Mitten im Zweiten: Das neue stilwerk am Wiener Donaukanal

Mit „stilwerk Wien“ hat die Stadt im neuen Jean-Nouvel-Hotel am Donaukanal ab 4. 12. ein eigenes Designcenter und die deutsche Dachmarke ihre erste Auslandsdependance.

Die Erfolgsgeschichte kam ungewollt ins Rollen. Anfang der 1990er stand eine alte Malzfabrik im Hamburger Hafen zum Verkauf, ein Designcenter war angedacht. Der kunstinteressierte deutsche Unternehmer Bernhard Garbe, der von 1965 an Wohnimmobilien in Norddeutschland hochgezogen und sich später auf Gewerbeprojekte konzentriert hatte, entwickelte ein Konzept, das führende und qualitätvolle Designmarken in einem Haus vereinen sollte. Der Name dafür war schnell gefunden. Aus einem anderen Begriff für Design und dem alten Werk kreierte man stilwerk .

Ein Name, der sich mit der Eröffnung des Hauses 1996 schnell zu einer Dachmarke für einen Designtempel entwickelte. Nach Filialen in Berlin, wo man 1999 eröffnete, und Düsseldorf (2000) geht man nun mit dem Konzept erstmals über Deutschland hinaus: Am 4. 12. eröffnet stilwerk seine erste Auslandsdependance in Wien. Auf drei Etagen des neuen Fünf-Sterne-Hotels von Jean Nouvel „Sofitel Vienna Stephansdom“ in der Praterstraße kann man in Sachen hochwertiges Interieur in 30 Shops fündig werden und sich von der Küche bis zum Keller anspruchsvoll einrichten.

Die Geschäfte führt mittlerweile Bernhard Garbes Sohn Alexander. Der stilwerk-Inhaber und -Betreiber erinnert sich an die Anfangsphase des Projekts: „Damals war ich 20, und mein Vater schleppte mich auf unseren Reisen durch alle Designshops von Paris bis New York.“ 2005 hat der Bankkaufmann mit abgeschlossenem Wirtschaftsstudium die Geschäfte übernommen, und sein Vater widmete sich mit der Garbe Logistik AG wieder dem Feld der Logistikimmobilien.

Alles unter einem Dach

Als ausgeklügeltes, sich permanent weiterentwickelndes Konzept wird auch stilwerk geführt. Nach Wien hat man erstmals nur die Lizenz vergeben, inklusive Marketingtools und Expertise. Das den jeweiligen Häusern eigene Lokalkolorit betont man mit der Wahl der ansässigen Gastronomie, die von Haya Molcho betrieben wird. Zudem liefert natürlich auch die in Grau, Schwarz, Glas und Stahl gehaltene Architektur von Jean Nouvel ein spezielles Ambiente, das das Einkaufserlebnis hebt.

Auf rund 6.000 m2 findet man hier nun getreu dem Motto „Die ganze Welt des Designs unter einem Dach“ einen Markenmix aller Bereiche von Klassik bis Avantgarde – ob Backhausen, Lumas, Sic Matic oder Bretz. „Der Kunde soll lange dableiben und sich wohl fühlen“, betont Garbe. Daher sei man auch davon abgekommen, sich zu elitär zu präsentieren. Denn das schaffe, so der Geschäftsmann, „nur Angst“.

Im Zentrum stehe vor allem nette und exzellente Beratung und ein extrem hohes Serviceangebot. Von stilsicher zusammengestellten Hochzeitslisten bis zur sehr persönlichen Einrichtungsberatung „roomservice“ für Wohn- und Office-Konzepte.

In Wien kann man auf dieses „Spezialservice“ nur gegen Voranmeldung zurückgreifen, es befindet sich derzeit noch in der Testphase, wie Alexander Garbe erklärt. Zweimal jährlich erscheint das eigene stilwerk-Magazin, und selbst den loungigen Easy-Sound des Hauses bringt man als CD-Reihe heraus. Zunehmend präsentiert sich stilwerk auch als eigene Designmarke für „limited editions“. In der Wiener Dependance arbeitet man dafür mit dem Galeristen Klaus Engelhorn zusammen. Eines der ersten Pieces ist der weiße Esstisch der Berliner Architektengruppe Graft. Auf neun Stück limitiert, ist „Phantom“ ab 30. 11. auch auf der DesignMiami-Messe zu sehen und selbstverständlich auch in Wien vertreten.

Preislich bewegt sich das gute Sammlerstück bei 45.000 Euro. Auf der permanenten Suche nach dem Trend von morgen gibt das Designcenter seit 2002 auch alle zwei Jahre eine Trendstudie beim Büro des Hamburgers Peter Wippermann in Auftrag. Die Ergebnisse werden dann in den jeweiligen Eventbereichen mit Designern diskutiert. „Hochgradig spannend“ findet Alexander Garbe die Entwicklung nach wie vor. Der in Hamburg lebende Designfreak sammelt selbst zeitgenössische Kunst und ist auf Street-Art spezialisiert: „Mein Großvater war Werbedesigner, und auch meine Eltern sind kunstaffin, das habe ich im Blut.“

Demgemäß ist eine Ausweitung der Erfolgsstory angedacht: In Deutschland sind München und Frankfurt angepeilt, international ist man mit Rotterdam, Stockholm und Zürich in Verhandlung. Dass das Wiener Projekt nur stockend ins Rollen kam – einige angesprochene Firmen waren skeptisch, ob die Idee in Wien angenommen wird, und haben sich die Einmietung sehr lange und gründlich überlegt –, kann den Geschäftsmann nicht in seiner Zuversicht bremsen: „Wir haben an allen Standorten Krisen gehabt und gut durchlebt. Ist der Start gemeistert, sind wir immer gut gefahren.“ Takeoff in Wien ist am 3. 12. um 19 Uhr.

– Michaela Knapp

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