"Bühnen-Kaspar-Abgang": EAV-Mastermind
Spitzer kündigt in FORMAT Band-Ausstieg an

Ab 3. März geht die Erste Allgemeine Verunsicherung wieder on tour, die neue CD kommt bereits am 5. Februar. Im Interview rechnet Mastermind Thomas Spitzer mit der Mutantenstadlkultur ab und erklärt, warum er nach der Tour bei der EAV aussteigt.

FORMAT: Jeder der Generation 30 plus kennt aus seiner Kindheit Passagen von EAV-Lyrics. Fühlen Sie sich stolz, etwas zur literarischen Fortbildung Ihres Publikums geleistet zu haben?
Spitzer: Wenn jemand behauptet, er schäme sich seines Erfolges, so lügt er. Wenngleich mir Erfolg, der zu sehr in die Breite geht, schon immer verdächtig vorkam, denn was allen schmeckt, ist selten genießbar. Man denke nur an die großen Popstars der Menschheit: Hitler, Dieter Bohlen, Papst Benedikt und andere pathologische Fälle … Wenn ich nach etwas literarisch Brauchbarem in meinen Texten grabe, finde ich es hin und wieder in den unbekannteren Liedern der EAV, selten aber in den sogenannten EAV-Hits, die möglicherweise mit schuld dran sind, dass Österreich PISA-mäßig wie ein schiefer Turm dasteht – mich schaudert’s!

"Politik in akrobatischer Schräglage"
FORMAT: Politisch stand die EAV immer für starke Aussagen & Haltung: vom „Burli“ bis zum Waldheim-Song. Macht die aktuelle Situation nicht manchmal mutlos?
Spitzer: Die Politik befindet sich in einer derart akrobatischen Schräglage, dass sie schon wieder Bewunderung verdient, wenn sie behauptet, sie hätte alles im Griff. Wäre ich mehr Zyniker als Strache-Gegner, würde ich sagen: Jedes Volk bekommt, was es verdient. So schäme ich mich eben nur für manche österreichischen Wahlergebnisse, wenn wir im Ausland auf Tour sind.

FORMAT: Die alten Hadern kommen bei den Konzerten immer am besten an. Was hat für Sie selbst noch Bestand, was würde die Band auf keinen Fall mehr spielen?
Spitzer: Die heutige Band, die für mich als Ur-EAVler leider schon lange kein Gesinnungskollektiv mehr ist, würde als Dienstleistungs-Kombo bedauerlicherweise fast alles spielen, was Kohle bringt. Dass die alten Hadern auch heute noch am besten ankommen, liegt in der Natur des Rezipienten, der sich nur schwer mit Neuem anfreunden will. Ernst nehme ich nach nunmehr drei Jahrzehnten EAV noch immer jede neue CD, sprich: das Texten wie das Komponieren, sowie jedes neue dazugehörige Bühnenprogramm inklusive Bühnenbild und Kostümen, wie etwa das jetzige, das ich für die im März beginnende „Helden“-Tour gerade versuche, auf die Beine zu stellen.

FORMAT: Ein Leben ohne EAV?
Spitzer: Ich hoffe, nach meinem Abgang von der EAV als Bühnen-Kaspar endlich für das mehr Zeit zu finden, was ich immer schon bevorzugt machen wollte: wieder malen, wiederum, wie in früheren Jahren, mit hungrigen jungen Künstlerseelen Theatergeschichten unzensierten Inhalts entwickeln können, meine Bücher schreiben, endlich ein sehr persönliches Soloalbum fertig stellen, bei dem mir weder eine Plattenfirma noch sonst wer dreinquasseln kann – kurz, kompromisslos ich sein dürfen: Was lange gärt, wird endlich Mut!

Befreiung aus dem "EAV-Tralala-Korsett"
FORMAT: Sie sind ja nicht nur der EAV-Texter, sondern auch für das gesamte Artwork zuständig. Warum haben Sie erst 2008 das erste Mal Ihre Arbeiten abseits der EAV gezeigt?
Spitzer: Schon Ende der Neunzigerjahre, als mir das alte EAV-Tralala-Korsett jede ernste Idee abzuschnüren drohte, begann ich aus absoluter Unzufriedenheit heraus zu zeichnen, zu malen, für mich zu schreiben, andere Musik zu machen, und bemerkte, dass so ziemlich alles, was ich abseits der EAV tue, mir mehr Freude macht, als dem zu genügen, was andere von mir erwarten bis fordern. Dass ich dann erst nach zehn Jahren, von meinem ehemaligen Kunstakademie-Lehrer und Freund, dem Maler Gerald Brettschuh, mehr genötigt als freiwillig, erstmals ausstellte, liegt daran, dass mir im Grunde die Öffentlichkeit ziemlich am Arsch vorbeigeht, obwohl es sich, wie in meinem Glücksfalle, gut von ihr leben lässt.

Spitzers Band-Beziehungsgeheimnis
FORMAT: 33 Jahre EAV, 29 davon gemeinsam mit Klaus Eberhartinger. Was ist das Geheimnis Ihrer glücklichen Bandbeziehung?
Spitzer: Zweckgemeinschaften haben viel mit den meisten Ehen gemeinsam: Man benötigt sich gegenseitig, und man täuscht ein Grundmaß an Respekt vor. Glück sucht und findet man woanders.

Lesen Sie das ganze Interview im FORMAT 4/10 und auf www.format.at

Neue CD und Tour: „Neue Helden braucht das Land“ (Sony, € 14,95) kommt am 5. 2. in den Handel, hat aber nach den Vorbestellungen schon Goldstatus. Die EAV ist mit der neuen CD ab 3. 3. wieder on Tour (29. 4., Wr. Stadthalle).

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