Steinle: „Menschen wollen nicht immer das Billigste haben“

Zukunftsforscher Andreas Steinle über gesteigertes Preisbewusstsein, Qualität & Nachhaltigkeit.

Format: Herr Steinle, Rabattjagd und Preisvergleich scheinen zum neuen Lebensgefühl der Konsumenten geworden zu sein. Man verkündet stolz, wenn man Schnäppchen schlägt. Woher kommt diese Umdeutung?

Steinle: Die Menschen wurden über die Jahre zum unternehmerischen Denken erzogen. Das Internet hat da für die entsprechende Preistransparenz gesorgt. Diese Transparenz der Preise steigert natürlich auch die Tendenz, Preise zu vergleichen. Es ist heutzutage nicht mehr peinlich, wenn man genau hinschaut und die Angebote abwiegt. Es ist aber natürlich nicht so, dass Menschen immer das Billigste haben wollen.

Format: Es kommt also eigentlich auf die Qualität an?

Steinle: Ja, und vor allem auf die Nachhaltigkeit. Konsumenten sind nicht nur preisbewusster geworden, sie fragen vermehrt, wo ein Produkt herkommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Man verfolgt einen bewussteren Konsum. Ein gutes Beispiel ist etwa die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker. Die Kunden sind nicht zuletzt wegen des schlechten Images von Schlecker weggeblieben: Schlechte Behandlung der Mitarbeiter, wenig/kein Angebot an Bio-/Fairtrade-Produkten – so etwas ist modernen Konsumenten nicht mehr egal.

Format: Qualität wird zudem erschwinglicher, alleine durch die Rabattangebote diverser Internetanbieter …

Steinle: Das Internet trifft in diesem Fall die Sehnsucht der Konsumenten, Premiummarken günstig zu erwerben. Das ist natürlich die Killer-Applikation. Im Menschen steckt eben immer noch ein Jäger und Sammler. Die Verkaufsplattform Vente-Privee, die Designermarken verkauft, ist nicht umsonst mit 1,1 Mrd. Euro Umsatz eine der erfolgreichsten Online-Unternehmen Europas.

Format: Inwiefern spielt eigentlich Geiz ein Rolle in diesem System?

Steinle: Geiz ist kein guter Antrieb und nach wie vor negativ konnotiert. Geiz als solcher hat keinen Wert und jeder weist Vorwürfe, geizig zu sein, üblicherweise sofort von sich. Der bekannte Slogan „Geiz ist geil“ spielt letztlich mehr mit dem aufgeklärten Lebensgefühl, das entstand, als die Preise transparenter wurden. Dem Kunden wird suggeriert, dass sie klug sind, sich nicht verschaukeln lassen, oder auf Marketingsprüche reinfallen. Dass die Waren dieser Medienmarkt-Kette nicht wirklich billiger als anderswo sind, ist ein kleiner Treppenwitz.

Format: Wo würden Sie Grenzen bei Preisschlachten sehen?

Steinle: Versucht man jemanden zu übervorteilen, oder übertreibt es mit dem Preiskampf, wird es hässlich. Wenn Ikea, wie in Belgien zuletzt das Steak mit Fritten für 2,50 Euro anbietet, kippt meiner Meinung nach das Rabatt-Prinzip zu Lasten einer verantwortungsvollen Nahrungsmittelproduktion und der Diskont zeigte seine Fratze.

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