"Im Netz braucht es eine robuste Psyche“

"Im Netz braucht es eine robuste Psyche“

FORMAT: Frau Dillig, Sie haben sich intensiv mit Dating- und Partnerbörsen im Internet beschäftigt. Warum, glauben Sie, blüht dieses Geschäft zurzeit so?

Annabel Dillig: Ein Single auf der Suche will sich nicht nachsagen lassen, nicht alles für sein Glück unternommen zu haben. Schließlich lässt man sich heute ja von Finanzplanung bis zur Diät bei fast allem helfen. Und es ist auch sehr komfortabel. Ab 30 werden die WG-Partys weniger, und man geht auch weniger aus. Für das Versprechen, so unkompliziert die große Liebe zu finden, zahlt man gerne 180 Euro für drei Monate.

FORMAT: Ist die Partnersuche bei der Generation 30 plus pragmatischer geworden?

Dillig: Ja, man hat vieles im Leben nach Phasen geordnet, die man angeht und abschließt. Man denkt und plant in Projekten. Projekt Karriere, Projekt Wohnung, Projekt Reise. Auch die Partnersuche ist für viele eine Art Projekt, das eingeschoben wird und sich optimieren lässt.

FORMAT: Was hat Sie bei Ihrer Recherche überrascht?

Dillig: Ich dachte ja immer, dass wir in einer Singlegesellschaft leben, tatsächlich wird in unserer Welt eine Paarbeziehung nach wie vor vorausgesetzt. Es gibt eine Art Liebesnormalbiografie, und in der sind längere Singlephasen oder gar die bewusste Entscheidung zum Singlesein nicht vorgesehen.

FORMAT: Sie suchten ja auch selbst einen Partner über Netz-Agenturen. Braucht es da Nerven?

Dillig: Die Suche und die Pflege der Netzwerke sind sehr zeitaufwendig. Man braucht eine robuste Psyche und muss sich bewusst machen, dass man sich als Ware ausstellt, wie eine Ware behandelt wird und auch andere auf ihre Tauglichkeit abklopft. Die Anbieter versprechen einem die große Liebe. Findet sich trotz Bemühen und großer Auswahl niemand, stellt sich schnell das Gefühl ein, dass es an einem selbst liegt.

FORMAT: Haben Sie das unterschätzt?

Dillig: Ja und nein. Aber natürlich ist man gekränkt, wenn eine Absage kommt.

FORMAT: Gibt es Ge- & Verbote bei der Suche im Netz?

Dillig: Ich habe in New York mit einem Coach gesprochen. Sein Credo: Wenn nach vier Mails noch kein Date ausgemacht ist, weitersuchen. In einer virtuellen Kommunikation projiziert man gern jede Menge in den anderen hinein. Entscheidend ist aber, ob es bei einem realen Treffen funkt.

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