Leo Hillinger - Ein wilder Hund auf der Siegerstraße

Leo Hillinger - Ein wilder Hund auf der Siegerstraße

Sportlicher Winzer: Leo Hillinger

Winzer Leo Hillinger ist ein Enfant terrible seiner Zunft. Fesch, erfolgreich und Extremsportler, passt er in keine Schablone.

Die blonde Mähne von einem Haarreifen gebändigt, mit kurzen Freizeithosen und Flip-Flops bekleidet, so lässig trifft man Leo Hillinger in seinem Weingut im burgenländischen Jois an. Den rechten Unterarm ziert ein weißer Verband. "Ich habe mir beim Downhill-Biken den siebten und achten Brustwirbel angeknackst und mein Schulterbandl ist gerissen. Die Fleischwunde zähle ich gar nicht“, schildert der Winzer die Folgen seines kapitalen Sturz.

"Ein wilder Hund“ war Hillinger schon als Kind, "zum Leidwesen meiner Mamsch“. Das ist Leo Hillinger, 47, wie man ihn kennt: direkt, authentisch, ein Unikat seiner Zunft. Und einer, der sich wie kein zweiter inszeniert. Was gleichzeitig Fluch und Segen ist. Es ärgert ihn noch immer, dass er als Promi-Winzer abgestempelt wird. Es ärgert ihn der gerne weitererzählte Satz, dass sein Marketing besser als seine Weine sei. Und es ärgert ihn, als leichtlebiger Party-Tiger zu gelten.

Start mit Schulden

Dabei sieht die Realität ganz anders aus, sagt Hillinger. "Als ich mit 21 Jahren den Weinhandel meines Vaters übernahm, habe ich mit 400.000 Euro Schulden begonnen. Das war reines Harakiri.“ In den ersten Jahren nahm der Jungwinzer jede Arbeit an, um zu überleben. "Ich habe meine Kohle mit Heurigen-Jobs und durch das Abfüllen für andere verdient.“ Nach und nach kaufte der junge Wilde Weingärten hinzu und begann, selbst zu vinifizieren.

Die Rechnung ging auf: Heute sind Hillingers Rebensäfte in vieler Munde, und er ist schuldenfrei. "Ich habe jeden Cent in neue Weingärten investiert. Dafür habe ich bis vor fünf Jahren mit Frau und Kindern noch bei meiner Mutter gewohnt.“ Vergangene Woche erweiterte Hillinger seine Weingüter durch Zukäufe auf 75 Hektar. Pro Jahr werden rund 600.000 Flaschen abgefüllt, der Umsatz beläuft sich auf geschätzte 18 Millionen Euro. Exportiert wird in 18 Länder, hauptsächlich in die USA, die Schweiz, nach Deutschland und China. Dass die Weine, allen voran die Cuvées Hill 1, Hill 2 und 3, laufend ausgezeichnet werden, ist Balsam für Leos Seele.

Aufräumen möchte Hillinger auch "mit der Mär“, dass er für Hofer Wein produziere: "Das Flat-Lake-Projekt hat nichts mit Hillinger-Weinen zu tun. Ich berate junge Weinbauern und Winzergenossenschaften und kontrolliere die Produktion. Das Ergebnis sind gute Weine, die bei vielen Blindverkostungen als Sieger hervorgehen.“

Leo Hillinger am Mountainbike

Kurze Nächte

Hillinger ist ein Kämpfer, ein wilder Hund. Er kommt mit täglich fünf Stunden Schlaf aus. In der Früh radelt er bereits durch die Weingärten rund um Jois und schaut, wie es um die Ernte bestellt ist. Seiner Familie und dem Sport widmet er sich tagsüber. Wenn alle schlafen gehen, ist er wieder am Werk, meist bis Mitternacht. "Wirklich entspannen kann ich nur beim Radfahren. Ich habe ja sonst keine Hobbys.“

Also fährt Leo harte Radmarathons. 8.000 Kilometer hat der Biker heuer schon auf seinem Tacho, 10.000 werden es bis Jahresende sein. Highlight und Krönung war für Hillinger im März das härteste Mountainbike-Rennen der Welt, die Cape Epic in Südafrika. "Du fährst in acht Tagen 739 Kilometer und 16.000 Höhenmeter. Das ist zwei Mal der Mount Everest.“ Die Bedingungen sind wahrlich kein Zuckerschlecken. Zerfressene Ketten und Lager sowie zermürbte Knochen sind noch die kleineren Übel. Hinzu kommen extreme Temperaturschwankungen, gepaart mit härtesten Anstiegen. Hillinger biss sich durch und reihte sich mit Teamkollege und Radprofi René Haselbacher auf Platz 56 von 800 in seiner Altersklasse ein. "Das ist großes Kino, ein Lebenstraum, der in Erfüllung ging.“

Der Leithaberg-Radmarathon im Mai, bei dem Hillinger Platz zwei errang, war dagegen eine Aufwärmrunde. Für einen Endvierziger ein beachtliche Leistung. Doch der Sport fordert auch seinen Tribut: "Mein Rücken ist um 25 Jahre älter als ich selbst, meint mein Arzt.“ Doch das hält den Extremsportler nicht davon ab, sich bereits auf das nächste spektakuläre Rennen, die "Wines to Whales“ in Südafrika vorzubereiten. Das Etappenrennen führt Anfang November von Stellenbosch bis zur Bucht von Hermanus. Die Gesamtlänge beträgt 212 Kilometer, die gesamte Fahrzeit rund zwölf Stunden. Hillinger wird dabei das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und mit seinem Partner, dem renommierten Winemaker Tertius Boshoff, die Zusammenarbeit in Sachen Cape Hill Sauvignon Blanc und Syrah vertiefen.

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