"Menge und Angebot sind verführerisch“

"Menge und Angebot sind verführerisch“

FORMAT: Frau Senger, in Österreich gibt es 1,5 Millionen Singles, und die Partnerbörsen florieren im Internet. Gleichzeitig wird auch wieder mehr geheiratet. Befinden wir uns im Liebesrausch?

Gerti Senger: Dass mehr geheiratet wird, hat sicher mit der Weltpolitik zu tun. Die große Unsicherheit, Schulden- und Währungskrise, politische Unruhen und Umbrüche - es ist eine Instabilität spürbar. Da hat man den Wunsch, wenigstens über Mikrobereiche des eigenen Universums Kontrolle zu haben.

FORMAT: Und dabei lässt man sich gerne helfen?

Senger: Für mich ist der Dating-Boom nicht verwunderlich. Seit jeher ist es üblich, Beziehungen über andere herzustellen. Jetzt nutzt man eben die Chancen, die eine neue Technik bietet. Die Möglichkeiten werden vervielfältigt. Es wäre naiv, zu glauben, dass das Internet nicht auch unsere Beziehungswelt beherrscht. Egal ob man Freundschaft, Beziehungen, Partner oder Abenteuer sucht, die Vielfältigkeit der Warenwelt spiegelt sich auch in der Liebe wider.

FORMAT: Vor allem 30- bis 40-Jährige nutzen diese Möglichkeiten.

Senger: In diesem Alter ist der soziale Druck besonders hoch, wenn man nicht liiert ist. Rundherum heiraten die Freunde und kriegen Kinder. Die Eltern erwarten, dass man jemanden vorstellt. Gleichzeitig spürt man auch einen persönlichen Druck. Das setzt dem Selbstbewusstsein zu.

FORMAT: Irgendwie hat man aber den Eindruck, dass sich Pärchen, die sich online gefunden haben, auch ein wenig schämen.

Senger: Online-Kontakte haben tatsächlich nicht das hohe Ansehen, wie wenn man jemandem bei Vorlesungen oder Festen zum ersten Mal begegnet ist. Es gibt nämlich ein Tabu in unserer Gesellschaft, und das ist Hilflosigkeit. Der Schritt, im Internet zu suchen, suggeriert vermeintliche Hilfsbedürftigkeit. Wobei, viele Paare aus meiner Praxis, die sich im Netz kennengelernt haben, gehen sehr entspannt damit um. Es werden ja vor allem erfolglose Versuche verschwiegen.

FORMAT: Ist die Partnersuche online nicht vor allem eine Rasterfahndung?

Senger: Liebe ist immer schon eine Rasterfahndung und ein Screening des Gegenübers. Nun sind nur die Menge und das Angebot verführerischer. Man muss aber damit rechnen, dass die Angaben nicht stimmen. Das Ideale am Internet ist aber, dass man Zeit hat, ebendiese Angebote zu durchforsten, und man kann relativ schnell Gleichgesinnte kennenlernen. Wir leben ja auch in einer schnellen, oberflächlichen Zeit. Niemand nimmt sich mehr die Zeit, Menschen zusammenzubringen. Ich hab das immer gern gemacht. Ich habe etliche Beziehungen gestiftet.

FORMAT: Sind Sie eine gute Kupplerin?

Senger: Ja, ich habe drei Ehen und etliche Beziehungen gestiftet. Ich arrangierte Abende, damit sich zwei finden, es wäre ein Versäumnis, das nicht zu tun.

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