Wenn die Arbeit zur Qual wird

Ein Drittel der Führungskräfte in Österreich leidet laut aktueller Studie des WdF an Gesundheitsproblemen. Die meisten Manager klagen dabei über Ärger mit Herz und Kreislauf. FORMAT sagt Ihnen, wie Sie Blutdruck & Co trotz Stress im Job in den Griff bekommen.

Am Anfang war Herzrasen, dann kamen Hitzewallungen und Schweißausbrüche in der Nacht. An Schlaf war längst nicht mehr zu denken. „Ich bekam dann noch Atemnot und hatte ein Gefühl, als würde ich ertrinken“, beschreibt Johann Feitringer, Verkaufsleiter eines Exportunternehmens in Niederösterreich, jene Nacht, die sein Leben grundlegend verändern sollte. Feitringer litt Todesängste. Seine Frau rief den Notarzt, der den Manager umgehend ins nächste Krankenhaus einliefern ließ. Die Diagnose: Vorhofflimmern.

„Der Patient hatte großes Glück, dass der Notarzt die Symptome richtig erkannt hat und es binnen weniger Stunden nach Auftritt des Vorhofflimmerns zur Behandlung gekommen ist“, sagt Irene Lang, Kardiologin am Wiener AKH und Past-Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. Unbehandelt verstärkt Vorhofflimmern die Versteifung des Herzmuskels und der Vorhöfe. Lang: „Diese Probleme sind zwar durch Medikamente beherrschbar, die Erkrankung ist aber chronisch. Das Schlaganfallrisiko von Patienten mit Vorhofflimmern ist 15-mal höher als bei anderen.“

Auslöser sind Übergewicht, Bewegungsmangel, kombiniert mit Stress und einschneidenden Ereignissen. Faktoren, die auch Johann Feitringer vorzuweisen hatte: „Meine Arbeitstage dauerten durchschnittlich zehn Stunden, und ich war beruflich viel in Osteuropa unterwegs.“ Unregelmäßige und falsche Ernährung und eklatanter Bewegungsmangel setzten Feitringers Herz zusätzlich unter Druck. Ein geplatzter Deal sorgte dann für den Big Bang. Nach drei Wochen Auszeit änderte Feitringer sein Leben grundlegend. Heute joggt der 51-Jährige zweimal pro Woche im Schlosspark Laxenburg, verzichtet auf Alkohol und hat 20 Kilogramm abgenommen. „Ich will auch im Job nicht mehr alles im Alleingang lösen“, sagt er. „Ich habe gelernt, im Team zu arbeiten und auch bei manchen Aufgaben Nein zu sagen.“

Kranke Chefetage

Johann Feitringer ist nicht alleine. In einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) gaben 30 Prozent der befragten Managerinnen und Manager an, aktuell an gesundheitlichen Problemen zu leiden. Bedenklich: 29 Prozent aller unter 35-Jährigen sind gesundheitlich nicht auf der Höhe. Der Druck ist dabei in der 2. Managementebene stärker als ganz an der Spitze. 32 Prozent der Abteilungs- und Bereichsleiter Österreichs fühlen sich krank, in der Chefetage sind es „nur“ 29 Prozent. Die Ursache der meisten Gesundheitsprobleme liegt bei den heimischen Führungskräften in einem viel zu hohen Blutdruck. 24,3 Prozent der über 25-Jährigen leiden an einem Blutdruck von 140/90 und höher. Kardiologin Lang: „Bluthochdruck ist oft familiär bedingt, hat aber heute in der Mehrzahl lifestylebedingte Ursachen. Übergewicht, Bewegungsmangel, Lärm und Stress sind die häufigsten Auslöser.“

Hypertonie, wie Bluthochdruck medizinisch korrekt genannt wird, zählt neben Rauchen zu den häufigsten Todesursachen in den Industriestaaten. Laut aktueller Schätzung der heimischen Herzexperten leiden bis zu drei Millionen Österreicher unter Bluthochdruck, die Mehrzahl allerdings ohne dass sie es bemerkt. Hypertonie tut nicht weh und fällt auch unter Stress nicht gleich auf. Die Folgen sind allerdings dramatisch. Bluthochdruck ist die Hauptursache für Schlaganfall und trägt maßgeblich zu Herzinfarkt, Niereninsuffizienz und Lungenembolie bei. Krankheiten, an denen in Österreich jährlich rund 36.000 Personen sterben.

