Rabenhof-Chef Thomas Gratzer zelebriert ein Hochamt in der Küche

Thomas Gratzer, Direktor des Rabenhof-Theaters, muss das Leben in jeder Phase spüren: ob nächtens auf der Piste, schweißtreibend im Gym oder meditativ am Herd.

Rabenhof-Chef Thomas Gratzer zelebriert ein Hochamt in der Küche

"Salzen, aber nicht zu knapp!", so lautet die Anweisung des Experimentalphysikers Werner Gruber für den perfekten Schweinsbraten. Thomas Gratzer, 50, seines Zeichens Direktor des Wiener Rabenhof-Theaters, wo auch Gruber in den "Science Busters“ auftritt, nahm den Tipp ernst. "Doppelte Menge Fleisch ist doppelte Menge Salz“, glaubte er: "Das war ganz böse. Aber alle haben brav aufgegessen“. Dabei sollte es Gratzer eigentlich besser wissen, denn seine Lehrjahre verbrachte der heutige Theaterdirektor im Hotel Imperial als Koch- und Kellnerlehrling. In der Schule taugte er nichts, also bestand die Mutter darauf, dass er einen Beruf erlernt. Gratzer fand Gefallen an Thomas Manns Romanfigur "Felix Krull“, dem Hochstapler, der vom Liftboy im Hotel zum Oberkellner aufsteigt. Schon bald ging ihm die "Old School“ im Imperial jedoch ziemlich auf die Nerven. "Wir mussten mit kurzgeschorenen Haaren im Affenkostüm herumlaufen“. Im Hotel war die Kostümierung ja noch erträglich, doch als Gratzer zu McDonald’s geschickt wurde, um Burger zu holen, war das für ihn der reinste Spießrutenlauf.

Kindermärchen & nackte Tatsachen

Bald quittierte er den Job - "die Mama ist heute noch traurig“ - und wechselte an die Schauspielschule Krauss. Ein ehrwürdiges Haus, wo auch Karlheinz Hackl und Dolores Schmidinger ausgebildet wurden. Gratzers Talent wurde erkannt, und er bekam seine erste Rolle "als vierte Geiß im Wolf und die sieben Geißlein“. Seinen ersten großen Erfolg hatte der gar nicht auf den Mund gefallene Kremser dann mit "Mike und Madonna“, bevor ihn Otto Schenk an die Josefstadt holte. Gemeinsam mit Kollegen gründete Gratzer danach die Gruppe "Habsburg Recycling“, quasi ein Vorläufer der derzeit so umtriebigen Kabarettisten von Maschek. Und da ließ es der sympathische Glatzkopf so richtig krachen. Erst nahm er auf der Bühne Bezug auf den Skandal um Kardinal Groër und verunglimpfte den Papst, gespielt von Tini Kainrath, deren Soutane den Blick auf ihren Allerwertesten frei ließ.

Skandal! Die Gerichte wurden befasst. Zwei Freisprüche, aber in dritter Instanz wurde Gratzer wegen "Herabwürdigung religiöser Lehren“ verurteilt. Mittlerweile ist die Vorstrafe getilgt. Dieses Jahr feiert Gratzer sein 10-jähriges Jubiläum als Direktor im Rabenhof. Der Workaholic programmiert rund 320 Vorstellungen im Jahr und erfreut damit 85.000 Zuseher - "trotz Minisubvention“ auch kommerziell nicht unerfolgreich. An drei, vier Abenden in der Woche kommt der Meister kaum vor dem ersten Vogelgezwitscher aus dem Theater. Deshalb: "Man muss schon eine gewisse Disziplin haben.“ Aber: "Man muss auch seine Grenzen ausloten und die Sau raus lassen, das Leben spüren, sonst ist man nicht kreativ“.

Schlachtfeld Küche

Kochen ist ein Rezept um wieder runterzukommen. "Rückzug, Fitnesscenter, dann die Heilige Messe: ein Gulasch zubereiten!“ Gratzers Bibel sind die Rezepte von Werner Gruber und von Rindfleisch-Papst Plachutta, die Inspiration holt er sich am Bobo-Markt im Karmeliterviertel. Fleisch kauft er gerne beim Dennis. "Der hat mir einen Verbesserungsvorschlag für den Schweinsbraten verraten. Würzen und dann mit Senf einreiben, super!“ Dabei ist Gratzer bis vor drei Jahren nicht darüber hinausgekommen, "ein paar Frankfurter zu wärmen. Eine Eierspeise war schon eine harte Übung“. Dann musste er für die Kinder Max und Moritz sorgen. Doch wie? Kochbücher mussten her und der Rat der Mama. "Sie kennt alle Wiener Klassiker, ob Rindsrouladen, Schinkenfleckerl oder Reisfleisch. Das ist genau meines.“

Gratzer war motiviert. "Ich habe nicht nur meine Kochkünste verfeinert, sondern kann mich dabei auch gut entspannen. Allerdings zum Leidwesen meiner Frau. Denn wenn ein Mann kocht, geht es zu wie im Krieg“, beschreibt der Herr Direktor den Zustand der Küche nach getaner Arbeit. Gratzers Meisterstück ist natürlich das Gulasch. Schön sämig muss es sein. Und das gelingt nur durch langes und gleichmäßiges Garen. "Denn im Schnellkochtopf zerfällt das Kollagen zu rasch“, verrät der Hobby-Koch. Je nach aktueller Laune wird mit Chili oder Sauerrahm verfeinert. "Die Zeremonie dauert vier Stunden. Das ist das Hochamt.”

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