Mumbai: Eine aufregende, abstoßende und unterschätzte Stadt

Endlich geht es wieder nonstop von Wien nach Mumbai. Wir sind mitgeflogen und haben eine moderne, vitale und bunte Metropole entdeckt. Und von Mumbai geht es weiter zu den Traumorten Südindiens.

Kürzlich verbrachte ich einige Tage in Mumbai, der Stadt, die einst Bombay hieß. Der Anlass war ein erfreulicher. Seit Ende Oktober besteht wieder eine Nonstopverbindung zwischen Wien und der indischen Metropole. Das ist gut für alle, die diese gleichermaßen aufregende, abstoßende und als Reiseziel unterschätzte Stadt kennen lernen wollen, und natürlich auch für alle, die nach einer anstrengenden Stadtbesichtigung weiter reisen wollen zu den Traumlandschaften Südindiens, nach Goa, nach Kerala oder Tamil Nadu.

Stadtgespräch war in diesen Tagen die Villa des Milliardärs Mukesh Ambani, die demnächst mit einer Riesenparty eingeweiht werden wird. Ambanis Vermögen wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Damit zählt er zu den reichsten Männern der Welt. Seine neue Bleibe steht am Ufer des Arabischen Meeres, ist 27 Stockwerke hoch, von denen sechs als Garage für die eindrucksvolle Auto-Sammlung dienen, und hat angeblich eine Wohnfläche von 30.000 Quadratmetern. Zur Ausstattung gehören drei Helipads, mehrere Swimmingpools, ein Kino, hängende Gärten und vieles mehr, was man als Milliardär so braucht. Dort wohnt er nun mit Frau und drei Kindern – und angeblich mehr als hundert Bediensteten. In einer lokalen Zeitung las ich eine treffliche Beschreibung des Baustils: „Blade Runner meets Babylon“.

So ragt nun dieser eigenwillige Wohnturm zwischen den niedrigen Häusern und Hütten empor, die nach wie vor das Bild von Mumbai prägen. Und ist damit zum neuen Symbol geworden für diese Stadt der Gegensätze. Nirgendwo anders prallen so unvermittelt Reichtum und Armut, Luxus und Elend, Moderne und Rückständigkeit aufeinander wie hier. Mumbai kann sich der weltweit höchsten Quadratmeterpreise bei Grundstücken und Wohnungen rühmen und der weltweit größten Slums.

Die Slums werden nicht schamvoll versteckt. Seit dem Film „Slumdog Millionär“ und seinem weltweiten Erfolg ist Dharavi, dieser größte Slum der Welt, zu einer Touristenattraktion geworden. „Wollen Sie nach Dharavi? Sie sollten es sehen. Ist völlig ungefährlich“, fragen mich die Touristenfänger im Stadtteil Colaba. Wer also die Favelas von Rio und die Townships von Johannesburg besucht hat, kann hier seine Slum-Collection vervollständigen. Wenn Sie mich fragen, dann ist das Elendspornografie. So lasse ich diesen Ausflug aus.

Mumbai ist vor allem eine boomende und pulsierende und trendige Metropole. Nirgendwo wird das besser sichtbar als im Stadtteil Bandra, der in den letzten Jahren zum hippen Vorzeigeviertel geworden ist. Hier wohnen die Kinohelden aus Bollywood, die Cricket-Stars und die reiche Boheme. Hier gibt es trendige Boutiquen, die so auch in New York stehen könnten, coole Cafés, gestylte Restaurants und elegante Boutique-Hotels.

Wenn man eine Stadt loben will, dann sagt man gern, sie würde alle Sinne ansprechen. Für Mumbai trifft das ganz besonders zu. 24 Stunden am Tag. Der hupende und kreischende Lärm von Motorrädern, Autos und Bussen; der Geruch von Garküchen und Märkten; die leuchtenden Farben der Saris, der kleinen Tempel und der riesigen Filmplakate mit den bunten Szenen aus aktuellen Bollywood-Filmen. Und der sensationelle Geschmack des Streetfood. Wenn Sie wie ich ein eher vorsichtiger Mensch sind und den sanitären Verhältnissen der fahrenden Küchen nicht ganz trauen, dann empfehle ich Swati Snacks; hier gibt es authentisches Streetfood in sauberem Ambiente.

Die Leute aus Mumbai vergleichen ihre Stadt gern mit New York. Viel spricht für den Vergleich: größte Stadt des Landes, Kultur-, Finanz- und Wirtschaftszentrum, eine dynamische, kosmopolitische Metropole, auf einer Insel gelegen, die sich von Norden nach Süden erstreckt. Und wie New York hat auch Mumbai einen Horror-Tag, der sich tief in die Psyche eingeschrieben hat. Was den New Yorkern ihr 9/11 ist, ist den Mumbaikars der 26. November 2008. An diesem Tag überfielen Terroristen die Stadt und richteten an mehreren zentralen Orten Blutbäder an.

Eines der Ziele der Terroristen war das Taj Palace Hotel, Indiens schönstes, prächtigstes und berühmtestes Hotel. Der alte Palast wurde fast vollständig zerstört. Vor einigen Monaten wurde er wiedereröffnet. Schöner denn je. „Alles wurde aufwendig in Handarbeit hergestellt“, erzählt mir Nikhila Palat, die Public-Relations-Managerin, die mich durchs Hotel führt. So sitzt der Gast wieder in der schönen Harbor Lounge und blickt aufs berühmte Gateway of India.

- Gerald Sturz

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