"2012": Emmerich schmilzt die Erdkruste und schweißt die Familie zusammen

Heiterer Weltuntergang: Roland Emmerichs „2012“ zerstört die Erde, aber lässt die Familie leben.

Ein Riss frisst sich zwischen den Fingerspitzen von Adam und Gott hindurch. Dann stürzen die Sixtinische Kapelle – mit ihr Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“ – sowie der gesamte Vatikan in sich ­zusammen. „2012“, das neueste Katastrophenepos von Roland Emmerich und Drehbuchautor Harald Kloser, operiert ganz gezielt mit Scherzen wie diesen. Hier geht es also nicht um eine re­ligiös verbrämte Apokalypse, sondern um ein ganz irdisches Jüngstes Gericht: Sonnenturbulenzen lassen die Erdkruste schmelzen und vernichten alles Leben.

Kalkulierte Ungerechtigkeit
In einer Art globaler Verschwörung verheimlichen die nationalen Regierungen das Ende der Welt vor der Bevölkerung, während sie mithilfe einiger Tausend ­Milliardäre bereits gewaltige Archen bauen lassen. Bedeutende Tierarten kommen mit, während die Menschen dem Untergang preisgegeben wer­den. „2012“ ist mit all seiner kalkulierten Ungerechtigkeit als sehr populäre Geschichte angelegt, die danach verlangt, dass einer dieser Entrechteten ins Zentrum tritt. John Cusack spielt den beruf­lich (Schriftsteller) und privat (geschieden) glücklosen Mann, der durch die Begegnung mit einem esoterisch angehauchten Radiohost (Woody Harrelson) von der Verschwörung erfährt. Das Ende der Welt bedeutet damit zugleich eine unfreiwillige Familienzusam­menführung: John Cusack nimmt Exfrau Amanda Peet, die Kinder und ihren neuen Lebensgefährten mit auf die große Flucht nach China. In Tibet, am Dach der Welt, sind die Archen schon geparkt.

Katastrophe mit Wohlgefühl
„2012“ ist eine Art Feelgood-Movie für Desasterfilm-Fans. Für alljene, die es sich in der Katastrophe wohlig machen. Hier spritzt kein Blut, Körper bleiben intakt oder fliegen als kleine animierte Figuren vor dem Hintergrund berstender Straßenzüge und Hochhäuser durch die Luft. Auch hier darf gelacht werden. Stirbt doch jemand, erhält der Schrecken des Todes eine eher melodramatische Note. Auch für echte Helden scheint nur in Randnotizen Platz zu sein, der schwarze, menschelnde US-Präsident (Danny Glover) ist ein solcher. „2012“ wirkt wie ein Familienfilm, in dem trotz aller augenscheinlichen Zerstörung das Urvertrauen in seine Protagonisten unerschütterlich ist. Das gibt viel Raum und Aufmerksamkeit für die Sensationen des Films frei. Unzählige fröhlich bis lustvoll entwickelte Spezialeffekte (und 200 Millionen Euro Budget) und das bombastisch entworfene Bild eines implodierenden Erdballs lassen keinen Zweifel offen, dass das Spektakel selbst das Zentrum des Films bildet.

Keimzelle Familie bleibt erhalten
Die Erzählung, die der Vorarlberger Harald Kloser – er ist zudem als Komponist und Koproduzent verantwortlich – und Roland Emmerich darumgewickelt haben, schadet dabei nicht. Wie Kloser freimütig in einem Interview einräumte, fand man mit dem Kalender der Maya, demzufolge die Welt 2012 untergeht, auch einen passenden Aufhänger. Während die ideologischen Seitenhiebe auf den Zynismus der Mächtigen eher seltsam wirken, bettet sich die Familie als Keimzelle auch einer neuen Gesellschaft glaubhafter in die routinierte US-Produktion ein. Wahrscheinlich hätte die Rolle des über seine Grenzen gehenden Familienvaters vor 20 Jahren Harrison Ford gespielt. Sie ist auch bei John Cusack mit seinem treuen Blick gut aufgehoben.

Armageddon, was nun?
Wie die Welt nach Armageddon aussieht, zeigt „2012“ nicht mehr. Das Leben danach blenden aber zwei andere Produk­tionen, die in einer Häufung von Endzeitfilmen nächstes Jahr anlaufen werden, ein: John Hillcoat wirft in seinem mächtigen apokalyptischen Drama „The Road“ Viggo Mortensen in die ver­wüsteten, von Menschen entleerten USA; das afroamerikanische Brüderpaar Albert und Allen Hughes schicken Denzel ­Washington in „The Book of Eli“ zur Rettung der Menschheit durch eine ebensolche Landschaft.

Gunnar Landsgesell

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