Lifestyle 2012: Am Puls der Zukunft

Weltuntergang? Ja? Nein? Nix ist fix, deswegen raten Trendexperten, 2012 weiterhin achtzugeben: auf Gefühle, Gesundheit, Umwelt, Haushaltsbudget und den neospießigen Nachwuchs. Fad wird es trotzdem nicht.

Manche Anlagen sollte man für 2012 gleich von vornherein schon einmal abschreiben. Insbesondere jene für die Esoterik. Gut, das hat jetzt auch etwas mit Persönlichkeit und Charakter zu tun, aber viel Freude werden Menschen, die mit mystischem Blick durch die Welt spazieren, im kommenden Jahr nicht verspüren. Denn nicht nur die schlaue Hochkultur der Maya, bekannt für ihren entwickelten Kalender, der justament am 21. 12. 2012 endet, prophezeit kosmische Störungen vom Feinsten.

Auch die Aufzeichnungen der südafrikanischen Zulu verheißen nichts Gutes. Im kommenden Jahr kehrt nämlich der Stern „Mu-shosho-nono“ zurück, und der soll bei seinem letzten Auftritt in unserem Sonnensystem auf der Erde eine ordentliche Eiszeit verursacht haben. Ankunftstermin ist übrigens Dezember 2012. Als ob dies nicht genug wäre, haben auch die alten Ägypter für Jahresende eine weltweite Katastrophe in ihren astrologischen Prognosen stehen. Und die Hopi-Indianer sehen ebenfalls ein kosmisches Ereignis auf die Erde zukommen. Keinen Weltuntergang, wohlgemerkt, aber einen reinigenden Übergang in einen neuen Abschnitt. Und das ist schon im Kleinen, etwa bei Aufräumarbeiten am eigenen Schreibtisch, für viele eine unangenehme Angelegenheit.

Trend-Horoskop

Gewissermaßen ebenfalls ein Blick in die Sterne, wenn auch unberechenbarer, sind Zukunftsprognosen, die Lebenswandel, Lebensstil und somit auch die Gesellschaft betreffen. Geforscht und gesucht wird trotzdem intensiv nach Tendenzen und Trends, die unter der Oberfläche schwelen und kurz vor einem Aufflammen stehen und in naher Zukunft marktbestimmend werden.

In der Mode – bei aller propagierten Oberflächlichkeit nach wie vor ein sensibles Instrumentarium für gesellschaftliche Grundgefühle – lässt sich etwa sagen, dass alles weiblicher wird. Auch für Männer. Fließende Formen, körperbetonte Silhouetten – da lässt sich schon eine gewisse „Verweiblichung“ abseits von Herrenhandtaschen und höheren Absätzen bei Männerschuhen diagnostizieren.

Da passt es gut ins Bild, wenn die Trendforscher vom Zukunftsinstitut die große Rückkehr zum Gefühl erkennen. „Moodness“ nennt man das. Auf der Suche und Jagd nach dem Glück hat der Westen verlernt, mit Unzufriedenheit, Scheitern, dunklen Gedanken und Sorgen umzugehen. Mit der Wiederentdeckung der Melancholie entwickelt sich gerade ein Gegentrend zur ganzen Glückssucht, man beschäftigt sich wieder mit sich selbst.

Diese Beschäftigung mit dem eigenen Ich wächst sich aus. Freiwillig quantifizieren sich Menschen selbst. Sie sammeln fleißig Workout-Daten und veröffentlichen diese auch gerne auf Social-Media-Plattformen oder übermitteln sie freiwillig in Community-Foren diverser Sportkonzerne. Wie viel Kilometer bin ich Rad gefahren? Wie lange und wie schnell bin ich gelaufen? Wie sieht es mit meinem Blutdruck aus? Wie viel hab ich abgenommen? Der Mensch hackt sich selbst und wird zur mobilen Datenquelle. Das verändert auch den Blick auf die eigene Gesundheit. Wer vieles von sich weiß und aufgezeichnet hat, dem kann auch der Arzt schneller helfen. Mit Hightech, meist in Verbindung mit Apps, schaut man nun auf seine Gesundheit. Do-it-yourself-Health lautet die Devise der Stunde.

