt wird. Ein mutiger Film, denn ein Biopic über einen noch amtierenden Präsidenten der Grande Nation hat es bis dato nicht gegeben. Machtmensch Sarkozy wird darin übrigens nach allen Regeln der Film- und Schauspielkunst zerlegt.

19 Filme um die begehrte „Goldene Palme“; darunter sind auch Werke von vier Regisseurinnen. Rekord! „Ich weiß, es wird nicht einfach“, ließ Jurypräsident Robert De Niro ob der Hochkarätigkeit des Teilnehmerfelds bereits vorab verlauten.

Kampusch-Variation

Für Überraschung in der Branche sorgte übrigens die Nominierung des österreichischen Filmemachers Markus Schleinzer für den Hauptbewerb. Der 39-jährige Wiener variiert in seinem Debütfilm „Michael“ die Lebensgeschichte von Natascha Kampusch und beleuchtet die letzten Tage eines entführten zehnjährigen Buben, bevor ihm die Flucht vor seinem Peiniger gelingt. Die Stimmung und das Ambiente des Filmfestivals an der Croisette kennt der ausgebildete Schauspieler Schleinzer gut. Er arbeitete seit 1999 als Casting-Direktor für Michael Haneke und war auch für die Besetzung von „Das weiße Band“ – vor zwei Jahren der Siegerfilm in Cannes – verantwortlich.

Mit „Atem“, dem Regiedebüt von Schauspielstar Karl Markovic, ist zudem ein weiterer Österreicher in Cannes vertreten. Sein Film über die Resozialisierung eines 19-Jährigen läuft in der Nebenschiene „Un certain regard“, bei der auch Arbeiten des US-Kultfilmers Gus Van Sant zu sehen sind.

– Manfred Gram

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