Rote-Nasen-Präsidentin Monica Culen lädt sich bei Tai-Chi auf

Rote-Nasen-Präsidentin Monica Culen lädt sich bei Tai-Chi auf

Monica Culen, 65, strahlt das aus, wofür sie lebt: Kraft, Freude, emotionale Intelligenz, aber auch innere Ruhe. Wahrscheinlich sind es auch diese Eigenschaften, die sie veranlassten, vor zwei Jahrzehnten die Rote Nasen Clowndoctors zu gründen.

Den Anstoß dazu gab Michael Christensen, Mitbegründer des New Yorker "Big Apple Circus“, der damals für seinen krebskranken Bruder im Spital Clowning machte. Dabei wollte die gebürtige Wienerin nie wieder etwas mit Krankenhäusern zu tun haben. "Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen an meine Kindheit in der Lungenheilanstalt. Und Clowns fand ich als Kind immer grässlich.“

Wahrscheinlich ist es als Ironie des Schicksals zu werten, dass Culen Gründerin und Präsidentin der weltweit größten Vereinigung von Spitalsclown-Organisationen ist. Von Österreich aus baute Culen die Clowndoctors-Organisation in Deutschland, Ungarn, Slowenien, Tschechien, der Slowakei, Kroatien, Polen, Palästina und Neuseeland auf. Im Vorjahr besuchten 300 Clowns in zehn Ländern mehr als 545.000 kleine und große Patienten in 200 Spitälern. Das Konzept, egal in welchem Land, ist immer das gleiche: Die Clowndoctors gehen in Krankenhäuser, Geriatrie- oder Rehabilitationszentren und muntern dort mit ihren Späßen die Patienten auf. "Ein Clown vermag oft mehr als medizinische Hilfen“, erklärt Culen, "er nimmt Kindern die Angst, gibt ihnen neue Lebensfreude oder hilft alten Menschen, aus ihrer Erstarrung zu erwachen.“

Culen hat nicht nur am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, im Krankenhaus zu sein. Sie weiß auch, was es für Eltern und Angehörige heißt, wenn man sieht, wie ein Kind immer schwächer wird. "Ich habe eine Enkelin, die mit einem halben Jahr an Leukämie erkrankte. In dieser Phase habe ich durch meine Arbeit sehr viel gelernt.“ Dabei weist sie darauf hin, dass gerade Kinder sich oft aufgeben, weil sie seelisch die Behandlungen nicht aushalten. Und in diesem Stadium versuchen die Clowndoctors, mit ihren Späßen therapeutisch zu helfen. "Schon Sigmund Freud sagte, Lachen sei eine unabdingbare Voraussetzung für Lebensfähigkeit“, unterstreicht Culen den Einsatz der Roten Nasen. Wenn Eltern in der Onkologie-Ambulanz ängstlich auf die Ergebnisse warten und die Clowns sie zum Lachen bringen, weiß Culen, dass sie gute Arbeit geleistet haben.

Doch nicht immer war die Bereitschaft der Spitäler und Krankenhäuser da, Clowns einzulassen. Culen musste gegen Vorurteile, aber auch um Spender kämpfen, um ihr Projekt zu realisieren. Die erste Spende in Höhe von 50.000 Schilling erhielt sie von Bürgermeister Helmut Zilk mit den Worten: "Frau Culen, daraus wird nie etwas.“ Culens kämpferisches Naturell und ihre berufliche Erfahrung - Öffentlichkeitsarbeit für INSEAD Fontainebleau und PR beim OPEC Fund for International Development - gaben letztendlich den Ausschlag, dass Zilk nicht Recht behielt. Seinen Ratschlag, nur die besten Künstler zu engagieren, hat sie beherzt. Rote-Nasen-Clowns sind speziell geschult, kommen aus dem Bereich darstellender Kunst und sind mit einem fixen Honorar finanziell abgesichert.

Der Erfolg gibt Culen Recht. Abgesehen von der seelischen Unterstützung für Kranke haben die Roten Nasen für ihr soziales Engagement schon viele Auszeichnungen eingeheimst. Und Monica Culen wurde schon zur Österreicherin des Jahres gewählt. Sie ist immer auf Achse, ob im Auftrag der Roten Nasen, als Präsidentin der European Federation of Hospital Clown Organizations oder als Vorstand des Fundraising Verband Austria.

Chinesisches Schattenboxen

Doch ab und zu muss auch sie innehalten, um Energie zu tanken. Und dabei helfen ihr fernöstliche Zen-Meditation und das chinesische Schattenboxen Tai-Chi. "Ansonsten würde ich den Wahnsinn meines Jobs nicht aushalten“, gibt Culen lachend zu. Mit der Zen-Meditation ist die NGO-Lady schon seit zwei Jahrzehnten vertraut. Nach dem Tod ihrer Mutter suchte sie das Seminarhaus "Die Lichtung“ in Rastenberg auf, wo sie sich erstmals mit Zen beschäftigte. "Die Philosophie ist, eine seelische Unberührtheit zu schaffen, damit man nicht sofort mit jeder Aufregung in große Verzweiflung gerät. Zen gibt mir eine innere Ruhe.“ Die Übung ist einfach: Man konzentriert sich vollkommen auf die Aktivität, die man gerade ausübt, ohne dabei anderen Gedanken nachzugehen.

Das Schattenboxen verlangt Culen schon mehr Aufmerksamkeit ab. Die Choreografie besteht aus 24 verschiedenen Bewegungen, die zu einer Förderung der Beweglichkeit, des Gleichgewichtsempfindens, der Ruhe und Entspannung führen. "Die Bewegungen sollen aneinandergereiht in etwa 15 Minuten gemacht werden. Ich bin meist schon nach neun Minuten fertig. Das Langsame fällt mir immer noch schwer“, gesteht Culen. Dafür ist sie konsequent. Wo immer sie Zeit hat, macht sie ihre Tai-Chi- Übungen, auch auf ungewöhnlichen Plätzen.

Erst kürzlich übermannte sie die Müdigkeit auf dem Weg nach Ungarn. "Da hielt ich auf einer Tankstelle an, zog mir die Schuhe aus, raffte meinen Rock und machte auf dem mickrigen Parkplatz meine Übungen.“ Das Staunen der Lkw-Fahrer tangierte Culen nicht im Geringsten. Sie war mit ihren Gedanken ganz in ihrem Innersten und ließ ihr Qi fließen.

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