"Bei einer Kunstfigur wie dem Kaiser kann man outrieren, outrieren, outrieren!"

Als TV-Kaiser macht Robert Palfrader vorerst einmal eine Pause, dafür erweist er seinen Fans ab 5. 3. als „Liliom“ im Volkstheater die Ehre.

Jö. Der Kaiser! Da ein Foto, dort ein Autogramm, Geld für den Obdachlosen: Mit Robert Palfrader lässt sich kaum ein ruhiges Gespräch führen, der 41-Jährige wird permanent angesprochen, bestaunt und von ihm völlig Unbekannten begrüßt wie ein Freund. Er ist der Kaiser Robert Heinrich I., der in der „Donnerstag Nacht“ bis zu 600.000 Zuseher vor den Bildschirm lockt. Im Moment steckt er aber vor allem in den Endproben als „Liliom“ in Franz Molnárs gleichnamigem Klassiker am Volkstheater. „Ich verstehe mich selber ja gar nicht als Schauspieler“, stapelt er, der schon 2008 für seinen Oskar in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ beste Kritiken einfuhr, schamlos tief. Den unglücklichen Schlachter hat Palfrader allerdings gespielt, bevor der „Kaiser“ pilotiert war. Volkstheater-Chef Michael Schottenberg sah ihn in einer Rolle im Rabenhof Theater und engagierte ihn. Auch die über 100 Vorstellungen von „Männer fürs Grobe“ mit Florian Scheuba haben zu einer gewissen Bühnenroutine beigetragen. Dennoch, die Gefahr, dass was schiefgeht, sei nun größer, so Palfrader, „weil es die erste Hauptrolle ist, die ich spiele“. Der Medienrummel ist enorm. Im Vorfeld der Premiere steht mindestens ein Interview pro Tag an.

"Ich stehe diesem Hype fassungslos gegenüber"
FORMAT: Der Kaiser als Trägerrakete. Gut oder schlecht?
Palfrader: Ich hätte nicht geglaubt, dass der Medienrummel um meine Person noch eine Steigerung erfahren könnte. Das ist definitiv ein Wahnsinn. Ich weiß gar nicht mehr, wo was erscheint und was ich wem gesagt habe. So interessant bin ich doch gar nicht. Ich stehe diesem Hype fassungslos gegenüber.
FORMAT: Sie werden ja mittlerweile wie öffentliches Eigentum behandelt.
Palfrader: Ich werde oft mit Nachdruck belästigt. Ich gebe gerne Autogramme, lass mich auch fotografieren, aber manche Leute gehen über Grenzen. Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich’s ja, die Leute lassen mich in ihr Wohnzimmer, da bin ich oft, und sie empfinden für mich mehr, als ich nachvollziehen kann. Das wollen sie dann, wenn sie mich persönlich sehen, auch ausleben.

Nachdenken über eine große Kaiser-Show
FORMAT: Ab 11. 3. ist eine Pause angesagt. Rettet der Kaiser nach der „Donnerstag Nacht“ dann auch den Samstagabend?
Palfrader: Das wäre anmaßend. Die „Donnerstag Nacht“ war ja immer schon erfolgreich, ein Flaggschiff der ORF-Unterhaltung von „Dorfers Donnerstalk“ über „Die 4 da“ bis zu „Willkommen Österreich“. Aber der Rudi Roubinek (Seyffenstein) und ich sind in der Tat dabei, nachzudenken, wie eine große Kaiser-Show funktionieren könnte. Eine soll es dann heuer noch geben. Ich habe ja selber nie gesagt, dass ich abdanke.
FORMAT: Sie schreiben ja auch an den Sendungen selber mit. Wie geht es einem, wenn man einen fertigen Text à la „Liliom“ spielt? Keine Lust da noch die eine oder andere Wuchtel reinzuplatzieren?
Palfrader: Beim „Liliom“? Das wäre Gotteslästerung. Ich habe vier Staffeln „Echt fett“ gemacht, vier Staffeln „Kaiser“, eine Staffel „Undercover“ und eine Staffel „Die liebe Familie – Next Generation“, über 100 Sendungen also, wo ich aus dem Stegreif jemanden auf die Schaufel genommen habe. Im Augenblick fühlt sich das sehr richtig an, sich auf Molnár zu verlassen.

