Wege aus dem Burnout: FORMAT sagt, wo und wie Sie die beste Hilfe bekommen

Burnout ist oft der schleichende Beginn einer schweren Depression. Heilung bringen Psychotherapie und Lebens-Coaching durch Fachärzte und Psychotherapeuten. Spezielle Burnout-Kliniken helfen beim Neustart.

Die Gefahren des Burnouts sind den Österreichern durchaus bewusst. In einer Umfrage von Marketagent sehen rund drei Viertel der Befragten Burnout als echte Krankheit, nur für eine verschwindende Minderheit von knapp drei Prozent ist Burnout ein „in Mode gekommenes Leiden“. Für Andreas Winkler, den ärztlichen Leiter der Klinik Pirawarth im Weinviertel, ist dieses Ergebnis wenig überraschend: „Unsere Gesellschaft definiert sich verstärkt über Leistung, finanziellen Erfolg und Konsum. Das schafft Druck im Job, aber auch im Privatleben.“ Dem fühlen sich viele, vor allem ältere Personen, nicht mehr gewachsen. Winkler: „Was mit Erschöpfungszuständen beginnt, endet bei immer mehr Patienten in Depressionen.“ Und für viele in den Therapieräumlichkeiten seiner auch auf Burnout-Behandlungen spezialisierten Klinik.

Die meisten von Winklers Patienten haben dann aber schon eine längere Leidensgeschichte hinter sich. Winkler: „Burnoutgefährdet sind vorwiegend Personen mit sehr hohem Schaffensdrang und extremer Leistungsbereitschaft. Die verdrängen Warnsymptome lange und versuchen, die Situation im Job mit noch längeren Arbeitstagen und noch mehr Einsatz zu bewältigen.“ Mit oft fatalen Folgen, wie auch Karin Gutierrez-Lobos, Psychiaterin am Wiener AKH, weiß: „In vielen Fällen gehen die Betroffenen erst beim Auftreten von körperlichen Problemen, etwa extremen Schlafstörungen, Herzbeschwerden oder Reizdarm- Symptomen, zum Arzt. Durch die teilweise sehr lange Dauerbelastung können sich aber auch schon Depressionen gebildet haben.“ Wichtige, leider oft überhörte Warnsignale des Körpers sind auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen oder chronische Schmerzen im Wirbelsäulenbereich. Wer darunter leidet, sollte auf alle Fälle zum Arzt .

Individuelle Therapien

Anders als bei physischen Leiden gibt es bei Burnout nicht die Therapie. Gutierrez-Lobos: „In einem ersten Schritt grenzen wir bei jedem Patienten ab, ob er unter Burnout leidet oder ob sich schon eine Depression gebildet hat.“ Leidet der Patient unter Burnout, werden zuerst die körperlichen Symptome wie Schlaflosigkeit medikamentös behandelt. Gutierrez-Lobos: „Neben Schlafhygiene beginnt auch ein intensives autogenes Training mit Entspannungstherapien.“ Psychotherapien, bei denen vor allem persönliche Stressauslöser wie Überperfektionismus oder Angstzustände therapiert werden, ergänzen die Burnout-Behandlung.

Bei Depression beginnt eine Behandlung mit Antidepressiva und eine langfristige Psychotherapie. Gutierrez-Lobos: „Diese Behandlungen können über ein Jahr dauern. Der Patient fällt sicherlich längerfristig am Arbeitsplatz aus.“ Ergänzt werden beide Behandlungswege durch ein intensives Coaching der Betroffenen, bei dem auch mit Arbeitgebern und Vorgesetzten gesprochen wird. Im Extremfall wird dem Patienten auch zum Wechsel des Jobs geraten. „Die Patienten müssen sich von ihren gewohnten Abläufen trennen. Es macht ja keinen Sinn, wenn Betroffene nach der Behandlung weiterwursteln wie vorher. Dann treten die Probleme nur verstärkt auf, und das nächste Burnout, oft mit weitaus fataleren Auswirkungen, ist die Folge“, sagt Werner Schöny, ärztlicher Leiter des Wagner-Jauregg-Spitals und von „pro mente Austria“.

