Ausstellung: Dänischer Öko-Starkünster Olafur Eliasson inszeniert "Gelben Nebel" in Wien

Olafur Eliasson ist einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart, seine Werke sind Publikumsmagneten. In Wien inszeniert er ab 9. Oktober den "Gelben Nebel" vor der Verbundzentrale. Obwohl der Däne zauberhafte Stimmungen schafft, ist es ihm wichtig, seine Arbeit zu entmystifizieren.

Ab 9. Oktober wird der 41-jährige Däne Olafur Eliasson ein Stück Wiener Gehsteig in gelben Nebel tauchen: Entlang der Fassade der Verbund-Zentrale am Hof wird seine Installation „Yellow Fog“ täglich für eine Stunde während der Abenddämmerung zu sehen sein. Versionen der Installation gibt es schon seit 1998. „Gelber Nebel ist für mich ein Werkzeug, mit dem ich eine Idee in Gang setzen kann“, sagt Eliasson, als FORMAT ihn am Telefon in Berlin erreicht.

Kunst & Kohle
Über mangelnde Popularität kann sich Olafur Eliasson nicht beklagen: Seine Kunst ist zugänglich, intellektuell versiert, zeitgeist-kritisch, zugleich pflegeleicht für Markt und Sponsoren. Eliasson praktiziert einen seltsamen Spagat zwischen Komplizenschaft und Opposition zu den Kunst-Aktivitäten großer Konzerne und Privatiers, und gelegentlich werden Zweifel laut, ob der Künstler noch Herr seiner Lage ist. Mit einem Stab von Helfern arbeitet er heute an umfangreichen Aufträgen wie der Gestaltung des Operhauses in Oslo oder einem Konzert- und Konferenzzentrum in Reykjavík, das Ende 2009 eröffnet werden soll.

Nachahmung von Naturphänomenen
1998 war Eliassons Werkzeug noch ungiftige grüne Farbe gewesen: Der Künstler färbte damit überraschend ganze Flüsse in Bremen, Stockholm und Tokio ein. In New York sind bis 13. Oktober vier von Eliasson konzipierte Wasserfälle am East River zu bewundern. Ob Wasser, Wetter, Licht – immer wieder nutzte Eliasson technische Mittel, um Phänomene in die Wahrnehmung zurückzuholen, die sonst, als Natur betrachtet, in der Selbstverständlichkeit verschwinden.

Kunst & Kohle
Doch Eliasson belässt es nicht beim Staunen, er erklärt die Apparaturen hinter den Naturwundern ausführlich. „Die Entmystifizierung ist mir sehr wichtig, um zu vermeiden, dass sich romantische oder gar esoterische Ideen entwickeln“, sagt Eliasson. „Die Leute neigen dazu, in eine populäre Richtung zu denken. Würde ich als Künstler das noch verbal unterstützen, wäre das sehr schlecht.“ Mit Begriffen wie „Desorientierung“ und „Partizipation“ fühlt sich Eliasson deutlich wohler als mit Ideen aus der Zauberei, auch Umweltbewusstsein ist immer wieder Thema seiner Kunst.

Kritische Stadtraum-Betrachtung
„Yellow Fog“ soll in Wien nun eine kritische Betrachtung des Stadtraums provozieren. „Ich bin der Meinung, dass ein öffentlicher Raum nicht zu hundert Prozent öffentlich ist“, erklärt der Künstler. „Jeder Raum ist von Interessen, Machtstrukturen, Intentionalitäten beeinflusst.“ Die Privatisierung des öffentlichen Raums ist freilich ein heißes Thema, seit Firmen begonnen haben, Städte mit Logos vollzupflastern. Wenn Eliasson Raum mit Kunst in Anspruch nimmt, kreiert er damit keineswegs eine entkommerzialisierte Fläche – immerhin steht mit dem Verbund auch der größte Energiekonzern des Landes hinter dem Projekt.

Nicht von Kommerzialität befreit
„Ich glaube auch nicht, dass ich einen Freiraum schaffe“, sagt Eliasson. „Aber ich denke, dass meine Arbeit eine Diskussion über Freiheit fördert. Dass der öffentliche Raum nicht so frei ist, wie man denkt, bedeutet nicht, dass man nicht vernünftig damit umgehen kann. Wichtig ist, dass man weiß, wer hinter einer Arbeit steht, und das Kunstwerk nicht als autonomes Ding auf ein Podest stellt. Einem klassischen Museum kann man ja vorwerfen, als neutraler Absender dastehen zu wollen. Doch es wäre naiv zu denken, dass ich etwa bei meiner Ausstellung im MoMA von Kommerzialität befreit war.“

Von Michael Huber

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