Ausstellung: Zum Jahresauftakt überbieten sich Wiens Museen mit großen Namen

Andy Warhol in der Albertina, Vermeer im Kunsthistorischen, Prinz Eugen im Belvedere. Nach dem Besucheransturm in der ersten Jännerhälfte wollen die Wiener Museen die Quote noch toppen.

„Die Finanzkrise ist Ausdruck einer Kulturkrise“, erklärte Claudia Schmied diese Woche bei einer vom Forum Alpbach organisierten Diskussion zum Thema: Finanzkrise = Kulturkrise? „Kunst und Kultur müssen daher“, so die Kulturministerin weiter, einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen. „Dafür zu sorgen ist unsere Aufgabe.“ Über das Wie herrscht geteilte Ansicht. Seit 1. Jänner können Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr gratis in die Bundes- und Wiener Stadtmuseen. Die viel diskutierte kostenintensive Maßnahme brachte, neben den längeren Öffnungszeiten, schon nach kurzer Zeit mehr Publikum. Gibt es auch zur Monatsmitte noch keine konkreten Zahlen, so sprechen die einzelnen Museumsdirektoren dennoch bereis von einem auffälligen Besucherplus im Vergleich zu den ersten Jännertagen 2009. Im Technischen Museum etwa 20 Prozent.

KHM verdoppelt seine Besucherzahl
Auch im Kunsthistorischen Museum konnte man in der ersten Jännerwoche die Besucherzahlen verdoppeln, wie Sabine Haag bestätigt. „Erfolg hat aber immer mehrere Väter“, wie die Generaldirektorin nachsetzt. Natürlich kommt es immer auch auf Linie und Angebot des Hauses an. „Wir sind auch mit unseren Besucherzahlen 2009 (Anm.: Man bilanzierte mit 1,14 Millionen in allen Häusern des KHM-Verbundes) mehr als zufrieden.“ Weniger zufrieden ist die engagierte Neo-Direktorin mit der immer noch ausstehenden Finanzierung für die Neuaufstellung der Kunstkammer. Nach der grundsätzlichen Zusage der dafür notwendigen 17 Millionen Euro seitens der Kulturministerin befinde man sich nun in der Warteschleife. „Meine Geduld ist enden wollend. Die internationale Presse ist schon sehr verwundert, dass bei uns nichts weitergeht“, kommentiert Haag die Situation knapp. Und starke Präsenz in den Medien ist dem Haus sicher, obgleich sich der Stil vom Direktorenfürstentum eines Wilfried Seipel zu Inhalten abseits der Society gewendet hat. „Auch international zielen viele Direktorenernennungen wieder Richtung inhaltlicher, wissenschaftlicher Arbeit“, sieht sich Haag in ihrer Linie bestätigt. „Aber natürlich lebt das jeweilige Museum vom Profil, für das der Direktor einsteht.“

"Die Malkunst" als Ausstellungsstar
Nach dem Erfolg mit der Ausstellung über die schillernde Herrscherfigur „Karl der Kühne“ widmet man sich nun im KHM Jan Vermeers viel getourtem Gemälde „Die Malkunst“ (siehe Bildergalerie ) . Das berühmte Werk ist nicht nur das einzige in Österreich befindliche Gemälde des holländischen Meisters, es hat aktuell vor allem als Gegenstand einer Restitutionsforderung von sich reden gemacht. Die Familie Czernin verlangt das Bild, das Jaromir Czernin 1940 an Hitler verkauft hat, zurück. „Derzeit recherchieren zwei Provenienzforscherinnen intensiv die Unterlagen. Ende März soll dann eine Empfehlung vom Rückgabebeirat ausgesprochen werden, ob restituiert werden soll oder nicht“, erläutert KHM-Chefin Haag den Status quo der Causa. Bis dahin ist das Meisterwerk der Weltkunst aus der Epoche des Goldenen Zeitalters der Niederlande jedenfalls Star einer Ausstellung, die nicht nur das laufende Prozedere anspricht, sondern auch die Wirkungsgeschichte der Arbeit bis ins 20. Jahrhundert, wo Künstler von Malerin Maria Lassnig bis Filmer Peter Greenaway darauf Bezug nahmen.

Husslein setzt auf Prinz Eugen
Klotzen, nicht kleckern ist das bewährte Motto in der Albertina. Auch da will man – nach einem leichten Besucherminus 2009 aufgrund der Wasserschäden – an den Erfolg der aktuellen Impressionisten-Ausstellung anknüpfen, die bisher über 350.000 Interessierte buchstäblich gestürmt haben. Demgemäß wurde sie bis 14. 2. verlängert. Parallel dazu lädt Klaus Albrecht Schröder bereits am 21. 1. zur nächsten spektakulären Eröffnung mit dem letzten Werkzyklus, den Pop-Artist Andy Warhol für die Daimler-Benz-Kunstsammlung angefertigt hat. Und im Belvedere ist Agnes Husslein mit allen Mitteln eines Ausstellungshauses bereit, Quote zu machen. Hier vertraut man ab 11. 2. der Strahlkraft des Prinzen Eugen. Von Kunst in der Krise also keine Rede. Im Gegenteil, wie die Seitenanzahl eines eben erschienenen Art-Guides durch die heimische Szene zeigt. Gerade in Zeiten verfallender Werte liefert die Kunst eine Menge Perspektiven. Konkurssicher.

Michaela Knapp

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