Andreas Lust: "Mit ‚Revanche‘ begann
mein zweites schauspielerisches Leben"

Andreas Lust ist der österreichische Schauspieler der Stunde. Beim Grazer Filmfestival Diagonale wurde er mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet. FORMAT erzählt der Wahlberliner, wie es dazu kam.

„Ich bin momentan richtig gut beschäftigt, das ist spannend und freut mich sehr.“ Mit lapidarer Nonchalance antwortet Andreas Lust, wenn man seinen derzeitigen beruflichen Höhenflug aufs Tapet bringt. Der Wiener hat nämlich gerade etwas, das man landläufig auch als guten Run bezeichnen kann.

Standing Ovations für den "Räuber"
Das trifft es insofern gut, da Lust zurzeit in „Der Räuber“ als Marathon laufender Bankräuber Johann Rettenberger zu sehen ist. Die Figur ist lose an Johannes Kastenberger angelehnt, der als Pumpgun-Ronnie in den 80ern österreichische Verbrechergeschichte geschrieben hat. Lusts Darbietung ist derart eindrucksvoll, dass bei der Premiere des Films im Februar bei der Berlinale Publikum und Kritiker völlig aus dem Häuschen gerieten. „Standing Ovations im vollen Berlinale-Palast – das war eindeutig mein schönstes Kino-Erlebnis“, schwärmt Lust, der auch als Favorit für den Darstellerpreis gehandelt wurde. Dass er den „Silbernen Bären“ nicht bekommen hat, ärgert ihn zwar nicht maßlos, „enttäuscht bin ich aber trotzdem. So eine Chance kriegst du halt nicht jedes Jahr.“ Das nicht, es ist aber auffällig, dass Andreas Lust, der mittlerweile seit sechs Jahren in Berlin lebt, mit einer Zielsicherheit bei Projekten mitarbeitet, die derartige Chancen sehr lebendig halten.

Gerichtsmediziner ohne Zwangs-Skurrilität
So gehörte er etwa zu Götz Spielmanns Ensemble im oscarnominierten Streifen „Revanche“, in dem er einen schuldgeplagten Polizisten spielt, der aus Versehen eine junge Frau erschießt. Diese Rolle läutete Lusts „zweites schauspielerisches Leben“ ein. „Seit damals habe ich die Chancen, die ich erhalten habe, auch genutzt“, erinnert er sich. Eine davon: die Rolle als Pathologe und Exmann von Ermittlerin Angelika Schnell (Ursula Strauß) in der ORF-Krimiproduktion „Schnell ermittelt“. Lust mimt darin einen Gerichtsmediziner, dem endlich einmal nicht dieser bereits zum Klischee verkommene Tick ins Skurrile anhaftet. Danke dafür!

Schwieriger 'Kameramörder'-Filmdreh
Warum es im ersten schauspielerischen Leben nicht so richtig klappen wollte, kann sich Lust nicht wirklich erklären. An Chancen gemangelt hat es dem 42-Jährigen, der das schauspielerische Handwerk am Salzburger Mozarteum gelernt hat, jedenfalls nicht. Es gab Bühnenengagements, etwa am Wiener Volkstheater, Auftritte in Fernsehspielen und auch ein viel beachtetes Filmdebüt im Bundesheerdrama „Ich gelobe“ (1994). Demnächst sieht man ihn auch in der Verfilmung von Thomas Glavinics Roman „Der Kameramörder“, dem diesjährigen Eröffnungsfilm der Diagonale in Graz (16.–21. 3.). Die ungarisch-österreichische Produktion erhielt Ende Februar den Regiepreis bei der Ungarischen Filmwoche. „Die Dreharbeiten zum ‚Kameramörder‘ waren so ziemlich die schwierigsten und forderndsten, die ich jemals hatte“, erzählt Lust. „Die Filmcrew kommunizierte fast nur auf Ungarisch. Zudem lebten wir zwei Monate auf engstem Raum zusammen. Abgeschottet von der Welt, wie in einer Blase.“

Mit Comedy den Ernst durchbrechen
Das merkt man dem fein ziselierten Psychodrama-Kammerspiel rund um einen Kindermord auch an. Der Wahlberliner Lust geht wieder an darstellerische Grenzen und spielt einmal mehr einen verkorksten, komplizierten Charakter. Die Figur passt also durchaus in Lusts Rollenprofil der letzten Jahre. Angst, auf derartige gebrochene, ernste Charaktere festgelegt zu werden, hat der Vater eines elf Monate alten Sohnes trotzdem nicht. „Wir drehten die ORF-Comedyserie ‚FC Rückpass‘, die Ende April ausgestrahlt werden soll, ab. Da durfte ich mich endlich einmal von meiner lustigen Seite zeigen“, kalauert der Schauspieler. Da muss dann halt schon mal nachgefragt werden, für welchen Verein das Herz schlägt: „Wenn ich in Wien bin – für Rapid natürlich!“

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