Sabine Wiedenhofer lebt den amerikanischen Traum

Sabine Wiedenhofer lebt den amerikanischen Traum

Sabine Wiedenhofer wusch mit 13 Jahren Gläsern im Pub, eroberte mit 15 Amerika und war sich für keinen Job zu gut, um frei für die Malerei zu sein.

Sabine Wiedenhofer, 38, gibt sich Led Zeppelins "Whole Lotta Love“ in voller Lautstärke. Sie vermischt Sand und Ölfarbe in kräftigem Violett und verspachtelt die Masse auf der großformatigen Leinwand. Musik und Werk sind eine Reminiszenz an ihren verstorbenen Vater, an ihre Jugend im Gemeindebau, den Aufbruch in die USA und ihren Aufstieg von der Kellnerin zur Künstlerin. Wiedenhofer malt, fotografiert ihre Gemälde und verändert die Fotografien digital mit Öl oder Acryl. Die Bilder sind Spiegel ihrer Welt. Heute hängen die Werke von Wiedenhofer in der Galerie Kovacek zwischen Gemälden von Rudolf von Alt, Max Liebermann, Alfons Walde oder Josef Mikl. Der neueste Coup der Wienerin mit italienischen und ungarischen Wurzeln: Die Motive ihrer jüngsten Werke "Barcode“ und "Cubes“ werden in der Seidenweberei Flemmich verwebt und nach dem Design der Künstlerin zu Etuikleidern, Dirndln und Cocktailkleidern verarbeitet. Für Wiedenhofer hat sich ein Traum erfüllt. "Trotzdem darf man nie vergessen, woher man kommt“, sagt sie.

Weg aus dem Gemeindebau

Aufgewachsen in der Vorstadt am Rennbahnweg, ging die Künstlerin schon in früher Jugend mit Verve an die Arbeit und sehnte sich nach der großen, weiten Welt. "Die Malerei war immer schon mein Ventil und meine Ausdrucksmöglichkeit.“ Sie entwarf ihre Kleider auf Papier, und Oma nähte die Modelle. Mit dreizehneinhalb Jahren verdiente sich die Gymnasiastin ihre ersten Schuhe im Harley Pub in der Wiener Hegelgasse mit Gläserwaschen und Aschenbecherputzen. "Das war leichtes Geldverdienen neben der Schule.“ Mit 15 hatte Wiedenhofer so viel Geld gespart, dass sie vier Monate mit "Birkenstock-Schlapfen“ und einer "alten Kraxn“ durch die USA touren konnte. Wiedenhofer entdeckte die Freiheit ohne Grenzen. Verbiegen ließ sie sich jetzt nicht mehr - auch nicht von Professoren. Sie verwarf den Plan, auf die Universität für angewandte Kunst zu gehen, entschied sich fürs schnelle Geldverdienen und die Malerei. Sie jobbte als Assistentin in der Urologie, kellnerte, arbeitete im Reisebüro, heuerte in der Werbeagentur Strat.com an und erfand zuletzt für Ralph Vallon den Club Cuvée nach Vorbild eines privaten Member-Clubs in London.

Ihre PR-Kontakte verhalfen ihr dann auch zu den ersten Ausstellungen. "Geschenkt ist mir nie etwas worden, ich musste immer selber rennen, damit ich ausstellen konnte.“ Erst malte sie Augen, Engel und wählte die Freiheit der Frau als zentrales Thema. Nach ihrem Debüt mit ihren "Venusfrauen“ in Bernd Schlachers "Motto“ gab ihr der damalige Austria-Tabak-Boss Beppo Mauhart die Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren. Ihren Laudator fand sie in Heinz Schimanko von der Eden Bar. Der wollte allerdings sicher sein, dass Wiedenhofer kein "höheres Töchterl“ ist, denn für die hatte er nicht viel über. Sie sollte schon aus demselben Holz wie er geschnitzt sein.

Bausteine des Lebens

Erste Erfolge stellten sich ein. "Ich hatte gut verdient und dachte, jetzt ist es Zeit, dass ich etwas davon zurückgebe.“ Ihre Ausstellung im Schloss Leonhardstein widmete sie einem guten Zweck: für "Ärzte ohne Grenzen“. Es folgte eine Benefizgala im Palais Ferstel, wo Klaus Maria Brandauer die Festrede hielt und sich prominente Unterstützer wie Postchef Georg Pölzl, die Porsche-Enkel Michael und Ronnie Piëch oder Billa-Gründer Karl Wlaschek einfanden. Das war 2009. Wiedenhofer entschied sich für eine schöpferische Pause und widmete sich ihren zwei Kindern. Danach arbeitete sie an der Serie "Cubes“, welche die Bausteine des Lebens darstellen. "Sie zeigen, wie gläsern, zerbrechlich, aber auch wie stark wir letztendlich sind“, beschreibt die Künstlerin. Ihre "Barcodes“ symbolisieren hingegen "die Spur, die jeder von uns hinterlässt, unseren ganz individuellen Lebenscode“.

Wiedenhofer wird auch Spuren auf dieser Welt hinterlassen. In Österreich hat sie das schon. Nächstes Jahr nimmt sie sich England vor, wo sie ihren Lebenscode auf der Frieze Art Fair London präsentieren wird.

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