Winzer Fritz Wieninger zieht seine Lebenskraft aus Rebensaft

Winzer Fritz Wieninger zieht seine Lebenskraft aus Rebensaft

Winzer Fritz Wieninger wurde beim Heurigen groß. Schon als Knirps wusste er, was seine Berufung ist. Heute lebt er seine Passion beruflich und privat.

Nicht jeder hat ein Hobby. Manche leben ihre Passion mit jeder Faser ihres Herzens. Wie Fritz Wieninger, 46, der mit Leib und Seele Winzer ist. Schon seine Eltern, Groß- und Urgroßeltern haben vom Weinanbau und Weinhandel gelebt. Der Vater kommt aus dem Weinviertel, die Mutter ist ein Spross aus der Winzerfamlie Wieninger in Stammersdorf am Fuße des Bisambergs.

"Ich bin beim Heurigen aufgewachsen und in dieses Metier hineingewachsen“. Als Kinder haben er und sein Bruder im Weingarten gespielt, während die Eltern die Rebstöcke versorgt haben. Kaum sah Wieninger mit seiner Nasenspitze über die Tischkante, servierte er den Gästen auch schon beim Familienheurigen in Stammersdorf. Und sobald der Winzersohn mit seinen Füßen die Kupplung vom Traktor erreichte, ratterte er durch den Weingarten. "Die Natur und die Reben sind meine Wegbegleiter. Ich liebe zu sehen, wie alles sprießt und wächst.“

Die Frage nach einem anderen Beruf als den des Winzers, stellte sich erst gar nicht. Wieninger wusste schon als Knirps, dass er wie seine Mutter die Weinbauschule in Klosterneuburg besuchen würde. Nach der Matura schnupperte der Mann zwar kurz an der Wirtschaftsuni, beließ es aber auch dabei. Ihn zog es in die weite Welt hinaus. "Ich wollte lernen, wie die großen Weine in Frankreich gekeltert werden, doch mangels Sprachkenntnis bin ich nach Kalifornien.“

Der Vater war todunglücklich. Der Bub, gerade mit der Ausbildung fertig, haut ab, anstatt im elterlichen Betrieb anzupacken. "Mir hat das gut getan, auf mich selber gestellt zu sein und andere Philosophien und Herangehensweisen an den Wein kennen zu lernen“.

Nach einem halben Jahr kam Wieninger von der St. Helena Winery in Napa Valley zurück nach Stammersdorf und hatte einen fixen Plan in der Tasche: "Ich wollte mein eigenes Weingut bewirtschaften und meine Flaschen sollten auf den feinsten Tischen des Landes stehen.“

Mit 21 Jahren übernahm er die Weinproduktion, exportiert zwei Jahre später nach Deutschland und wird 1990 zum Winzer des Jahres gekürt. Heute bewirtschaftet Wieninger 50 Hektar in den berühmten Lagen am Wiener Nussberg und in Stammersdorf.

Längst ist Wieninger in Sachen Qualitätswein die klare Nummer eins der Metropole, schreibt der "Falstaff“. Er produziert jährlich 300.000 Flaschen Wein, 30 Prozent der Produktion werden in 29 Länder auf drei Kontinenten exportiert. Bekannt ist der Winzer vor allem für seine barriquegereiften Chardonnays und Pinot Noirs aus der Spitzenserie, Grand Select‘ und für seinen cassiswürzigen Bordeaux-Blend Cabernet-Merlot. Wienigers Traum ist in Erfüllung gegangen, seine Weine haben längst Akzeptanz in der Topgastronomie gefunden.

Seit längerem schon setzt er auf naturnahe Bewirtschaftung nach biodynamischen Richtlinien. Im Mittelpunkt steht dabei die Stärkung des Bodens und die Gesundheit, die Selbstheilungskraft sowie die Qualität der Reben und damit des Weines. Durch die biodynamische Bewirtschaftung steigen Artenvielfalt, Menge von Mikroorganismen und Humusgehalt der Böden. Auf Herbizide, Pestizide und systemische Spritzmittel und Kunstdünger wird vollkommen verzichtet.

"Diese Art der Bewirtschaftung muss man sich auch leisten können, denn wir haben durch die biodynamische Produktion 20 Prozent mehr Aufwand und 20 Prozent weniger Ertrag.“ Wieninger spritzt den Boden mit Brennesseljauche, um die Mikroorganismen im Boden zu aktivieren. Anstatt mit einem Traktor fährt er mit einem coolen, geländegängigen Quad. "Das macht mehr Spaß, hat mir aber auch schon einen kapitalen Sturz eingebracht, als ich übermütig eine Spritztour am Weinberg unternahm“, erzählt der sympathische Mann. Die Räder blockierten und der Winzer segelte zehn Meter durch die Luft.

So wie Wieninger im Weingarten groß geworden ist, erleben das jetzt auch seine Kinder Max, 8, Kathi, 9, und Sophie,11. Das Privathaus steht gleich am Hang hinter dem Betrieb, vorne mit Blick über ganz Wien, hinten auf die Weinberge. "Wir müssen nicht weit fahren, um etwas zu erleben. Gemeinsam mit meiner Frau Lissi und den Kindern erkunde ich meist am Wochenende die Umgebung zu Fuß oder mit dem Rad“.

Mittags kehren die Wieningers dann beim Heurigen des Bruders ein. Für Filius Max ist es jedoch das Größte, wenn er mit seinem Papa auf dem Quad durch die Weingärten rattern kann. "Jetzt, wo wir unseren Lebenstraum erfüllt haben, Presshaus, Lagerkeller, Abfüllanlage, Flaschenlager und Verkaufsraum an einem Ort zu konzentrieren, hoffe ich schon, dass die Kinder den Betrieb übernehmen werden“.

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