André Heller im großen FORMAT-Interview

Anlässlich seines 65. Geburtstags kommenden März bat FORMAT André Heller schon vorab zum Gespräch über Alter, Politikverdrossenheit & seine Projekte zwischen Wien und Marrakesch. Erstmals nimmt der Multimediakünstler darin auch Stellung zum Wirtschaftskrimi rund um seine Show „Magnifico“.

FORMAT: Sie feiern am 22. März Ihren 65. Geburtstag, beschreiben Ihr Leben gerne als den Versuch, sich „lernend zu verwandeln“. Wo steht André Heller denn derzeit? André

Heller: Ich bin eine Abenteurernatur, die jeden Lebenstag als großzügiges Geschenk empfindet und versucht, sich selbst und der Welt auf den Grund zu gehen, um wichtige Erfahrungen zu sammeln. Mittlerweile bin ich Gott sei Dank auch schon in einer liebevollen Freundschaft mit dieser Figur André Heller, die mir jahrzehntelang aus hunderterlei Gründen ziemlich fremd war und manchmal sogar etwas unheimlich. Es geht in meinem Alter immer noch darum, ein für sich und andere glaubwürdiger, herzensgebildeter, liebevoller Herr mit möglichst wenig Ego und viel Dankbarkeit zu sein.

FORMAT: Sehen Sie diesbezüglich die Pleite Ihrer Show „Magnifico“ als eine persönliche Niederlage?

Heller: Ich will mich bemühen, sehr sachlich zu antworten. Marcel Avram, ein Mensch, den ich 40 Jahre ein wenig zu kennen glaubte, näherte sich mir vor drei Jahren unter dem Pseudonym „alter Freund“ und bat mich eindringlich, ihm ein Projekt zu retten, für das er bereits seit langem ohne befriedigendes Ergebnis mit einem Cirquedu-Soleil-Regisseur Millionen ausgegeben hatte: eine Show zum Thema Pferd. Er sagte meinem Manager, Geld spiele gar keine Rolle, und er werde sich, wie er es auch 15 Jahre lang bei Michael Jackson oder bei Bruce Springsteen und Bon Jovi mit seiner weltweiten Organisationgetan habe, um alles Logistische, Budgetäre, die Tournee, den Kartenverkauf, sämtliche Verträge penibel kümmern. Von mir wolle er ausschließlich eine noch nie dagewesene, spektakuläre Inszenierung, die ganz meinen Fantasien verpflichtet sein sollte. Ich glaubte ihm, weil er mit besonderer Euphorie um mich warb und mir tatsächlich eines der weltbesten künstlerischen Teams zur Verfügung stellte.

FORMAT: Was lief dann schief?

Heller: Nach meinem heutigen Wissen geschah Folgendes: Avram, der mir gegenüber behauptete, er finanziere alles allein, sammelte offenbar hinter meinem Rücken auf meinen Namen hin Investorengelder und versprach absurde Renditen über 30 Prozent. Bei den dreimonatigen Proben war er kaum da, immerzu mit AC/DC und anderen Weltacts auf Reisen, feuerte mich aber stets mit E-Mails zu Höchstleistungen an. Wenn er kurz erschien, war er meist irritiert, weil ihn meine Vorstellung von innovativer Qualität und Ästhetik offenbar völlig befremdete; er wollte altbackene Kitschwelten wie aus Disney-Kleinmädchenfilmen der Sechzigerjahre. Für die Weltpremiere in München im Februar sollte endlich das von mir als unverzichtbarer Teil der Gesamtinszenierung entworfene Theaterzelt mit 1.800 bequemen Sitzen geliefert werden; es kam rätselhafterweise nicht, und wir mussten unter meinem heftigsten Protest in einem hastig gemieteten, bierzeltartigen Raum mit 3.000 Plätzen spielen – kalt, hässlich, schlechte Sichtlinien der zu flachen Tribüne, ein Affront gegenüber meinen Standards. Die Premiere erhielt zu meiner Freude trotzdem hymnische Kritiken in aller Welt

FORMAT: In München sahen das surreale Bühnenkaleidoskop 80.000 Zuschauer. Das Hamburg-Gastspiel kam nicht mehr zustande …

