Kino im Kopf

Wieland Alge, General Manager von Barracuda Networks, schützt die IT-Infrastruktur von Unternehmen. Seine Sehnsucht nach wundersamen Dingen stillt er mit dem Lesen von Comics.

Kino im Kopf

Um eine Bankfiliale zu überfallen, muss man heute niemandem mehr eine Pistole vorhalten. Das geht viel einfacher via Internet“, lacht Wieland Alge, Managing Director für Europa bei Barracuda Networks, dem Spezialisten für IT-Sicherheit. Der promovierte Physiker ist Web-Profi der ersten Stunde. Und durch diese jahrzehntelange Erfahrung kennt er alle Schwachstellen im Netz, die von Gesetzesbrechern genutzt werden können. Einerlei, ob wichtige geheime Daten oder Geldbeträge Ziel von krimineller Energie sind. Alge und seine Kommilitonen Klaus Gheri und Peter Marte haben diese Gefahren nach ihrem Studium erkannt und zu einem Geschäftsmodell gemacht. "Wir haben brauchbare Dinge erfunden, um den Menschen eine Sicherheit im Netz zu geben.“

Das Trio konzentrierte sich mit der 1999 gegründeten Firma Phion darauf, IT-Sicherheitssysteme, sogenannte Firewalls, für Unternehmen zu entwickeln. Nach dem erfolgreichen Börsengang im Jahr 2007 wurden die internationalen IT-Sicherheitsspezialisten Barracuda auf Alge und sein Team aufmerksam. Das Angebot des großen Unternehmens war gut. Man wollte das bereits Erreichte absichern und verkaufte Anteile, allerdings sich selbst gleich mit dazu.

"Der Verkauf war kein Life Change, darum sind wir heute noch immer an Bord“, scherzt Alge. Doch sein Konzept, vom Gründer zum Unternehmer zu werden, ging auf. 2008 wurde Alge von Ernst & Young zum "Entrepreneur of the Year“ gekürt. Und Barracuda zählt mit 150.000 Kunden neben Cisco, Symantec und McAfee zu den absoluten Profis der Branche.

Wundersame Sehnsucht

Alge ist alles andere als ein trockener Techniker: Witz, Selbstironie, Spaß an schrägen Dingen zeichnen ihn aus. Obwohl es sein Kernbusiness ist, die IT von Unternehmen vor Übergriffen zu schützen, musste er kürzlich feststellen, dass auch er 1994 peinliche Spuren in Form von Blondinenwitzen im Netz hinterlassen hat. Aber Physiker sind eben ein eigenes Volk. Der Beweis dafür ist für ihn die amerikanische Sitcom "The Big Bang Theory“, in der zwei Physiker und ihre Unfähigkeit, mit sozialen Beziehungen umzugehen, aufs Korn genommen werden. "Da werden alle möglichen Klischees, die man Physikern zuschreibt, reingeschmissen, und sie stimmen natürlich alle“, erzählt Alge lachend. Die Mehrheit der Physiker hat auch eine große Affinität zu Fantasiewelten, weiß der Manager. "Wir können uns Abende lang über ‚Herr der Ringe‘ von Tolkien unterhalten.“ So streng rationale Menschen hätten auch eine große Sehnsucht nach Dingen, die "ein bisserl wundersam sind - und Comics sind eine Manifestation dieser Sehnsucht“.

Als Kind durfte Alge keine Comics lesen, nur heimlich bei Freunden. Aber er schwor sich: "Irgendwann werde ich eigene besitzen.“ Dazu kam es erst als Student. Er begann die Unibibliothek Innsbruck nach Comics zu plündern, obwohl es ihm peinlich war, weil der Bibliothekar ihn wegen seines Alters schief ansah. Zudem war es eine teure Angelegenheit. Immerhin verschlang der Comics-Fan an einem Wochenende bis zu 13 Bände. "Ich musste mich immer entscheiden, Comics zu kaufen oder mit Freunden auf ein Bier zu gehen.“ Seine große Sammelleidenschaft begann vor etwa zehn Jahren, "als der Studentenhunger vorbei war und ich Geld verdiente“. Heute besitzt Alge etwa 13.000 Comics quer durch alle Genres, aber vorzugsweise Ausgaben aus Frankreich und Belgien, wo Comics ihre Wurzeln haben.

Brain-Food

Alge braucht in seiner Freizeit immer eine Beschäftigung, die ihn ablenkt. Er schafft es nicht, "nicht an die Firma zu denken“. "Sobald ich meinem Hirn Platz gebe, muss ich es beschäftigen.“ Da helfen auch Segeltörns oder Bergtouren, denn da muss sich der Naturwissenschaftler konzentrieren. Oder aber er kocht. Da kann er sich so richtig reinsteigern, wie kürzlich beim 70. Geburtstag seiner Mutter. "Da packt mich die Eitelkeit, und ich koche ein zehngängiges Menü.“ Der Lachs war selbst gebeizt, Forelle und Lachs von Rösti umrandet und das Wagyu-Beef hauchzart. Dann bildete er sich noch ein, zwei Eissorten selbst zuzubereiten. "Ja, das hat mich abgelenkt“, sagt er zufrieden.

Doch der ganz große Freizeit- und Entspannungsfaktor sind und bleiben für Alge seine Comics. "Das ist Kino im Kopf.“ Als Tolkien-Fan besitzt er auch das "Elbische Wörterbuch“ und kann die gesamte Zeitrechnung von "Herr der Ringe“ runterbeten. In Alges Bibliothek finden sich aber auch "Die Abenteuer von Blake und Mortimer“, die frankobelgische Comics-serie des MI5-Chefs Mortimer Blake und seines Freundes, des Atomphysikers Philip Mortimer, oder das berühmte Comics-Buch "Schlaf der Vernunft“, mit dem Enki Bilal 1979 seinen großen Durchbruch hatte. "Wenn ich Comics lese, kann ich auch wunderbare Zeitreisen machen“, beschreibt der Barracuda-Manager. Ja, damals war die Welt noch in Ordnung. Carl Barks’ Panzerknacker haben zwar auch immer versucht, an das Barvermögen von Dagobert Duck zu kommen, sind aber stets im Knast gelandet.

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