Nikolaus Berlakovich gräbt am liebsten in der Vergangenheit

In seinem Job entscheidet er über die Zukunft, in seiner Freizeit gräbt er in der Vergangenheit. Die Leidenschaft von Minister Nikolaus Berlakovich heißt Archäologie.

Nikolaus Berlakovich gräbt am liebsten in der Vergangenheit

Die Überraschung war gelungen: Zu seinem 50. Geburtstag vergangenes Jahr bekam Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich von seinen Mitarbeitern eine kleine Holzkiste überreicht. Aus dem feinen Sand, der das Innere auskleidete, ragten Fragmente von Tonscherben heraus, seitlich steckte ein Miniaturspaten. Nach kurzem Rätselraten wurde das Geheimnis gelüftet: Der an alten Kulturen interessierte Minister darf einen Tag lang bei den Ausgrabungen in Ephesos dabei sein, wo das Österreichische Archäologische Institut seit 1895 viele wichtige Funde gesichert hat.

Vergangene Woche trat Berlakovich mit seiner Familie die Reise zu den Ruinen in die geschichtsträchtige Stadt in der Türkei an und verband dies gleich mit seinem Sommerurlaub. Schon als Kind hatte der Minister eine große Affinität zu archäologischen Funden. „Am Anfang lockte mehr das Abenteuer, Hügel zu ergraben und alte Kulturen wie Troja zu entdecken“, erinnert sich der Landwirt und VP-Politiker.

Unterstützung bekam er auch von seinem Großvater mütterlicherseits, der geschichtlich sehr interessiert war. Nach dessen Tod fiel dem Enkel das große Archäologie-Sachbuch „Götter, Gräber und Gelehrte“ von Kurt Wilhelm Marek in die Hände, das ihn dann vollends in seinen Bann zog. „Das Großartige an diesem Buch ist, dass Marek von den größten Erfolgen der Archäologie in den vergangenen 200 Jahren berichtet, allerdings in Form eines Tatsachenromans“, beschreibt der Hobbyarchäologe den Inhalt.

Troja, Babylon und Ägypten

Marek erzählt von Heinrich Schliemanns Entdeckung der Stadt Troja, Robert Koldeweys Forschungen im alten Babylon und Flinders Petries Ausgrabungen in Ägypten. Animiert von den spannenden Storys, hat Berlakovich längst viele dieser historischen Städten besucht, ob in Rom, Karthago, Mykene oder Athen. „Für mich ist Archäologie die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.

Es ist faszinierend zu erfahren, wie die Menschen in vergangenen Epochen zusammen lebten, ihre Ernährung gesichert und Kunst und Kultur entwickelt haben“, beschreibt der Politiker seine Passion. Sein Interesse was so groß, dass er in seiner Jugend sogar überlegt hatte, Archäologie zu studieren. Er wurde jedoch vor dem „brotlosen Job“ gewarnt und darauf hingewiesen, am Ende des Tages dann doch nur in einem Museum „voller Scherben“ zu sitzen. Also entschied sich Berlakovich, in die Fußstapfen seiner Familie zu steigen und Landwirtschaft zu studieren. Bei der praktischen Ausübung am Feld im burgenländischen Nebersdorf hat er dann auch einen historischen Fund gemacht: Es waren Tonscherben von Töpfen, auf denen sogar Fingerabdrücke zu finden waren.

„Der Mensch ist zwar vergänglich, dachte ich mir, aber er hat eine Spur hinterlassen“, philosophiert Berlakovich. In seiner Heimatgemeinde sind historische Funde freilich keine Seltenheit. Speziell im Mittelburgenland haben etwa die Kelten in großem Umfang Eisenerz gewonnen. Noch heute zeugen trichterförmige Vertiefungen, die sogenannten Pingen, von der Bergbautätigkeit. Auch der jungsteinzeitliche Sonderfund der Venus von Unterpullendorf ist ein Zeugnis der Vergangenheit; Berlakovich besitzt davon sogar eine Replika (siehe Bild). Vielleicht ist der Hobbyarchäologe ja auch in Ephesos fündig geworden. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft war die Reise in die Vergangenheit jedenfalls: Später einmal, in der Pension, möchte Berlakovich öfter an großen Ausgrabungen teilnehmen.

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