Heller: Da Avram, entgegen seiner Schwüre, den Zeltpalast nicht bauen ließ, musste ich mich weigern, einer Fortsetzung der Tournee zuzustimmen. Daraufhin schwenkte er ein und kündigte per Presseaussendung den Künstlern, mir und der Öffentlichkeit eine „Magnifico“- Auszeit bis Anfang August an, um meinen Qualitätsforderungen endlich professionell nachzukommen. Tatsächlich gab er aber wieder keine passende Spielstätte in Auftrag, verkaufte allerdings weiterhin um Millionen Zehntausende Tickets für Städte, die er aber offenbar überhaupt nicht zu bespielen beabsichtigte. Und am 19. Juli meldete seine „Magnifico“-Firma, ohne die geringste Vorwarnung und Absprache mit mir oder meinem Management, aus heiterem Himmel Insolvenz an. Ich erfuhr dies aus den Medien, und der große Zampano Avram tauchte ab und hat sich bis heute nicht bei mir gemeldet. Im Herbst 2012 geht er laut Plakaten mit Bruce Springsteen auf Tournee, auch ins Wiener Ernst-Happel-Stadion. Wie Sie merken, ist das Ganze ziemlich starker Tobak.

FORMAT: Avram sprach kurz vor der Premiere von Kosten zwischen 18 und 20 Millionen für die Show.

Heller: Ich kann Avrams Ausgabenrechnung nicht nachvollziehen. Bei großzügigster Berechnung aller mir bekannten Faktoren hat er maximal 12 Millionen ausgegeben. Ich wüsste gern, wo der Rest von 6 bis 8 Millionen Euro geblieben ist. Ab dem Augenblick des Insolvenzantrags bezog Avram, für mich völlig überraschend, den Standpunkt, dass seine Firma nicht ihm gehöre und er für sie keine Verantwortung trage. Er ist also plötzlich zum armen Opfer fremder Machenschaften mutiert und meldet sich bei der Firma, deren Generalbevollmächtigter er noch zehn Minuten vorher war, als empörter Gläubiger an. Nun wird es wirklich ganz heftig: Die laut Insolvenzverwalter vorhandenen Gelder für bereits gekaufte Karten werden den um die Vorstellung geprellten Käufern nicht zurückgezahlt. Mir und anderen aus meinem Team bleibt Avram ein Vermögen schuldig, bezahlt Lieferanten nicht. Also insgesamt ein Falottenstück, bei dem auf meine, der Mitarbeiter und der Kartenkäufer Kosten wahrscheinlich ziemlich viel Geld von irgendjemand, irgendwo, verdient wurde. Ich hätte auf all dies gerne eine Antwort.

FORMAT: Müssten nicht gerade Ihnen nach so vielen Jahren im Entertainmentbusiness dubiose Machenschaften mancher Veranstalter bekannt sein?

Heller: Ich mache mir natürlich ernste Vorwürfe, Avram vertraut zu haben. Aber wer engagiert schon vor einer Vertragsunterzeichnung Wirtschaftsdetektive, die alle Geschäftsgebarungen und -praktiken eines der erfolgreichsten Produzenten der Welt kontrollieren? Ich komme aus einer anderen Zeit, in der es noch Handschlagqualität gab. Mittlerweile haben offenbar manche in dieser Branche ihre letzten Skrupel verloren. Wahrscheinlich habe ich diese bittere Erfahrung gebraucht, um mich von bestimmten Naivitäten endgültig zu verabschieden. Ich schäme mich dafür, dass gutgläubige Heller-Fans um ihre Kartengelder betrogen wurden. Objektiv trage ich wohl keine Schuld, aber subjektiv macht es mich sehr, sehr traurig, und für mein nächstes Theaterprojekt werde ich mich bemühen durchzusetzen, dass gelöste „Magnifico“-Karten dafür gültig sind.

FORMAT: Wo ist die mahnende Stimme von André Heller zur gesellschaftspolitischen Situation geblieben, wo der Wutbürger in Ihnen?