Gefährlicher Lifestyle

Die Ursachen für das Heißlaufen des Kreislaufsystems sind im Lifestyle der westlichen Welt zu suchen: kalorien- und vor allem fettreiche Ernährung bei gleichzeitigem Bewegungsmangel, kombiniert mit Stress und übermäßigem Alkoholkonsum. Dazu kommt ein leichtsinniger Umgang mit der Diagnose Bluthochdruck. So weiß laut Schätzungen des Innsbrucker Kardiologen Otmar Pachinger ein Drittel der Hypertoniker in Österreich nichts von ihrer Krankheit, ein Drittel weiß es, wird aber unzureichend therapiert, und ein Drittel wird gar nicht therapiert. Für dieses magere Ergebnis sind die Kosten für blutdrucksenkende Medikamente beachtlich: 2010 wurden laut Hauptverband 318,4 Millionen Euro ausgegeben. Lang: „Das Bewusstsein für die Gefahren des Bluthochdrucks ist noch viel zu gering. Wir brauchen hier dringend eine österreichweite Aufklärungskampagne.“

Wenn der Job sauer AUFSTÖSST
Der Magen-Darm-Trakt reagiert auf Überlastung besonders sensibel. Sodbrennen, Reflux sowie Reizdarm-Syndrom nehmen zu.

Vor ihrer Rezeption bildete sich oft eine lange Schlange von Patienten. Brigitte Schmidt, Assistentin in einer Arztpraxis, wurde dann hektisch, und ihre latenten Magenschmerzen gingen in das Stadium von Krämpfen über. Lange behandelte sie sich selbst mit Säureblockern oder Paspertin-Tropfen, nachdem genaue Untersuchungen von Magen und Darm keinerlei organische Auffälligkeiten ergeben hatten. Erst der Gang zum Psychotherapeuten brachte eine entscheidende Verbesserung. „Seither bin ich beschwerdefrei, und ich habe vor allem gelernt, öfter Nein zu sagen, um mich nicht selbst unter Stress zu setzen“, so Schmidt. Auch den Andrang vor ihrem Pult dämmte Schmidt mit einer effizienteren Organisation ein.

Der Magen-Darm-Trakt des Menschen reagiert auf Angst, Stress und Überlastung oder der damit meist verbundenen falschen Ernährung besonders sensibel. Verstopfung oder Durchfall, Magenschmerzen und Sodbrennen sind übliche Folgen und werden deshalb oft als vorübergehende Beschwerden vernachlässigt und abgetan. Als Ausdruck für diese körperlichen Störungen durch psychosomatische Auslöser setzt sich auch der Begriff „Reizdarmsyndrom“ immer mehr durch. Vor dieser Bagatellisierung warnt Günther Mostbeck, Gastroenterologe am Evangelischen Krankenhaus in Wien. „Ich rate eindringlich zu einer genauen ärztlichen Abklärung“, so Mostbeck, „etwa durch Magen- oder Darmspiegelung.“

Reflux und entzündliche Darmerkrankungen

Hintergrund von Mostbecks Empfehlung ist die deutliche Zunahme von Reflux und entzündlichen Darmerkrankungen. Rund 80.000 Österreicher leiden etwa an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Über die Entstehung beider Erkrankungen existieren viele Theorien und Erkenntnisse, wobei eine autoimmune Erkrankung, gepaart mit genetischer und psychosomatischer Veranlagung, sowie übermäßige Hygiene, Ernährung, aber auch Infektionen Auslöser sein können. Dazu zählt etwa das Bakterium Helicobacter, das Verursacher von Magengeschwüren sein kann. Frauen leiden öfter an Verdauungsstörungen, Übelkeit, Blähungen und Völlegefühl als Männer, weil ihre Darmschleimhaut empfindlicher reagiert, so die Ärzte.

