Halbinsel Istrien: Vom Geheimtipp zur begehrten Destination für Genießer

Trüffeln, Krustentiere, Olivenöle und gute Restaurants – die kroatische Halbinsel Istrien hat sich längst zum Paradies für Feinschmecker entwickelt.

Es ist eine kleine Straße, die sich in Serpentinen einen Berg hinaufschlängelt, im nördlichen Hinterland Istriens, nahe der Stadt Livade. Ganz oben in einem kleinen Ort residiert die Familie Ipša. Sie ist es längst gewöhnt, dass Österreicher, Italiener und Deutsche in diesem entlegenen Gebiet den Weg bis vor die Haustür finden, um zwei kulinarische Besonderheiten zu kaufen: Trüffeln und Olivenöl.

Klaudio Ipša macht nicht irgendein Olivenöl, sondern das wahrscheinlich beste Istriens. Zumindest hat er für mehrere Sorten seiner Öle bereits jede Menge an internationalen Auszeichnungen bekommen.

Aber auch seine Trüffeln begeistern die Besucher. Heuer war für Sommertrüffeln ein besonders gutes Jahr, die Knollen, die Ipša stolz präsentiert, sind voluminös, riechen intensiv und sind mit 150 Euro pro Kilo relativ günstig. Filip Franjicevic, der mit Ipšas Knollen auch in Österreich handelt, schwärmt: „Sommertrüffeln dieser Qualität hat es schon lange nicht mehr gegeben, 2010 ist für uns ein hervorragendes Jahr“.

Die Zeit der Sommertrüffeln ist bereits vorbei, Ende September beginnt dann die Saison der weißen Trüffeln, die sind noch begehrter, aber auch ungleich teurer. Und Istrien – als neues Trüffelparadies zunehmend berühmt – ist drauf und dran, dem Piemont den Rang abzulaufen.

Die kroatische Halbinsel ist aber nicht nur wegen der Knollen aus dem Mirnatal ein begehrtes Ziel für Feinschmecker und Gourmets: Istrien hat sich ganz allgemein in den vergangenen Jahren vom Geheimtipp zu einer begehrten Destinationen für Genießer entwickelt: Krustentiere, Muscheln und Fische erhalten die Wirte dort noch direkt von den lokalen Fischern. In anderen Küstengebieten werden sie oft von weit her herangekarrt.

Boomende Lokalszene  

Die Restaurantszene ist vielfältig, viele Gasthäuser – vor allem im Hinterland – sind ursprünglich geblieben, wie etwa das Mira in Momjan, eine „Konoba“ in dörflicher Abgeschiedenheit, wo reichlich Trüffeln über hausgemachte Nudeln gehobelt werden.

Inzwischen ist auch im gehobenen Segment das Angebot so reichhaltig wie noch nie. Sogar die Molekularküche hat vor Istrien nicht Halt gemacht. In der Villa Cittar im Restaurant Pepenero in Novigrad steht Marin Rendic am Herd, meist ganz in Schwarz gekleidet. Seine Liebe zu Stickstoff und Schäumchen ist unübersehbar, darüber hinaus versteht er sich aber auch auf raffiniert kreierte, harmonische Gerichte.

Eines der berühmtesten Restaurants ist jenes von Giancarlo Zigante in Livade. Zigante ist der ungekrönte Trüffelkönig Istriens. Im Laufe der Jahre hat er einen überaus schwungvollen Handel mit den teuren Knollen aufgebaut. Ganz Istrien hat er inzwischen mit einem Netz an Läden überzogen, in denen man so gut wie alles zum Thema Trüffeln erhält. Auch den Fund einer mehr als 1,3 Kilo schweren Knolle hat er – ganz PR-Genie – nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet und ist damit sogar ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen worden.

Ein wenig Show macht auch Damir Beletic im Res­taurant Damir e Ornela in der Altstadt von Novigrad. Sein Konzept ist einfach, aber wirkungsvoll: kein Fleisch, dafür jede Menge Muscheln, Scampi und Fische in Form eines 5-gängigen Menüs. Mit ultrascharfen japanischen Messern zersäbelt Beletic die berühmten Seezungen von Novigrad und verwandelt in Sekundenschnelle jedes Meeresgetier zu istrischem Sushi, da die Produktqualität so gut ist, dass er die Fische roh servieren kann – mariniert mit einer persönlichen Cuvée aus italienischen und kroatischen Olivenölen.

Schönstes Hotel

Besonders begehrt bei den Österreichern ist das Restaurant Cok, ebenfalls in Novigrad. Dort steht der gelernte Koch und Fischer Viljan Jugovac am Herd. Einer der Hausklassiker: Seezunge mit Kuhmilch-Mozzarella.
Mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit wurde in den vergangenen drei Jahren das Landhotel San Rocco in dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Brtonigla zum „schönsten kleinen Hotel“ Kroa­tiens gekürt. Das 4-Sterne-Haus ist nicht nur schön, auch die Küche hat sich inzwischen deutlich steigern können. Unter anderem werden dort Gerichte aus dem für Istrien typischen Boskarin-Rind hergestellt. Oder es kommt einfach nur eine getrüffelte Kartoffel zu Tisch, in der sich ein wachsweiches Ei verbirgt.

Herbert Hacker

Die besten kulinarischen Adressen in Istrien finden Sie im aktuellen FORMAT Nr. 34, ab Seite 82

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