Heller: Die Wut, meine Liebe, ist kein guter Ratgeber. Meine Vorstellung von sinnvollem politischem Engagement hat sich in den letzten Jahren vollkommen geändert. Ich habe mich von der sogenannten Parteipolitik restlos abgekoppelt. In Österreich war ich ja in der Sozialdemokratie jahrzehntelang engagiert, glaube aber heute, dass die traditionellen Parteien sich in absehbarer Zeit auflösen werden; zumindest, wenn sie in der Verwechselbarkeit, selbstgefälligen Wirklichkeitsferne, Unglaubwürdigkeit, Reformverweigerung und Personalschwäche von jetzt verbleiben. Es werden neue Bewegungen mit engagierten Menschen eines grundsätzlich anderen Bewusstseins auftreten, die akute Fragestellungen, Nöte der Bevölkerung und politische Probleme mit glaubwürdigeren Taten zu beantworten imstande sind.

FORMAT: Seit wann denken Sie so?

Heller: Das hat unwiderruflich eingesetzt, nachdem mein Freund Alfred Gusenbauer, ein wissensgeladener, äußerst kluger, international bestens vernetzter Spitzenintellektueller, derart spektakulär gescheitert ist. Wir haben ja jahrelang in interessanten, nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommenen Konstellationen ausführlich darüber debattiert, wie eine Verfeinerung und Qualitätsdurchflutung der heutigen Gesellschaft stattfinden sollte und kann. Dann waren Alfred und sein Kabinett am Steuerrad, und es endete so deprimierend, wie wir es uns alle nicht vorstellen konnten.

FORMAT: Worauf führen Sie das zurück?

Heller: Auf die sogenannten Realverhältnisse, natürlich auch auf eine gewisse Selbstüberhebung. Er wollte ja ursprünglich richtigerweise Rot-Grün und bekam von den Wählern Rot-Schwarz serviert. Er ist mit seinen hohen Ambitionen in dieser von Bünden und Kammern, Gewerkschaften, Boulevardmedien und Funktionären gebildeten und gegängelten Maschinerie Österreich erstickt. Die Regierungen betreiben ja seit Jahren nur mehr reine Anlass- und Klientel-Politik. Die Politiker, wenn sie nur ein bisschen Verstand haben, wissen oder ahnen natürlich, was man verantwortungsvollerweise wirklich machen müsste, und tun es zumeist bewusst nicht, weil sie fürchten, sonst nicht mehr gewählt zu werden. Wenn man aber immer contrecoeur handelt und lebt, bekommt man die schädlichen Energien, die man aussendet, massiv zurück. Ich glaube, dass die Mehrheit mittlerweile – wie in Italien – genug hat vom Angeschwindeltwerden und vom Dilettantismus. Ich jedenfalls werde in meiner verbliebenen Lebenszeit Projekte wahr machen, die ich leidenschaftlich vor mir vertreten kann und die ein effizientes Ergebnis liefern. Wie etwa in Marokko auf 7,5 Hektar einen Paradiesgarten zu wagen, der noch in 150 Jahren Menschen Ermutigung und Inspiration bieten kann.

FORMAT: Ein Garten als Statement?

Heller: Ein Ort der Schönheit, der hohen sinnlichen Energien, der seinen Besuchern ein frohes Herz vermittelt. Ich habe ein Leben lang aufmerksam studiert, wie derlei erreichbar ist. Der Maßstab für die Wirksamkeit bin zunächst immer ich, denn ich bin so ein verwöhnter Fratz in Bezug auf Staunen-Machendes, dass, wenn mich etwas erstaunt und berührt, ich sicher sein kann, dass es viele andere auch erreichen wird.

FORMAT: Ähnlich wie Ihr botanischer Garten im italienischen Gardone Riviera?

Heller: Ja, aber dieser Ort ist bereits seit Jahren in üppiger Höchstform und bietet kaum mehr Spielraum für neue Ideen. Ich werde wohl die nächsten Jahrzehnte intensiv mit dem unübertrefflichen Spielplatz Marokko beschäftigt sein.

FORMAT: Warum haben Sie sich für Marrakesch entschieden?

