Bilder, Buch, Karriere

Bilder, Buch, Karriere

Als Comic-Laden gegründet, ist der Taschen-Verlag zum wichtigsten Kunstverlag der Welt avanciert. Trotz Krise & E-Book-Boom verkauft man 20 Mio. Bücher jährlich. Wie geht das?

Vor kurzem wurde das tausendste Buch aus dem Taschen-Verlag feierlich präsentiert. Ein kleines Wunder, ist doch das Portfolio des kompromisslos auf Qualität getrimmten Verlags prima vista nicht gerade für den Massenmarkt bestimmt. Kunst und Kunstsinniges, Erotik und Hardcore-Pornografisches tummeln sich da neben Büchern über Comic-Art und Fotografie.

Begonnen hat diese Erfolgsstory verhältnismäßig klein. Benedikt Taschen erwirbt 1980 in seiner Heimatstadt Köln einen kleinen Comic-Laden. Das Startkapital von 50.000 D-Mark (25.564 Euro) borgt sich der Sohn eines Arztes von den Eltern und eröffnet auf 23 Quadratmetern einen kleinen Laden. Er bietet dort zunächst seine umfangreiche Sammlung an alten Comics an. Nach Jahren wechselhafter wirtschaftlicher Erfolge wendet sich der Kunstfreak dem Geschäft mit Kunstbüchern zu. Er erwirbt günstig 40.000 Magritte-Bildbände, die er in Deutschland um ein Vielfaches verkauft .

Das Geheimnis seines Erfolges

Wie Benedikt Taschen im Interview erklärt, muss man ein Buch "besitzen wollen“. Es muss also in Haptik, Optik und Inhalt überzeugend produziert sein. Um "sexy Bücher“ zu vernünftigen Preisen anbieten zu können, erscheinen die despektierlich auch Coffeetable-Books genannten Druckerzeugnisse bilingual, je nach Sujet auch viersprachig. Das erweitert den Markt bei minimal höheren Produktionskosten. Zudem hat sich der passionierte Kunstkenner eine bewährte Verkaufsstrategie des Art-Business zunutze gemacht und auf die Verlagsbranche umgelegt: die Herausgabe von Limited Editions, Art- oder Collector’s-Editionen - in kleinen Auflagen publizierte Bildbände mit diversen Zugaben. Und er nimmt in sein Verlagsprogramm auch explizit nicht jugendfreie Kost auf. So verkaufte der Verlag 2011 geschätzte 20 Millionen Bücher.

Die Rezepte der anderen

Eine Kunst, denn nicht nur Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, auch die Buchbranche muss sich gegen massive digitale Konkurrenz behaupten. Noch sind die technischen Möglichkeiten der E-Books beschränkt, optisch hochwertige Inhalte lesen sich immer noch am besten auf Papier.

Die Buchverlage reagieren ganz unterschiedlich auf die wirtschaftlichen Turbulenzen. Prestel beispielsweise mit veränderter Eigentümerstruktur: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die den Verlag 2005 erworben hatte, zog sich bereits 2006 als Eigentümer wieder zurück, und 2008 wurde Prestel an den Mega-Konzern Random House verkauft. Eine andere Linie fährt der Dumont-Buchverlag, der ein breiteres Feld beackert, Kunst und Kultur verlegt, aber ebenso Literatur und Sachbücher. Weiterer Big Player in diesem Segment ist die Verlagsgruppe teNeues, die seit über 50 Jahren hochwertige Bildkalender produziert. Das Familienunternehmen nutzte den Generationswechsel, um sich fit für die Zukunft zu machen. Das Rezept: starke internationale Präsenz, durch Direktvertrieb werden mehr als 70 Länder beliefert.

Das Buch als Wertanlage

Gezielte Provokation auf internationalem Niveau ist im Taschen-Verlag gewollt und ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. Bücher über Leni Riefenstahl sorgen ebenso für Diskussionen, wie "The Big Book of Breasts“ oder - Gleichberechtigung muss sein! - "The Big Penis Book“. Das Prestige-Produkt des Verlags ist eine Hommage an Helmut Newton. "Sumo“ war die größte und teuerste Buchproduktion des 20. Jahrhunderts. Budget: 5 Millionen Euro. Das 30 Kilogramm schwere Kult-Werk wurde 1999 mit einem von Philippe Starck designten Präsentationstisch aus Plexiglas ausgeliefert. Preis damals: 3.000 D-Mark (rund 1.533 Euro) - Preis heute: 10.000 Euro. "Solche Bücher sind Möbelstücke“, erklärte eine Sprecherin des Verlags. Schon im Jahr 2000 wurde eine signierte Version des "Möbelstücks“ für 317.000 Euro versteigert.

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★