Nachhaltige Verspießerung

Überhaupt wird die Do-it-yourself-Bewegung in naher Zukunft noch wichtiger. Einerseits, weil durch die technischen Möglichkeiten Konsumenten angehalten werden, viele Abläufe selbst zu managen. Sei es beim Einchecken in Flughäfen oder Hotels, beim Kauf von Tickets oder beim Scannen von Möbeleinkäufen. Oder auch in den eigenen vier Wänden. Man bastelt sich aus Restmüll Designerstücke, beruhigt sich beim Heimwerken, motzt altes Mobiliar auf, näht sich Kleidung, zieht Tomaten am Balkon, pflegt einen Schrebergarten oder entdeckt die Freude am Spießigen wieder, wenn man sich mit Wolle und Nadel in die innere Glückseligkeit strickt.

Kein Wunder also, wenn auch die Jugend rebellischen Trieben eine Absage erteilt. Sie gehen in den Idealen der Leistungsgesellschaft auf, tragen ziemlich viel Tweed für ihr Alter und wollen schon in ihren jungen Zwanzigern direkt nach oben. „Early Adulting“, BlackBerry statt Apple, Volvo statt 3er BMW treibt sie an, Werte wie Fleiß, Ehrgeiz und Familienbewusstsein werden gelebt.

Kaufe billig aber schlau

Aber auch der Konsum verändert sich. Bedingt durch Nachhaltigkeitsgedanken und entstandenes Biobewusstsein, legt man vermehrt Wert darauf, zu wissen, was mit den Elektrogeräten und Kleidungsstücken passiert, wenn man sie nicht mehr braucht. Elektrokonzerne, Schuhfabrikanten oder Haushaltsgerätehersteller bieten daher ihren Kunden an, alte, kaputte Geräte anzunehmen, auf dass sie wiederverwertet werden. Von der Reparatur- über die Wegwerf- zur Recyclinggesellschaft und zurück. Und die Secondhand-Kultur erlebt unter diesen Aspekten auch einen neuen Aufschwung und befreit sich vom Flohmarktmief. Vintage wurde endgültig umgedeutet.

Damit es nicht so fahl klingt, nennt man es nun „Recommerce“, wenn günstig Gebrauchtes vorwiegend übers Internet gekauft oder weiterverklopft wird. Es entstehen aber auch immer mehr reale „Second-Sale-Punkte“ in Einkaufsstraßen, die nichts mehr mit Flohmärkten oder Caritas-Möbellagern zu tun haben.

Man schaut also durchaus aufs Geld, das zeigt sich übrigens auch beim Neukauf von Produkten. Die Schnäppchenjagd, oft assoziiert mit Wühltischaktionen, Gutscheinheften und akribischen Preisvergleichen im Internet, wird endgültig positiv gesehen. Wer heute stark rabattierte Produkte kauft, ist stolz darauf. Es braucht nämlich Know-how und festigt den Status, und man darf sich über seine ausgebuffte Klugheit freuen. Geiz ist – man bekommt es seit Jahren eingetrichtert – geil wie nur irgendwas. Vielleicht reicht ja das so Ersparte, um es irgendwann in einer Stiftung anzulegen. Wobei, falls die Welt untergeht, wird man es ohnehin nicht mehr brauchen.

Ob es dazu gekommen sein wird, wissen wir nächstes Jahr um diese Zeit. Ein Indiz dagegen sind die großartigen Wirtschaftsprognosen für China und der Umstand, dass aus dem Reich der Mitte keine apokalyptischen Prophezeiungen für 2012 bekannt sind.

– Manfred Gram

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