Heller: Weil es in vielem eine nachgerade magische Anmutung hat, eine einzigartige Handwerkskultur: Kunsttischler, Mosaikleger, Stuckateure, Weber, Steinmetze, ebenso berauschende Musikanten und Tänzer, meine Lieblingsküche, trockene Hitze am Tag und Kühle in der Nacht, vielfältige Landschaften und vieles mehr. Seit 1972 bin ich jedes Jahr dankbar dort. Das ist eine tiefe Liebesgeschichte.

FORMAT: Es handelt sich um einen Mix aus Parkanlage, Gebäuden, Handwerkskunst und Skulpturenpark.

Heller: Es gibt ein kleines Museum und Ateliers, und es geht auch um die Bewahrung kostbarer alter Pflanzen. Ich rette zum Beispiel mit meinen Mitarbeitern über 100 Jahre alte Palmen und Obstbäume in aufwendigen Aktionen aus den Gärten von Abbruchhäusern oder aufgelassenen Farmen und verfrachte sie behutsam zu uns aufs Territorium.

FORMAT: Alte Bäume soll man doch nicht verpflanzen.

Heller: Es ist natürlich viel komplizierter, als ich ursprünglich dachte: Man muss am Zielort ganz spezielle Erdmischungen für sie bereithalten. Wir haben auch innovative Transportsysteme für die bis zu 25 Meter hohen Solitärpflanzen entwickelt. Ein Team von 16 Gärtnern und eine Schlosserbrigade hat zum Beispiel tagelang um riesige Kakteen Eisenkäfige geschweißt, um sie mit Kränen heben zu können. Und die Wurzeln gipsen wir grundsätzlich ein, um sie während der manchmal langen Reise vor Austrocknung zu schützen. Ich werde den Anima-Park in diesem Leben nicht in all seiner Pracht und Herrlichkeit erleben, weil man ihm Jahrzehnte Entwicklung gönnen muss. Aber wenn ich meine Augen schließe und einatme, sehe und rieche ich schon jetzt das Wunder, das er einmal sein wird.

FORMAT: Ein Territorium, in das man sich zur Besinnung zurückziehen kann?

Heller: Die große Herausforderung meiner Generation ist es ja, so viel wie möglich an Beschädigung, Verarmung und Grobheit von den nächsten Generationen fernzuhalten. Und was ich derzeit am Fuß des Atlas-Gebirges mit meinen Verbündeten an freudiger Anstrengung unternehme, ist ein kluges Investment in die Zukunft. Das Weitergeben einer Qualitätsstafette an meinen Sohn, meinen Enkel und jene, die noch gar nicht geboren sind. Sobald wie möglich will ich es auch Besuchern zugänglich machen.

FORMAT: Was ist aus Ihrer Idee für ein Heiler-zentrum in Österreich geworden?

Heller: Das ist durchaus im Werden. Wir haben dafür einen sehr schönen Ort im Salzkammergut gefunden. Jetzt wird für das 30 bis 40 Millionen Euro teure Projekt mit Investoren verhandelt, die unseres Geistes Kinder sein müssen. Es geht ja um eine Art Dauerkonsilium unterschiedlicher Heiler aus verschiedenen Kulturen: von der alternativen europäischen Medizin über die ayurvedische und chinesische bis zu tibetischen Meistern oder Schamanen aus Südamerika.

FORMAT: Nach Shows, Feuerwerk und Gartenskulpturen, Platten, Büchern und Filmprojekten, was reizt Sie da überhaupt noch als kreative Herausforderung?

Heller: Ich habe in letzter Zeit sehr viel an meinem Roman „Julian oder Das Buch vom Süden“ geschrieben, der bei S. Fischer herauskommen soll. Und ich habe mich erstmals seit langem wieder an Liedern versucht. Dazu hat mich mein Sohn angestiftet.

FORMAT: Ist Ihnen „Der Nino aus Wien“ ein Begriff, der gerne als Ihr Epigone gefeiert wird?

Heller: Natürlich, aber ich finde ihn durchaus interessant eigenständig. Ich bekomme erfreulicherweise sehr viele Zeichen von jungen Leuten, die sich für meine Arbeit und speziell auch mein musikalisches Werk interessieren. Es freut mich, von ihnen zu hören: Mach bitte weiter, wir brauchen diese Art von außenseiterischer Handschrift als Anregung.