Männer hingegen plagt öfter Sodbrennen. Laut Studien stößt es hierzulande bereits jedem fünften Erwachsenen mindestens einmal pro Woche so sauer auf, dass er säurehemmende Präparate braucht. Stress, Übergewicht, Alkohol und Nikotin sowie falsche Ernährung sind die Gründe dafür. Wenn der Verschlussdruck im unteren Speiseröhren-Schließmuskel zu niedrig ist, steigt Magensäure in die Speiseröhre auf, und man spricht von einem „Reflux“. „Die Refluxerkrankungen haben enorm zugenommen“, registriert Mostböck und warnt auch beim Reflux vor einer Begatellisierung. Eine ständig entzündete Speiseröhre kann auch Krebs auslösen. In der westlichen Welt verzeichnete Speiseröhrenkrebs in den letzten 20 Jahren eine Zunahme von über 400 Prozent.

Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten

Für Magen- und Darmbeschwerden stehen eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Voraussetzung für ihre Wirkung, so Mostböck, „ist immer auch eine Änderung des Lebensstils“. Das heißt in erster Linie Stressvermeidung, Rauchen einstellen, Gewichtskontrolle und gesunde Ernährung.

Bei chronischem Sodbrennen helfen neue Protonenpumpenhemmer (Säureblocker) oder, bei schwachem Schließmuskel, auch eine Reflux-OP. „Dabei wird aus dem obersten Teil des Magens eine Manschette gebildet und diese wie ein Kragen um das untere Ende der Speiseröhre gelegt“, so Reflux-Chirurg Wolfgang Feil. Dadurch wird die ursprüngliche Längsspannung der Speiseröhre wiederhergestellt und der Schließmuskel in die korrekte Position gebracht.

Für Darmbeschwerden hält die Pharmaindustrie eine eindrucksvolle Vielfalt von Medikamenten bereit. Helfen können aber auch Naturmittel. Dazu zählt etwa Pfefferminzöl, das vom Körper nicht resorbiert wird und eine beruhigende Wirkung auf die Darmschleimhaut hat. Wunder wirken kann, so Patientin Schmidt, auch eine professionelle, beruhigende Gesprächstherapie. www.drmostbeck.at , www.drfeil.at

Gestresstes Auge
Stundenlange Bildschirmarbeit schwächt die Augen. Wie man Abhilfe schafft.

Bildschirmarbeit geht ins Auge. Wer länger als drei Stunden ohne Pause am Computer sitzt, riskiert Augenschäden, warnen Augenärzte. Es sind nicht nur die Augen, die leiden, „es kommt auch zu Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen“, weiß Michael Walch, Augenarzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Walch registriert eine Zunahme von Patienten, die über asthenopische Beschwerden klagen. Dabei jucken und brennen die Augen. Walch: „Das liegt daran, dass der Lidschlag durch das Starren auf den Bildschirm abnimmt, dazu kommt trockene Luft in den Büros.“ Folge sind oft Bindehautreizungen.

Was Besserung bringt

Christa Praher-Ennöckl, 33, arbeitet viel am Computer. „Ich habe vor allem ständig Kopfschmerzen gehabt“, sagt die Kommunikationsberaterin. Die Ursache fand der Augenarzt heraus, der Praher-Ennöckl eine computergerechte Brille verordnete. Sie ist auf die Idealentfernung von 80 cm zum Bildschirm abgestimmt. Jenen, die unter brennenden Augen leiden, rät Walch zu Augentropfen. Neu sind etwa Tropfen auf Basis von Hyaluronsäure (von Croma), die für einen stabilen Tränenfilm sorgen. Es hilft aber auch, in Pausen länger ins Leere zu schauen, so Walch, um die Augen zu schonen. Infos unter: www.barmherzigebrueder. at

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– Ch. Neuhold, D. Gerstmeyer

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