"Tante Emma" ist zurück: Das Comeback der Feinkostläden und Nahversorger

Nachhaltigkeit, Bio, Qualität. Feinkostläden und Greißlereien haben sich neue Nischen gesucht und Stammkunden gefunden. Ein Streifzug durch die Genusstempel zwischen Tradition und Moderne.

Tante Emma ist nicht tot. Zwar gab es noch Anfang der 1980er-Jahre rund 850 Greißlereien in Wien, und heute sind es nur noch 300 Feinkostläden. Die gute Nachricht dabei: Die Zahl der Nahversorger ums Eck ist stabil. Das oft prognostizierte Aus der Greißler ist abgewendet. Auch weil die Chefs der Spezialitätenläden neue Genussnischen gesucht und gefunden haben. Den Kunden gefällt’s.

Qualität setzt sich durch

Wer das Besondere sucht, vom Einheitsbrei der großen Supermarktketten genug hat, hat heute seinen eigenen Delikatessen dealer. Einen wie Christian Rumpel zum Beispiel. Bereits in dritter Generation führt der Wiener einen Feinkostladen, den er 1980 als Fleischhauerei von seinem Vater übernommen hatte. 1992 änderte er das Konzept. „Man ist als Fleischhauer ökonomisch nicht mehr überlebensfähig gewesen, so lag es nahe, meinen Traum, ein Delikatessengeschäft nach internationalem Vorbild aufzubauen, zu verwirklichen“, resümiert Rumpel, der sich über die Jahre im noblen Wiener Bezirk Hietzing eine treue Stammkundschaft aufgebaut hat. „Ich kenne alle meine Kunden persönlich“, fügt er hinzu. Die Feinkostklientel schätzt nämlich nicht nur Top-Qualität, sondern auch individuelle Beratung und familiäre Atmosphäre, für die diese Läden stehen. „Alles, was es bei mir zu kaufen gibt, habe ich selbst beim Produzenten ausgewählt“, hält Rumpel fest.

Von der Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Gustostückerln profitieren aber nicht nur Spezialitätenbetriebe wie jene von Robert Opocensky oder die Genussbastion Meinl am Graben, sondern auch Newcomer im Feinkostsegment. Der bewusste Konsument ist nach etlichen Lebensmittelskandalen und ständigen Gentechnik-Debatten sensibilisiert. Regionale und Bioprodukte sind hoch im Kurs.

Lifestyle-Genuss

Auch bei Gastronom Bernd Schlacher , der am Wiener Donaukanal gleich ein dementsprechendes Gastro-Konzept entworfen hat. „Im Mittelpunkt stehen Frische und Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit“, erörtert der clevere Geschäftsmann, der nach der Eröffnung der Bar „Motto am Fluss“ (15. 7.) an der neuen Twin-City-Liner-Anlegestelle Ende August neben dem Restaurant auch eine Nobelgreißlerei einrichten wird. Im Angebot: Brot aus dem hauseigenen Backofen sowie hochwertige Take-away-Meals. Eine Idee übrigens, die andere Edelgreißler schon länger erfolgreich umsetzen. Der Traditionsbetrieb Böhle in der Wiener Innenstadt hat schon seit Jahren ein angeschlossenes Bistro und bietet ein täglich wechselndes Mittagsmenü zu ausgesprochen fair kalkulierten Preisen. Da bleibt meist noch was im Börserl übrig, für die eine oder andere Köstlichkeit zum Mit-nachhause-Nehmen.

– Dina Elmani, Manfred Gram

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