"Ich kenne kein Lampenfieber, im Gegenteil"
FORMAT: Stars aus der Kabarettszene, wie Andreas Vitásek oder Sie, sind mittlerweile auch die neuen Publikumslieblinge am Theater …
Palfrader: Nur weil ich als Fernsehkasperl eine andere Öffentlichkeit genieße. Das wäre eine Missachtung der wunderbaren Kollegen. Man würde sich allerdings wünschen, dass 100.000 weniger beim Kaiser zuschauen und dafür ins Theater gehen. Wenn ich dazu beitrage, freue ich mich.
FORMAT: Fühlen Sie sich einem zeitgemäßen Volkstheaterbegriff zugehörig?
Palfrader: Der Begriff ist für mich so präjudizierend. Bei Volkstheater schwingt immer etwas Wertendes mit. Ein bissl so wie der österreichische Fußball: Schon Fußball – aber nicht richtig. Also, schon Theater, aber nicht wirklich Kunst.
FORMAT: Haben Sie Lampenfieber?
Palfrader: Ich kenne das nicht, im Gegenteil. Ich werde vor Auftritten immer ruhiger.
FORMAT: Nie Angst, als lustiger Kerl zu versagen, schmähstad zu sein?
Palfrader: Wenn ich diese Angst hätte, dürfte ich mich ja auf keine Bühne begeben. Aber wovor auch? Ich bin gut vorbereitet und weiß, was ich tue.

"Outrieren, outrieren, outrieren"
FORMAT: Mit dem Kaiser haben Sie eine Kunstfigur à la Borat oder Schlämmer kreiert.
Palfrader: Die Antwort auf Dame Edna, von der ich immer schon begeistert war. Wenn man eine Kunstfigur kreiert, kann man outrieren, outrieren, outrieren. Es ist ein wunderbarer Vorhang, hinter dem man sich verstecken kann. Man steigt aber nicht aus der Rolle, sonst beschädigt man die Figur. Daher haben wir auch lukrative Werbeangebote abgelehnt. Ich würde den Kaiser nie verkaufen, weil ich glaube, dass diese Figur auch noch in 15 Jahren was zu sagen hat.
FORMAT: Sie selbst sind Kaiser im Verarschen. Gibt es noch so etwas wie Tabubruch?
Palfrader: Das ist eine sehr intime Frage, die ich an keinem Beispiel festmachen will. Ich bin jedenfalls nicht der Meinung vieler Kollegen, dass Humor alles dürfen muss. Da lass ich mich gerne konservativ schimpfen. Es gibt Dinge, die mache ich nicht.

"Einzige gute Kaisereigenschaft: Er ist kein Rassist"
FORMAT: Ob als Oskar, Liliom oder Kaiser, woher kommt die Affinität zu Ungusteln?
Palfrader: Ich tue mir damit am leichtesten, weil das meinem Naturell so nahe kommt … Beim Kaiser haben wir antizipiert, dass er vom Volk geliebt werden könnte. Dem dann einen Seelenanstrich zu geben, der ockergrün-hornhautfarben ist, fand ich reizvoll. Die einzige negative Eigenschaft, die diese Figur nicht hat, ist: Er ist kein Rassist. Sobald sich jemand unterwirft, liebt er ihn, weil er geliebt wird. Manchmal allerdings finden einen dann Leute gut, von denen man das gar nicht will.
FORMAT: Hat der Kaiser eine politische Facette?
Palfrader: Das glaube ich nicht, sonst müsste man auch bei „Dorfers Donnerstalk“ von politischer Arbeit sprechen. Es ist nur eine Unterhaltungssendung.
FORMAT: Gibt es zuhause einen Majestätsbonus?
Palfrader: Sowohl meiner Frau als auch meinen Kindern ist es wirklich wurst, was ich beruflich mache. Ich bin ja nichts Außergewöhnliches. Ich möchte zuhause meine Ruhe haben wie Millionen andere Österreicher. Wenn es langweilig ist, ist alles in Ordnung. Es gibt natürlich Leute, die mir schon bescheinigen, dass ich – seit ich meinen Wahnsinn beruflich ausleben kann – privat viel ruhiger geworden bin.

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