Daher warnt Schöny vor therapeutischen Schnellschüssen oder Do-it-yourself-Behandlungen. „Wenn Burnout und Depression gekoppelt auftreten, handelt es sich um eine schwere Erkrankung, deren Behandlung lange dauert, da dabei das persönliche Verhalten geändert werden muss. Das gelingt nur mit professioneller Unterstützung und der Einbeziehung aller Faktoren, beginnend bei der Ernährung, bis zum Lebenspartner.“

Zur Therapie , so Schöny, gehört auch das Erlernen des richtigen Umgangs mit Stress und Stressauslösern. Schöny: „Immer erreichbar zu sein ist kein Zeichen von Erfolg. Niemand kann und soll permanent unter Dampf stehen. Das fördert nur Erschöpfungszustände und das Gefühl, mit Situationen im Job und Privatleben nicht mehr fertig zu werden.“ Führungskräfte im mittleren Management sind davon besonders betroffen. Schöny: „Je größer der persönliche Gestaltungsfreiraum ist, desto eher ist man gegen Burnout gefeit. Beim Generaldirektor fragt niemand, warum er am Freitag nach 14 Uhr nicht mehr erreichbar ist. In typischen Sandwichpositionen wie in der mittleren Managementebene ist das genau umgekehrt. Da stoßen die Betroffenen immer wieder an ihre Gestaltungsgrenzen, müssen dabei aber trotzdem Leistungsbereitschaft zeigen. Das führt bei vielen zu innerer Resignation und Depression.“

Schritt für Schritt

Bei Burnout-Therapien gibt es keinen Fünf-Stufen-Plan zum Erfolg. Das muss auch Psychotherapeutin Lisa Tomaschek-Habrina immer wieder ihren Patienten näherbringen. „Zuerst geht es um eine Stabilisierung des Patienten, damit die psychische Abwärtsspirale gestoppt wird. Ist das gelungen, wird mit jedem Patienten ein individueller Weg zur Neuorientierung erarbeitet.“ Die erfahrene Therapeutin warnt dabei vor zu hohen Erwartungen. „Es gibt keinen Neustart, bei dem man in drei Sekunden von null auf hundert beschleunigen kann. Es ist wie bei einer Diät. Erfolg bringt nur eine dauerhafte Veränderung des persönlichen Verhaltens. Blitzbehandlungen führen – wie bei der Diät – nur zu einem Jo-Jo-Effekt, bei dem der Patient nachher schlechter dasteht als vorher.“

Die Dauer einer nachhaltigen Burnout-Therapie wird von Patienten immer wieder unterschätzt. Das muss auch Psychosomatik-Spezialistin Margot Schmitz in ihrer täglichen Arbeit immer wieder feststellen. „Es gibt keinen Schalter, den man mit einem lauten Klick umlegen kann, und die Burnout-Gefahr ist für immer gebannt. Burnout-Therapien sind wie ein langsamer Kameraschwenk, der ganz allmählich, ganz ruhig und ohne Wackeln ein größeres, übersichtlicheres Bild der persönlichen Situation ermöglicht. Wichtig ist, dass Patienten erkennen, dass es nicht mit ,einfach funktionieren‘ weitergehen kann.“

– Christian Neuhold

Burnout-Hilfe: Diese Kliniken und Institute sind auf Burnout-Behandlungen spezialisiert:

● Institut für Psychosomatik
Dr. Margot Schmitz ist Expertin für Psychosomatik.
1010 Wien, Parkring 12, 01/504 27 40
www.schmitz.at

● Klinik Pirawarth
Eigene Abteilung für Burnout-Therapie.
2222 Bad Pirawarth, Kurhausstraße 100, 0 25 74/291 60
www.klinik-pirawarth.at

● pro mente reha
Betreibt zwei auf Burnout spezialisierte Therapiezentren:
4540 Bad Hall, Parkstraße 5, 0 72 58/295 92, und
Sonnenpark Podersdorf, 7141 Podersdorf, Steinbruch 136, 0 21 77/215 39
www.promenteaustria.at

● IBOS
Spezialisten für Burnout und Stressbewältigung
1150 Wien, Gerstnerstraße 3, 01/406 57 16,
http://www.ibos.co.at

● Autonom Talent
Talent- und Stressmanagement mit ganzheitlichem Ansatz
1070 Wien, Mariahilfer Straße 54/15, 01/523 43 20,
www.autonomtalent.com

● Psychosomatisches Zentrum
Waldviertel. Eigene Burnout-Abteilung.
3730 Eggenburg, Grafenbergstraße 2, 0 29 84/202 28-0,
www.pszw.at

● Klinik Bad Aussee
8990 Bad Aussee, Sommersbergseestraße 395, 0 36 22/521 00
http://www.pszba.at

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