Hotelier Norbert Winkelmayer und die Liebe zur Kunst

Norbert Winkelmayer entwickelt Immobilien und ist Besitzer des neuen Boutique-Hotels Sans Souci in Wien. Dort fühlt er sich nicht nur wohl, weil er es nach seinem Geschmack designt hat, sondern auch, weil er seine Kunstwerke und Skulpturen täglich betrachten kann.

Hotelier Norbert Winkelmayer und die Liebe zur Kunst

Es ist geschafft! Norbert Winkelmayer, 44, bestellt in der Bar seines Wiener Hotels Sans Souci einen Espresso Macchiato. "Der ist richtig zubereitet, nur mit einem Schaumhäubchen. Ich hasse es, wenn Milch in den Espresso geschüttet wird“, sprudelt es aus ihm heraus. "Ich bin extrem pingelig. Das ist auch der Grund, warum ich in letzter Zeit so overworked war.“ Alles kontrollieren zu wollen ist ein Wesenszug, der Winkelmayer in der Jugend in die Magersucht trieb. Diesmal war Stress der Auslöser, dass der 1,83 m große Mann zu Weihnachten nur noch 63 Kilo auf die Waage brachte. Das Energiebündel hatte wochenlang nur drei Stunden pro Nacht geschlafen. Zwei Tage vor Weihnachten hatte er dann Handy und Computer heruntergefahren und in eine Ecke verbannt. "Sonst hätte ich die Patschen gestreckt“, sagt der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Sans Souci, die auch Eigentümerin des gleichnamigen Fünfsternehotels hinter dem Volkstheater ist.

Aufgehängt statt weggesperrt

In nur zwei Jahren baute Winkelmayer das "devastierte“ Gebäude, Baujahr 1872, um 34 Millionen Euro in eine Luxusherberge um - eine Mischung aus altem Wiener Charme und modernem Boutique-Hotel. Die 63 Zimmer und Suiten tragen die Handschrift des Designkollektivs yoo rund um Philippe Starck. Wände und Flure sind mit Kunstwerken aus der Privatsammlung von Winkelmayer bestückt. Einem Roy Lichtenstein begegnet man hier ebenso wie Allen Jones oder Steve Kaufman. Angst vor Dieben hat der Unternehmer nicht. "Klar tut es weh, wenn Bilder gestohlen werden, aber ich bin gut gesichert und versichert.“ Winkelmayer hat sowohl zur Kunst als auch zu seinen High-End-Immobilien einen pragmatischen Zugang: "Ich lebe damit und habe meine Freude daran. Bilder in den Tresor oder Keller zu sperren, davon halte ich nichts.“

Kunst bestimmte schon von klein auf Winkelmayers Leben. Die Mutter war Assistentin von Christian M. Nebehay, der eng mit Egon Schiele und Gustav Klimt befreundet war. "Er war auch der Oberguru, der über Schiele Bücher geschrieben hat, und meine Mutter war sehr involviert“, erzählt der Hotelier. Sein erstes Bild, das er mit 16 Jahren erwarb, war ein Hundertwasser-Aquarell, eine Empfehlung von Walter Koschatzky, dem früheren Chef der Albertina. Und Winkelmayer war gerade flüssig, weil er in einer Unfallcausa 20.000 Schilling Schmerzensgeld erhielt. "Dieses Hundertwasser-Aquarell kostete damals 17.000 Schilling und ist heute sicherlich das Hundertfache wert“, schätzt er.

Damals begann sich der Mann auch für Pop-Art zu interessieren. "Das Kreative war für mich immer schon wichtig. Als ich magersüchtig war, jobbte ich als Modell und designte meine eigenen Kollektionen.“ Später besuchte Winkelmayer die Fachhochschule für Maschinenbau. Seine Diplomarbeit, ein Lüftungsgerät, hat kalkulatorisch funktioniert, war formschön, aber leider zu teuer, um in Serie zu gehen. Enttäuscht kehrte der Kreative der Technik den Rücken, studierte an der WU und gründete seine erste Firma. Sein "base capital“ hat er sich jahrelang als Skilehrer in Obertauern verdient. Dann riet ihm sein Steuerberater, in Häuser zu investieren, um Verluste gegenrechnen zu können. Winkelmayers erster Kauf war ein Haus in der Steingasse in Wien-Landstraße. Das war der Einstieg ins Immobilienbusiness. Sein Firmensitz befindet sich heute im Palais Sans Souci in Wien-Wieden.

Das Steckenpferd von Winkelmayer ist jedoch nach wie vor das Sammeln von Kunst. Seine Art Foundation investiert und sammelt seit Jahrzehnten internationale und nationale Kunst - sowohl Gemälde als auch Skulpturen.

Das Hauptaugenmerk legt er auch auf Künstler aus Österreich wie Erwin Wurm, Herbert Brandl, Franz West, aber auch auf amerikanische Pop-Art-Künstler wie Roy Lichtenstein, James Rizzi, Charles Fazino oder Allen Jones. Auf Ausstellungen oder Leihgaben legt Winkelmayer keinerlei Wert. Lieber erfreut er sich täglich an den vielen Kunstwerken oder lässt seine Hotelgäste gratis einen Blick auf die Bilder und Skulpturen werfen.

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