Hybris-Chef Gerald Lanzerits - der Retro-Mann

Gerald Lanzerits, Chef der Softwareschmiede Hybris, lebt in der Vergangenheit: Er bastelt an alten Rädern, knipst mit Retro-Kameras und liebt den Sound des ’95er Porsche.

Hybris-Chef Gerald Lanzerits - der Retro-Mann

Der Vater checkt per Mausklick seine Lufthansa-Flüge, die Mutter informiert sich auf topkapi.at über die neuesten Beauty-Trends, Sohn Karl surft durch die Angebote von Sports Experts, und seine Schwester blättert im H&M-Katalog. Die Vertriebskanäle des Handels sind heute vielfältiger denn je. Der Einkauf im Shop verschmilzt mit dem Internethandel. „In der heutigen Zeit ist es für Händler unerlässlich, sich mit dem Thema Multichannel zu befassen“, erklärt Gerald Lanzerits, 51, Vice President Eastern Europe, Middle East und Österreich der Hybris Austria GmbH.

Das Unternehmen Hybris ist weltweit einer der Big Player in diesem Business und liefert die entsprechende Beratung und Software für den mehrgleisigen Vertrieb im Handel. Ob Coca-Cola, Douglas, Nespresso, P&G oder heimische Größen wie Humanic, Raiffeisen Ware, XXXLutz, bauMax, Interspar oder Libro, sie alle zählen zum Kundenkreis von Hybris.

Virtuelle Welten haben den Betriebsinformatiker schon in jungen Jahren fasziniert. Kurz nach seinem Studium in Linz übernahm Lanzerits die Leitung eines Großkundensegments bei Hewlett-Packard, wechselte dann zu Oracle, baute Broad-Vision in Österreich auf und nahm dann die nächste Sprosse auf der Karriereleiter bei Microsoft, bevor er vor fünf Jahren von Hybris Austria abgeworben wurde. „Unsere Branche entwickelt sich so rasant und bietet so viele spannende Herausforderungen, dass man sich immer wieder neu erfinden muss“, ist der Mann nach wie vor von seinem Job fasziniert.

Die Zeit zurückdrehen

In Lanzerits’ spartanisch eingerichtetem Büro stehen nur ein Tisch, zwei Stühle, ein PC plus Mobiltelefon, basta. Seine Dokumente sind alle in der Cloud. „Wenn mir jemand den Computer wegnimmt, geht mir nicht wirklich etwas ab“, erklärt er. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Lanzerits möchte seine Erfolge auch „gerne angreifen können“. Bei Software geht das schlecht. Deshalb schraubt der Mann in seiner Freizeit gerne alte Fahrräder zusammen, fotografiert mit Retro-Kameras und fährt einen alten Porsche, weil er da noch so richtig die Technik spürt. „Das ist für mich ein Gegenpol zu dem, was ich sonst im täglichen Leben mache, da habe ich etwas in der Hand.“

Viel Technik, null Elektronik

In jungen Jahren war Lanzerits Radrennfahrer und absolvierte unter anderem den Ötztaler Radmarathon. Heute nutzt er das Rad mehr als Fortbewegungsmittel. Es fasziniert ihn jedoch die mechanische Komponente, und so hat er sein 25 Jahre altes Rennrad, auf dem er 60.000 Kilometer abgespult hat, durch Restaurierung in fabriksneuen Zustand gebracht. „Ich habe mein Rad komplett zerlegt, kaputte Teile ausgetauscht und ihm neuen Glanz verpasst.“ Auf die Idee kam er, weil er immer mehr Burschen und Mädels sah, die auf ihren Fixies herumfahren. „Man kann Fahrräder von der Stange kaufen oder sie kundenspezifisch konfigurieren“, erklärt der Sportler.

Früher ist er nach Italien in eine Fahrradschmiede gefahren, hat sich den Radkörper vermessen lassen, dann wurde der Rahmen gebaut und die Farbgebung beschlossen. „Jeder hat sich sein eigenes Rad zusammengestellt, es war alles technisch, null Elektronik. Und in den alten Rädern liegt mehr Schönheit, sie wurden viel filigraner designt“, holt Lanzerits aus.

An seinem Porsche Jahrgang 1995 zangelt er zwar nicht selbst herum, aber der ist für ihn „ archaisch, wo man noch die Mechanik spürt“.

Digital knipsen

Es gibt auch andere Themen aus der Vergangenheit, die Lanzerits Spaß bereiten. „Ich knipse schon mein ganzes Leben lang, bin zwar kein guter Fotograf, aber es macht mir Spaß.“ Früher hat er Filme und Fotos selbst in der Dunkelkammer entwickelt, doch zwischenzeitlich hat er sich auf digitale Bilder spezialisiert. Er nimmt seine Objekte mit einer Leica und einer Fuji im „coolen Retro-Design ins Visier“. Und da wären noch rund 40.000 Aufnahmen, die Lanzerits peu à peu in eine Ordnung bringen muss.

Retro-Mann Lanzerits scheint rundum zufrieden: „Als ich meinen 50er gefeiert habe, dachte ich, ich habe es schon lässig erwischt.“ Und wenn der geplante Börsengang von Hybris in diesem Jahr ein Erfolg wird, wer weiß, dann kann sich Lanzerits bald ausschließlich der Vergangenheit widmen.

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