Österreichische Manager testen heimische Designer

Im Zuge des „11. festivals for fashion und photography“ haben modemutige heimische Manager für FORMAT die Kollektionen österreichischer Männermodedesigner auf Businesstauglichkeit getestet.

Während heimische Events wie das am 6. Juni startende „festival for fashion & photography“ keine Kosten und Mühen scheuen, Wien als Modestadt auch am internationalen Parkett zu verankern und das Image der heimischen Designer kräftig aufzupolieren, hat Design made in Austria abseits von schrägen Catwalk-Shows und Society events trotz zahlreicher internationaler Erfolgsgeschichten (Christian Poell, Wendy & Jim, Petar Petrov) immer noch mit vielen Klischees zu kämpfen.

Das zeigte sich auch bei unserem Shooting, zu dem wir heimische Business-Männer baten, um österreichische Designerstücke einem Tauglichkeitstest zu unterziehen. Auch bei durchaus designaffinen Managern wie etwa Büromöbel-Chef Thomas Bene, der selbst tagtäglich mit Möbeldesignern zu tun hat, herrschte Skepsis und eine gewisse Hemmschwelle: „Österreichische Männermode, in meiner Größe? Die gibt es doch gar nicht.“ „Ich bringe meinen auf den Leib geschneiderten Anzug von Christian Poell lieber selber mit, sonst passen andere Stücke vielleicht nicht“, gab sich auch der Kreativchef des Kunsthistortischen Museums Stefan Zeisler besorgt.

Und in der Tat, eine gewisse Skepsis war berechtigt, wie die aufwendige Stylisten-Tour durch die Ateliers der Designer im Vorfeld zeigte. Jene Männer-Designer, die noch nicht wie Petrov oder Poell international agieren, haben im Alltag vor allem mit zweierlei zu kämpfen: mit der Erreichbarkeit ihrer Stücke mangels eigenen Showrooms und Vertriebsorts abseits des Ateliers und der in der Regel zu geringen Auswahl an Kollektionsteilen in allen Größen. Das bestätigt auch Patrizia Fürnkranz-Markus, Gründerin des Labels Pollsiri und Innungsmeisterin des Bekleidungsgewerbes Wien. Sie sitzt zudem in der Jury für den Austria Fashion Award und kennt die Probleme der Jungdesigner nur allzu gut.

Vor allem in der Männermode, wo immer noch ein klassischer wie qualitätsvoller Businesslook gefragt ist, gehe es um die Produktionskosten: „Die wenigsten Designer können ihre eigenen Entwürfe perfekt sitzend umsetzen, brauchen daher einen guten Schneider; wobei die Produktion in Österreich teuer ist.“ 20.000 Euro müsse man für eine Kollektion – vom Stoff über den Schnitt bis zur Produktion – veranschlagen, rechnet die Expertin vor.

„Die Kollektionsteile werden dann natürlich in den Größen 46/48 für sehr schmale Models am Laufsteg gefertigt und sind keineswegs alltagstauglich.“ Für die Produktion weiterer Teile in den gefragten Größen 50/52 fehlt den Jungunternehmern meistens das Geld. Diese werden nur auf Anfrage angefertigt. Umso mehr gelte es, so Fürnkranz-Markus, in dem Unsummen verschlingenden Business kalkulieren zu lernen und nicht nur auf Förderungen zu setzen. Dann könnte auch das durchaus vorhandene Kreativpotenzial der heimischen Szene zum blühenden Geschäft werden.

– Michaela Knapp

11. festival for fashion & photography, 6. bis 11. Juni
Auch heuer präsentiert man einen dichten Programm-Mix aus Modeschauen, Guerillastores, Fotoausstellungen und Theorie zum Biz. So wird etwa die niederländische Trendforscherin Li Edelkoort zu einem ihrer Seminare in Wien erwartet (7. 6.). Der zentrale Veranstaltungsort ist das Museum für Völkerkunde. Programminfos: www.11festival.at

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