FORMAT: Ihr Sohn Ferdinand hat sich bereits in der Hip-Hop-Szene als „Left Boy“ einen Namen gemacht.

Heller: Er lebt in einer Art Factory in Brooklyn mit Filmemachern und anderen Musikern und ist ein hochbegabter und sehr amüsanter, feinsinniger Dandy. Er will sich in der New Yorker Höhle des Löwen mit den hungrigsten und konkurrenzsüchtigsten Typen der Welt messen. Leicht macht er es sich nicht, und er will alles, wenn irgend möglich, ohne Hinweis auf den Vater erreichen. Mir imponiert das nachhaltig. Manchmal wünschte ich, es wäre meiner Biografie vergönnt gewesen, etwas später Erfolg zu haben, dann wäre ich mit Sicherheit sehr früh aus dem deutschsprachigen Raum herausgegangen. Aber ich wurde schon mit zwanzig durch mein Popstartum für allzu lange hier festgenagelt.

FORMAT: Im kommenden Jahr sollen Sie auch wieder am Theater arbeiten.

Heller: Das ist etwas übertrieben. Beim Nachdenken über versunkene Figuren ist mir eines Tages, wie ich Andrea Eckert beim Singen zugehört hab, die Idee gekommen, sie müsste eigentlich eine One-Woman-Show über die völlig vergessene Greta Keller machen, die ich gut kannte. Greta war die erfolgreichste Chansonsängerin, die Österreich außer Lotte Lenya jemals hervorgebracht hat. Viele der berühmtesten Nummern, die man mit Marlene Dietrich assoziiert, sind für sie geschrieben worden. Das Projekt wird eine Art Koproduktion zwischen dem Schottenberg’schen Volkstheater und meiner Wenigkeit. Rupert Henning schreibt das Buch und wird wahrscheinlich auch inszenieren. Ich werde lediglich helfen, wo immer ich kann.

FORMAT: Auch die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule sollen bald nach Ihrer Regie performen. Eine neue Pferdeshow?

Heller: Irrtum. Es ist eine Gratis-Freundschaftstat für Elisabeth Gürtler. Ich gebe bloß ein paar Ratschläge hinsichtlich der zeitgemäßen Verwendung von Licht und vielleicht auch der Conférence. Aber es ist nicht im Geringsten daran gedacht, mit den Lipizzanern eine Heller-Show zu machen.

FORMAT: Wie hält es der Multimediakünstler mit Internet, Facebook, Twitter usw.?

Heller: Ich habe derzeit nicht einmal eine Website. Ich will auch alle meine Unterlagen – selbst ans Ende der Welt – mit der Post geschickt haben, was alles angenehm verlangsamt. Ich sehe schon, dass das Netz enormes Wissen vermitteln kann, ich erlebe aber auch, dass das ein Tummelplatz für Narren erster Güte ist. Was da an Unsinn und Fehlinformation gepostet wird: In einem der Foren habe ich zum Beispiel jüngst gelesen, dass all meine Liedertexte der Georg Danzer geschrieben hat und ich Helmut Qualtinger nie persönlich begegnet bin – das hat durchaus schon Gugginger Züge!

FORMAT: Mit solchen Falschmeldungen wird wohl die Biografie, die im Februar erscheint, aufräumen …

Heller: Ich habe zumindest dem Autor, meinem Freund Christian Seiler, alle von ihm gewünschten Auskünfte über meine bisherigen Wege und Irrwege gegeben. Mit 70 werde ich dann wohl selber Memoiren schreiben.

FORMAT: Ihre Mutter ist im stolzen Alter von 98 Jahren. Macht das Mut für die eigene Zukunft?

Heller: Ich glaube nicht an die Genetik in unserer Familie, sondern daran, dass ich mich in gewissem Sinn selber noch einmal ohne Vater und Mutter auf die Welt gebracht habe und mich dadurch von allen Schuldzuweisungen an Eltern und Erzieher befreien konnte. Ich allein trage die ganze Verantwortung für mich. Ob ich nun 75, 85 oder 95 Jahre alt werde, ich werde, wage ich jetzt schon zu behaupten, mein Leben nicht geschwänzt haben.

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